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Düsseldorf
Schüler holen sich Tipps von Profis

Düsseldorf: Schüler holen sich Tipps von Profis
Wilfried Philipp hilft Ali Benzaouagh von der Mosaikschule bei der Arbeit am Metallwerkplatz. FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Handwerker und Pädagogen haben in der LVR-Gerricus-Schule 55 Mitarbeiter von Schülerfirmen fortgebildet. Die jungen Erwachsenen lernten Kniffe und sammelten Erfahrung für die Berufswelt. Von Tino Hermanns

Lukas Pietron, Ali Benzaouagh und Calvin Kemper tragen einmalige Schmuckstücke. Die Ringe und den Armreif haben die drei selbst entworfen, aus Rohren oder Aluminiumstreifen ausgeschnitten, bearbeitet, graviert und poliert. Kemper hat in seinen Ring ein dickes "BVB" gestochen. Der Schüler der Mosaikschule ist glühender Borussia-Dortmund-Fan und am Tage der Ringherstellung wurde das Derby in der Fußball-Bundesliga zwischen Dortmund und Schalke 04 ausgetragen. Für Kemper Grund genug, einen Ring zu fertigen.

Pietron und Benzaouagh sind ebenfalls Schüler der Mosaikschule, einer Förderschule für geistige Entwicklung. Sie hatten sich genau wie 55 weitere Förderschüler für die sechste Düsseldorfer Schülerfirmen-Fortbildung in der LVR-Gerricus-Schule angemeldet und sich für die Fortbildung "Metall" entschieden. "Mein Lieblingsstück ist ein Kupferring. Den Rohrdurchmesser habe ich nach meiner Fingerdicke ausgesucht, damit der Ring passt", erläutert Pietron. Unter Anleitung von Wilfried Philipp entstand innerhalb einer guten Stunde ein richtiges Kunstwerk.

Die Mitarbeiter der Schülerfirmen konnten sich bei der Fortbildung in Holz- und Metallbearbeitung, Malerarbeiten, Kochen, Backen, Tischservice (Eindecken und Kellnern), Gartenbau und Nähen sowie Textilgestaltung üben. Angeleitet wurden sie von Handwerkern und Pädagogen. "Diese Gruppe zu leiten, ist nicht immer einfach, weil sie aus Schülern mit verschiedenen Behinderungen zusammengesetzt sind. Aber es funktioniert, weil alle daran interessiert sind, etwas zu lernen", erklärt der Koordinator des Arbeitskreises der Schülerfirmen an den Förderschulen, Marco Schmalz.

Eine Schülerfirma wird von Schülern gebildet, die mithilfe von Lehrern verschiedene Dienstleistungen und Produkte gegen zuvor festgelegte Bezahlung anbieten. Bei den angebotenen Produkten und Dienstleistungen wird eine hohe Qualität angestrebt. Deshalb nehmen die Schüler auch an Fortbildungen teil. "Die Fortbildung ist so eine Art Ein-Tages-Schülerpraktikum, indem die Schüler erneut Kontakt mit der Berufswelt haben", sagt Schmalz. "Leider finden die meisten der Förderschüler trotz einwöchiger Schüler-Praktika und den Schülerfirmen-Fortbildungen keine normalen Ausbildungsstellen, sondern sie arbeiten, nachdem sie die Schulen verlassen haben, in den Werkstätten für angepasste Arbeit oder der Jugendberufshilfe."

Wie bei Pädagogen üblich hatte die Schülerfirmen-Fortbildung neben der Herstellung von Produkten erzieherische Ziele. So sollte auch das Selbstwertgefühl und die Motivation der Schüler gesteigert, praxisnahe Erfahrung in verschiedenen Berufsfeldern gesammelt, Zusammenarbeit erprobt, Motorik geübt, schulische Inhalte miteinander verknüpft und so als sinnvoll für den aktuellen Lebensvollzug begriffen werden.

Bei Pietron scheint das funktioniert zu haben. "Ich kann mir vorstellen, auch nach der Schule weiter mit Metall zu arbeiten", meint der 21-Jährige und hält dabei stolz die drei selbst gefertigten Ringe in der Hand.

Quelle: RP
 
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