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Chef der Schlüssel-Brauerei
Karl-Heinz Gatzweiler sucht eine Stelle als Pilot

Schlüssel-Brauerei-Chef Karl-Heinz Gatzweiler sucht Stelle als Pilot
Karl-Heinz Gatzweiler im Cockpit eines Airbus A321. Für Air Berlin brachte er Passagiere in Länder rund ums Mittelmeer. FOTO: Gatzweiler
Düsseldorf. Schlüssel-Inhaber Karl-Heinz Gatzweiler ist im Nebenjob über Jahre für Air Berlin geflogen. Nach der Insolvenz der Airline möchte er weiter im Cockpit sitzen und sucht einen neuen Arbeitgeber. Von Hans Onkelbach

Mit diesem Namen gehört man in Düsseldorf zur allseits bekannten Altbier-Legende: Gatzweiler. Die Brauerei in Heerdt war berühmt, die Marke stand in zahlreichen Kneipen auf dem Zapfhahn. Die Brauerei gibt es nicht mehr, auf dem Grundstück steht heute der Vodafone Campus. Aber der Name blieb, und es blieb das Juwel im Alt-Imperium - die Hausbrauerei Schlüssel in der Altstadt an der Bolkerstraße. Chef und Inhaber ist Karl-Heinz Gatzweiler (63) - er hat seinerzeit nach turbulenten Zeiten der Brauerei das übernommen, was vom Imperium übrig blieb. Und er ist glücklich dabei, zumal das Schlüssel Alt gut läuft - in jeder Beziehung. Sein Schlüssel ist eine von fünf Hausbrauereien in Düsseldorf. Alle sind erfolgreich.

Aber das ist nur eine Seite dieses Mannes. Was nur wenige wissen: Seit seinem Studium der Betriebswirtschaft Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre hat Gatzweiler einen Flugschein. Zuerst nur einen für private, kleinere Maschinen, Anfang der 80er Jahre kam die Lizenz für Verkehrsmaschinen hinzu. Gatzweiler. "Ich habe schon als sehr junger Mann meine Leidenschaft fürs Fliegen entdeckt. Als die Zukunft der Brauerei und damit auch meine nicht klar war, hätte es für mich eine echte Alternative gegeben - als Pilot."

Dazu kam es dann doch nicht. Aufgrund familiärer Entwicklungen übernahm er die Hausbrauerei - aber die Fliegerei gab der Diplom-Kaufmann dennoch nicht auf. Das lag auch an einer Begegnung mit Joachim Hunold, Gründer und über viele Jahre Inhaber wie Chef der Air Berlin. Die beiden Männer, echte Düsseldorfer, kennen sich seit ihrer Jugend. Irgendwann, Anfang der 1990er Jahre, traf man sich und Hunold erzählte, er habe jüngst eine Fluggesellschaft namens Air Berlin gegründet und suche Leute. Für Gatzweiler ein entscheidender Moment in seinem Leben - denn er hatte gerade den Pilotenschein gemacht. Seine Antwort war daher klar: "Du suchst Piloten? Ich bin Pilot!"

Pilot als Nebenjob

Das war der Beginn einer langen Partnerschaft. Gatzweiler, immer noch Chef einer Brauerei, flog - sozusagen im Nebenjob - für Air Berlin. Brachte Urlauber in die sonnigen Länder rund ums Mittelmeer und konnte so nicht nur seiner Leidenschaft nachgehen, sondern damit auch noch Geld verdienen. In Absprache mit der Airline teilte er sich seine Einsätze so ein, dass der andere Job - der des Brauerei-Chefs - nicht zu kurz kam. Zeitweise war er Flotten-Chef für die Boeing 737, mit der Air Berlin über Jahre ausschließlich flog. Als man auch Airbus 320 in die Flotte aufnahm, erweiterte Gatzweiler seine Ausbildung für dieses Muster und darf heute beide Jets fliegen. Nur wenige der Passagiere ahnten in all den Jahren, dass vorne auf dem linken Sitz im Cockpit ein Mann saß, dessen Berufsleben normalerweise vom Brauen und Verkaufen des berühmten Düsseldorfer Altbiers geprägt ist.

Seinen Job in den Ferienfliegern machte er, bis Air Berlin vor einigen Monaten in die Insolvenz ging. Nun ist er arbeitslos, jedenfalls als Pilot. Aber er möchte das nicht bleiben. "Zwei Jahre bleiben mir noch, dann bin ich 65 und muss ohnehin aufhören," sagt er. Daher hat er sich bei der Agentur für Arbeit als arbeitslos gemeldet und wartet auf Angebote. "Aber ich halte auch sonst die Ohren offen. Wenn sich was bietet, bin ich wieder dabei!"

An seine Zeit bei Air Berlin denkt er mit großer Wehmut. "Wir waren wirklich wie eine große Familie!" Die Jahre haben ihm einmalige Erlebnisse geschenkt. Wie beispielsweise zwei Abhol-Flüge bei Boeing in Seattle: Ein leeres Flugzeug nur mit den Piloten im Cockpit quer über den amerikanischen Kontinent mit einer Zwischenlandung auf Island zum Auftanken nach Deutschland zu fliegen, davon schwärmt er noch heute.

Quelle: RP
 
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