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Düsseldorf
Schleier-Verbot: Politiker wollen keine Landesregel

Diese Schleier-Typen gibt es
Diese Schleier-Typen gibt es FOTO: RP
Düsseldorf. Der Vorschlag von Pädagogen, das Verbot einer Vollverschleierung an Schulen landesweit - beispielsweise durch einen Erlass des Schulministeriums - zu regeln, stößt bei Landes- und Kommunalpolitikern auf Skepsis. Von Jörg Janssen

Ausgelöst hatte die Debatte eine im Konsens von Eltern und Lehrern erlassene Schulordnung an der Adolf-Klarenbach-Grundschule in Holthausen. Dort waren regelmäßig Mütter mit Gesichtsschleiern, wie sie bei Nikab oder Burka üblich sind, auf das Gelände und in das Gebäude gekommen. Im Sinne einer offenen Kommunikation und um sicher zustellen, das Kinder von dazu berechtigten Personen abgeholt werden, war die neue Regel so festgeschrieben worden.

Verschleiert: Die Welt durch den Niqab gesehen FOTO: ap

"Das Kriterium in solch einem Fall ist der Schulfrieden und über dessen mögliche Gefährdung kann die Schule vor Ort immer noch am besten entscheiden", sagt Monika Düker, die für die Grünen im Düsseldorfer Landtag sitzt. Nach Einschätzung der Abgeordneten wird im Schulbereich ohnehin schon "zu viel zentral geregelt". Bereits die im Frühjahr gerichtlich gekippte, landesweite Regelung, mit der Lehrerinnen in NRW untersagt wurde, im Unterricht ein Kopftuch zu tragen, sei ihr zu weit gegangen. "Auch hier brauchten wir keine landeseinheitliche Vorschrift."

Peter Preuß, der für die Christdemokraten im Landtag sitzt, teilt diese Einschätzung. Die lokale und die schulische Ebene seien genau der richtige Ort, um solche Dinge zu beraten und schließlich auch zu entscheiden. Der Jurist und Anwalt hält "für nachvollziehbar, was die Schule dort tut". Dass eine solche Regel möglichen Klagen standhalten könnte, hält er für denkbar. "Ich glaube schon, dass Schulen bei diesen Fragen eigene Spielräume haben." Entscheidend sei, ob der Schulfrieden durch den Vollschleier gestört werden könnte oder nicht.

Rund zwei Drittel der Schüler an der Adolf-Klarenbach-Schule in Holthausen stammen aus Migrantenfamilien. Die neue Schulordnung wurde gemeinsam von Lehrern und Eltern erarbeitet. FOTO: Andreas Endermann

Walburga Benninghaus (SPD), zu deren Landtagswahlkreis Holthausen zählt, findet es gut, dass die Gemeinschaftsgrundschule das Thema durch die neue Schulordnung öffentlich gemacht hat. Bislang sei über das Thema wohl eher hinter vorgehaltener Hand gesprochen worden. "Entscheidend ist, dass sich Eltern und Lehrer im Dialog begegnet sind. Wenn die Schulgemeinschaft das dann am Ende so entscheidet, ist es gut." Einen landesweiten Erlass fände sie kontraproduktiv. Zwar sei der Wunsch einiger Lehrer nach einer einheitlichen Vorgabe nachvollziehbar, "aber am Ende hat jede Schule ihre eigene Identität, eine NRW-weite Vorschrift macht keinen Sinn".

Welche verschiedenen Schleier-Typen es gibt, erfahren Sie hier. 

Quelle: RP
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