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Analyse
Schlammschlacht bei der Jungen Union Düsseldorf

Analyse: Schlammschlacht bei der Jungen Union Düsseldorf
Benedict Stieber (links) war vor Ulrich Wensel Chef der Düsseldorfer Jungen Union und ist mit der Rücktrittsforderung nicht einverstanden. FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Ein Teil des CDU-Nachwuchses fordert Merkels Rücktritt vom Parteivorsitz. Andere JU-Mitglieder kontern mit harten Bandagen. Fechten die Jungen den Zwist ihrer Bundestagsabgeordneten aus? Von Stefani Geilhausen

Der Brief kam anonym und mit der Bitte um Verständnis. Die Unterzeichner müssten fürchten, bedroht und eingeschüchtert zu werden. Gesprächspartner am Telefon halten sich ähnlich bedeckt. Dabei geht es nicht um Hell's Angels oder die Mafia. Die sich fürchten sind - wie die, vor denen sie sich angeblich fürchten - junge, engagierte Mitglieder der CDU-Nachwuchsorganisation in Düsseldorf.

"Krass", nannte Kreisparteichef Thomas Jarzombek, was da anonym den Medien zugespielt wurde. Merkwürdige Methoden zur Mitgliederakquise und seltsame Botschaften des JU-Vorsitzenden an eine interne Whatsapp-Gruppe interessieren ihn dabei nur am Rande. "Die Junge Union ist eine eigene Organisation, das müssen die bei sich klären." Vorwürfen über die Finanzen der Schülerunion und dem Umgang mit Mitgliedsbeiträgen geht jetzt der CDU-Kreisvorstand nach. "Wenn das zutrifft, muss es umgehend abgestellt werden. Keinesfalls darf der Eindruck entstehen, so etwas sei geduldete Praxis in der CDU Düsseldorf oder ihrem Umfeld."

Die Sprachnachrichten, auf denen er "betrunken für einen Freund Partei ergriffen" habe, sind dem Vorsitzenden der Düsseldorfer JU, Ulrich Wensel zwar "ein bisschen peinlich". Vor allem aber sieht er im Versand der für einen kleinen Kreis gedachten Botschaften eine Straftat, die er anzeigen will. Der Empfängerkreis sei überschaubar genug, um den Schuldigen zu finden, glaubt er, und vermutet, im Kreise derer fündig zu werden, die sich gegen den wohl spektakulärsten Beschluss in der Geschichte der Düsseldorfer JU ausgesprochen haben.

Der Kreisvorstand hatte international für Aufsehen gesorgt, als er mehrheitlich beschloss, Angela Merkel zum Rücktritt vom CDU-Vorsitz aufzufordern. Da konnte sich selbst der jüngste Nachwuchspolitiker ausrechnen, dass ihm zwei Tage nach dem Scheitern der Jamaika-Sondierung im aufgescheuchten politischen Berlin die volle Aufmerksamkeit zuteil würde.

Dort wurden in der Plenarsitzung vor allem die CDU-Abgeordneten Thomas Jarzombek und Sylvia Pantel überrascht - und mussten sich von den Fraktionskollegen allerhand Fragen gefallen lassen. Beide versichern, mit dem JU-Beschluss nicht nur nichts zu tun zu haben, sondern auch, ihn inhaltlich nicht zu teilen. Dass beide aber den Namen des jeweils anderen schnell ins Spiel brachten, zeigt einmal mehr die innige Abneigung, die sie verbindet.

Kein Wunder, dass die Schlammschlacht im Düsseldorfer Parteinachwuchs auf viele wie ein Stellvertreterkrieg wirkt. Wensel bezeichnet seine Kritiker - zu denen auch seine Stellvertreterin zählt - als schlechte Verlierer, die in sprachlich und auch sonst schlechtem Stil eine "alberne" Erklärung abgegeben hätten, und zielt dabei auf seinen Vorgänger Benedict Stieber. Der gehört zu den politischen Unterstützern von Thomas Jarzombek, während Wensel wiederum im Wahlkreisbüro von Sylvia Pantel arbeitet.

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Vielleicht sind die Abgeordneten ihrem Anhang schlechte Vorbilder gewesen. Jetzt müssen sie aufpassen, nicht aus den eigenen Lagern beschädigt zu werden, wenn die einander am Kindertisch der CDU mit Schmutz bewerfen.

Quelle: RP
 
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