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Düsseldorf
Schneider Ern: Seit 50 Jahren auf der Kö

Düsseldorf. Ein goldenes Jubiläum im goldenen Oktober: Bereits seit 50 Jahren schneidert Jürgen Ern in seinem Atelier auf der Königsallee aus feinstem Zwirn Maßanzüge und Maßhemden für Herren. Welch eine clevere Idee des damals gerade 25-Jährigen, sich den einprägsamen Namen "Ern, der Schneider" zu verpassen – heute würde man das ein hervorragendes Marketing-Instrument nennen. Und wie mutig, sich als junger Spund gleich auf Düsseldorfs Prachtmeile nieder zu lassen.

Vom damaligen Rosenthal-Studiohaus zog Jürgen Ern später in die Hausnummer 94 um. In seinem Atelier hat sich seitdem jedoch nur wenig verändert. In großen Regalen stapeln sich weiterhin die Stoffballen, vorwiegend aus Italien und England. Seidene Krawatten, die er in Nizza fertigen lässt, hängen griffbereit daneben. Und auf Schneiderpuppen warten halbfertige Jacketts auf die nächste Anprobe ihrer künftigen Besitzer. Insgesamt sind hier Gediegenheit und Tradition allgegenwärtig.

Und dennoch schaffte es Jürgen Ern, mit dem Wandel der Zeiten Schritt zu halten und sich den neuen Gegebenheiten flexibel anzupassen. Dazu gehört unter anderem auch seine Internet-Seite, auf der er über die Tradition des Unternehmens berichtet und die verschiedenen Leistungen für die Kunden auflistet. Die Flexibilität hält er für wichtig. "Sonst hätte ich hier wohl kaum ein halbes Jahrhundert lang gut überlebt", glaubt er. Dass so viele inhabergeführte Firmen in der Nachbarschaft verschwunden sind, schmerzt ihn.

Was seine eigene Zunft betrifft, ist "Ern, der Schneider" einer der letzten Dinos der Branche. Es sind überwiegend Stammkunden, die den Weg zu ihm finden. Neue kommen auch immer wieder hinzu, aber nicht alle sind dem Meister wohlgefällig. Gebärdet sich etwa ein neuer Kunde gar zu arrogant, kann es vorkommen, dass Jürgen Ern die Zusammenarbeit einstellt, "weil das für keinen etwas bringt". Sehr viel modemutiger als vor 50 Jahren sind die Männer nach seiner Einschätzung übrigens bis heute nicht.

"Damals konnte man sie mit Ideen regelrecht entzünden, es gab ja nicht so viel an ausgefallener Kleidung." Auf extravagante Wünsche einzugehen, gehört zu seinen Spezialitäten. "Überspitzt ausgedrückt - wenn jemand die Knöpfe auf dem Rücken haben will, dann mache ich das auch." Sein Handwerk erlernte der gebürtige Remscheider in Wuppertal, machte sich danach auf in die Schweiz und nach Italien, um seinen Blick und seine Kunst weiter zu schulen.

"In den lateinischen Ländern ziehen sich die Herren in der Regel besser an als hier", weiß er. Das konnte er gerade erst wieder beobachten, als er bei einer Fahrradtour durch Portugal nach Lissabon kam. Eine solche sportliche Gruppenreise macht er seit vielen Jahren in jedem Sommer und hat Vergnügen daran, auch wenn die Zahl der Kilometer mittlerweile zurück geschraubt wurde. Sich den Berufsalltag etwas bequemer zu machen, erlaubt er sich nach dem gerade gefeierten 75.

Geburtstag nun auch. Aber komplett aufhören? Ern, mit hummerroter Hose die beste Reklame seiner selbst, guckt erstaunt. "Das ist bisher nicht in der Planung. Nicht, so lange es mir gut geht und der Laden läuft. So bleibt man mitten im Leben."

Quelle: RP
 
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