| 00.00 Uhr

Düsseldorf
Schnüffeln bis zur Erschöpfung

Düsseldorf: Schnüffeln bis zur Erschöpfung
Melanie Mehl mit Hündin Sillie, Yvonne Kohls mit Tequila, Rebecca Koop mit Barney, Carina Stempel mit Pina und Petra Schimpfle mit Lisa (von links) trainieren für den Hindernislauf "Tough Hunter". FOTO: Rinke
Düsseldorf. Extreme Hindernisläufe liegen im Trend. Beim "Tough Hunter" starten nun Teams aus Mensch und Hund - ein Düsseldorf-Mettmanner Team ist dabei. Von Florian Rinke

Der Waldboden riecht nach Laub, an manchen Stellen auch modrig, aber er riecht bestimmt nicht nach einem Stoffsäckchen, das Minuten zuvor dort lang geschleift wurde. Tequila sieht das jedoch anders und nimmt, die Nase eng über dem Boden, die Fährte auf. "Wir sind nicht ansatzweise in der Lage, das zu riechen, was ein Hund riechen kann", sagt Petra Schimpfle. Als Mensch habe man daher keine Vorstellung davon, wie anstrengend die Fährtensuche für das Tier sein könne. "Dabei atmet er bis zu 200 Mal pro Minute ein und aus. Neben der Denkleistung ist das auch körperlich ermüdend."

Schimpfle ist Hundeerzieherin. Sie hilft Hundehaltern, wenn die mit ihrem Tier Probleme haben oder einfach nur wollen, dass es besser auf ihre Kommandos hört. Heute ist sie jedoch auch Cheftrainerin eines Sportteams, das für eine besondere Herausforderung probt: Am Wochenende findet zum ersten Mal der "Tough Hunter" im bayerischen Fichtelgebirge statt, bei dem Hund und Mensch einen Hindernislauf als Team bewältigen müssen.

Der Name der Veranstaltung ist an die "Tough Mudder"-Hindernisläufe angelehnt, bei denen weltweit seit dem Start 2010 inzwischen mehr als 2,5 Millionen Menschen mitgemacht haben. Sie sind durch Schlamm gerobbt, über Mauern geklettert und ganz nebenbei rund 18 Kilometer gelaufen.

Beim "Tough Hunter" heißen die Aufgaben Canicross, Retrieve, Trail und Hunt - Begriffe, die Nicht-Hunde-Besitzern nicht viel sagen dürften. Unter solchen, die in der Jackentasche immer ein Beutelchen mit Leckerli dabeihaben, lösen sie jedoch wissendes Nicken aus.

Canicross bedeutet, dass Mensch und Hund mit einem Zuggeschirr verbunden sind - der Hund zieht den Menschen, und allein das hört sich schon leichter an, als es in Wahrheit ist. "Eigentlich bringt man den Hunden ja bei, dass sie nicht an der Leine ziehen sollen", sagt Petra Schimpfle. Nun sollen sie es plötzlich doch tun.

"Die Hunde lernen jetzt, dass Ziehen am Zuggeschirr erlaubt und sogar erwünscht ist." Die Hunde-Trainerin und ihre Mitstreiterinnen haben Tequila, Barney und Co. deshalb ein Kommando beigebracht. Sobald das ertönt, wissen die Hunde, dass es losgeht und ziehen los - und wie.

Die Ohren angelegt, hechten die fünf Tiere über den lockeren Boden, erst nach einigen Schritten können die Frauen das Tempo der Vierbeiner mitgehen. "Mit den Hunden ist man viel schneller, sie reißen einen richtig mit", sagt Rebecca Koop und streichelt Shepard Barney lobend den Kopf.

Heute trainieren die Frauen mit ihren Hunden nur auf Wiesen und Wegen, beim "Tough Hunter" erwarten sie auch Schlamm und Hindernisse. Acht bis zehn Kilometer müssen Hund und Mensch bei dem Lauf am Wochenende zurücklegen - wenn alles gut geht. Denn zwischendurch warten zum Beispiel Abzweigungen, an denen die Hunde einer Fährte folgen müssen. Scheitern sie, taucht erst nach einigen Kilometern ein Schild auf, das signalisiert: Bitte umdrehen.

Umso wichtiger ist das Training, das das Team seit April absolviert. Immer wieder haben die Teilnehmer ihre Hunde versteckte Stoffsäckchen suchen lassen oder ihnen eine Fährte gelegt. "Das Tolle ist für mich als Jagdhunde-Besitzerin, dass Tequila lernt, Wildgerüche und anderes auszublenden", sagt Yvonne Kohls. Und Petra Schimpfle, die in Düsseldorf die Hundeschule "Frischer Wind" leitet, sagt: "15 Minuten Sucharbeit lasten den Hund besser aus als zwei Stunden reines Spazierengehen."

Die Frauen eint, dass sie mehr mit ihren Hunden machen wollen, als ihnen den Kopf zu kraulen und hin und wieder eine Runde um den Block zu gehen. Bevor sich Carina Stempel mit Hündin Pina beim "Tough Hunter" angemeldet hat, ist sie mit dem vierjährigen Mischling beispielsweise bereits bei Frisbee-Turnieren angetreten. "Wir sind die Teamarbeit gewöhnt", sagt Stempel: "Beim Frisbee waren wir allerdings zu zweit, jetzt sind wir eine große Gruppe. Das war natürlich eine Umstellung."

Hündin Pina genießt den Ausflug trotzdem. Kein Wunder, sagt Petra Schimpfle: "Viele Hunderassen sind ursprünglich mal für anspruchsvolle Aufgaben gezüchtet worden, zum Beispiel zum Hüten, Apportieren oder als Jagdgehilfen." Man sollte sie daher auch heute noch angemessen beschäftigen, damit sie ausgelastet seien. Und dazu gehört eben auch, aus Tausenden Gerüchen den eines Stoffbeutelchens zu filtern.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Düsseldorf: Schnüffeln bis zur Erschöpfung


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.