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Gastbeitrag von Karl-Heinz Petzinka
Schadowstraße braucht Allee-Charakter

Bilder: Die Gestaltungsideen für die Schadowstraße
Bilder: Die Gestaltungsideen für die Schadowstraße FOTO: Stadt Düsseldorf
Düsseldorf. Die Bedeutung der Straße, wenn man so will, fokussiert im Maß des öffentlichen Lebens. Menschen halten sich dort gerne auf, wo es zu schauen gibt, wo es zu verweilen gilt, ganz im Sinne eines "Freude schöner Götterfunken" auf den Lippen, einfach gerne da zu sein.

Der Mensch muss Teil des öffentlichen Lebens bleiben, er muss die Stadtöffentlichkeit bilden und ist damit untrügerisches Synonym für städtisches Leben selbst. Johann Friedrich Geist schreibt vor fast 60 Jahren dazu, dass die Öffentlichkeit als kontrollierende Instanz dann nicht mehr im Takt ist, wenn ihr die Architektur (im Sinne einer Gestaltung) nicht mehr den Raum dazu gibt.

Hier auf einer der wichtigsten Einkaufsstraßen im Vergleich derer in Deutschland haben wir alle Voraussetzungen für ein Höchstmaß an öffentlichem Leben. Viele Menschen, die schauen und kaufen, unterschiedliche Geschäfte und gute Lagen in der Innenstadt. Ein gutes Raumgefühl der Straße muss also her, um das städtische Leben hier aufblühen zu lassen und die Bedeutung der Straße wieder zu dem zu machen was sie sein sollte, nämlich Teil des öffentlichen Lebens.

Die Schadowstraße, wie sie heute aussieht - Bäume könnten hier nach Architekt Karl-Heinz Petzinka Spalier, Schattenspender und Taktgeber sein. FOTO: H.-J. Bauer

In diesem Sinn ist Straße nicht gleich Straße, Boulevard nicht von selbst Boulevard und Allee nicht einfach durch Erklärung Allee. Dem Anspruch auf ein gelungenes Stadtbild müssen (!) alle Protagonisten verpflichtet sein, um der Öffentlichkeit auch die Möglichkeit zur Öffentlichkeit zu erhalten.

Wir haben doch die wunderbare Königsallee, weltberühmt wegen ihres Nebeneinanders von Spaliergrün, Flanierstreifen, Rad und Auto. Die Heinrich-Heine-Allee zeigt sich in anderer Qualität, die schöne Jägerhofallee, sie alle zeigen, was die "res publica" am Leben hält.

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Auf der Schadowstraße haben wir zusätzlich den architektonischen Raum beidseitig. Wir haben die Sonne, die vormittags und nachmittags die Seiten wechselt. Was wir nicht haben, sind einfache Bäume. Man kann im Stadtbild doch nicht genug davon haben. Sie sind angenehmes Spalier zur Verkehrsstreuung, Schattenspender, Taktgeber für Entspannung und Ruhe, wenn unsere Senioren auf den Bänken zwischen ihnen verweilen. Kaffee im Grünen zu trinken und ein leckeres Alt macht so auch mehr Spaß. Straßenlaternen gehören dazu, die das Bild prägen, alles Dinge, von denen wir wissen, dass sie einfach schön sind.

Und jetzt lohnt noch einmal ein Blick auf das trostlose Pflaster der Schadowstraße (Künstlerentwurf) und das, was da an Plastikwürfeln, wohl Kunst gemeint, zur Gestaltung entlang der Fassaden hängt. Ich denke, man kann getrost sagen, es ist viel einfacher, als man glaubt, Orte für gutes öffentliches Leben zu schaffen, wenn man auch mal über den Tellerrand schaut. Amsterdam, eine Stadt, wo es keine Straße im Zentrum gibt ohne sicheren Fahrradstreifen, mittendrin die Straßenbahn, gesäumt von Flanierstreifen, Bäumen und Grachten und dann auch noch voll, voll, voll mit gut gelaunten tausenden Menschen.

So sollte sie sein: unsere neue alte Schadowstraße.

Der Autor Karl-Heinz Petzinka (Jahrgang 1956) hat an der RWTH Aachen Architektur studiert. Seit 1988 lehrt er an verschiedenen Hochschulen, auch an der hiesigen Kunstakademie. Zu seinen wichtigsten Projekten zählen das Stadttor und das Konrad-Adenauer-Haus in Berlin.

Quelle: RP
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