| 15.43 Uhr

90 Kinder eifern Laurie Anderson nach
Schräge Töne im Kunstcamp

Düsseldorf (dto). Munter fiedelt Charlotte auf ihrer selbstgebastelten Geige. Ein Holzstück, eine Schüssel aus Plastik und Plastikstücke, um die Seite zu spannen, fertig ist die Geige. Mit einem Bogen streicht die 9-Jährige über die Seite und kann ihr tatsächlich Töne entlocken. Die Geige hat sie mit vielen anderen Kindern, die wie sie das Kunstcamp im museum kunst palast besuchen, selbst gebaut. Das klingende Kunstcamp ist eine Ferienaktion des museum kunst palastes. Drei Tage lang können sich rund 90 Kinder von den Arbeiten der Performance-Künstlerin Laurie Anderson inspirieren lassen und in verschiedenen Werkstätten ungewöhnliche Geräuschemacher erforschen und selber bauen.

Im Tonstudio  ist das Gelächter groß, denn hier werden  Stimmen verändert. Mal hört sich die eigene Stimme wie Mickey Mouse an, dann ist sie stark verzerrt oder schalt, als wenn man in einer großen Halle stehen würde. In einem andern Raum wird mit digitalen Fotos und Diaprojektoren Lichtkunst entwickelt. Im Rahmen der aktuellen Ausstellung "Laurie Anderson. The record of the time" findet der dreitägige Kunstcamp statt. In fünf Gruppen experimentieren Kinder im Alter von 6 bis 15 Jahren in verschiedenen Werkstätten. Es werden Drum-Suits, Soundcollagen und Talking Shoes hergestellt, Traum- und Phantasiereisen bildnerisch umgesetzt und verschiedene Klangskulpturen im Ehrenhof aufgebaut.

"Laurie Anderson und die Kinder passen so gut zueinander, weil beide sich spielerisch ausdrücken, sich mit einer Geige mitteilen oder sich in eine Puppe projezieren können. Das kann man Kindern gut vermitteln", erzählt Silvia Neysters, Leiterin der Abteilung Bildung und Pädagogik des Museums. Laurie Anderson gilt als die Ikone der multimedialen Kunst. Ihr hat der museum kunst palast eine der ersten deutschen Retrospektiven gewidmet. Wie auch in der Ausstellung können die Kinder in interaktiven Installationen zum Beispiel Klänge mittels Armknochen aufspüren. "Im Vordergrund steht, dass die Kinder im Zusammenspiel von Musik, Klangcollagen und Poesie Rauminstallationen entstehen lassen, die eigene Träume oder Geschichten zum Thema haben", so Neysters.

Der kleinen Charlotte und ihrer Mitstreiterin Clara hat das Geigenbauen besonderen Spaß gemacht. Vorher hatten sie sich wie die anderen Kinder die Ausstellung unter Führung angeschaut. Jeden Tag wecheln die Teams in eine andere Werkstatt. Mit Michael Bradke hat sich der museum kunst palast eine musikpädagische Verstärkung für dieses Camp ins Haus geholt. Er hat bereits viele Jahre Erfahrung darin, Kinder und auch Erwachsene mit Klangskulpturen zum aktiven Umgang mit Musik und Geräuschen zu animieren. International bekannt wurde er mit seier "Musikalischen Weltreise", der "Klangkiste" und dem "Klangkanal".

Den Kindern gefällt es, vor allem wenn sie sich selbst auf einer Videoleinwand entdecken, ihre eigene Stimme verzerrt hören oder sie am Ende eines jeden Tages der Gesamtgruppe ihre Sachen vorführen, die sie gemacht haben. "Das Museum als lebendigen Kulturort erleben, in dem sie auch heraumlaufen und spielen dürfen und damit spielerisch Kreativität üben können, ist eine tolle Möglichkeit für Kinder", so Neysters. Für die nächsten Sommerferien ist eine ähnliche Aktion geplant.

Von BIRGIT KRANZUSCH

 
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