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Düsseldorf
Schüler lehren Englisch in Thailand

Düsseldorf. Sommerferien einmal anders: Eine Gruppe von Schülern und Lehrern hat drei Wochen lang Waisenkinder in englischer Sprache unterrichtet. Darauf haben sie sich ein Jahr vorbereitet, die Reise und den Aufenthalt selbst finanziert. Von Tanja Karrasch

Etwa 8963 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Düsseldorf und der thailändischen Provinz Singburi, zwei Fahrtstunden von Bangkok entfernt. Dort haben 18 Schüler und vier Lehrer des Geschwister-Scholl-Gymnasiums drei Wochen der Sommerferien verbracht. Nicht, um dort Urlaub zu machen, sondern um an vier Schulen Waisenkinder und Grundschüler im Fach Englisch zu unterrichten. Ein Jahr lang haben sich die Schüler auf diese Reise vorbereitet. Sie haben über die thailändische Kultur gesprochen und Unterrichtsstunden zu Themen wie "Meine Hobbys", "Ich stelle mich vor" oder zum Kinderbuch "Die Raupe Nimmersatt" vorbereitet. Dabei wussten sie nicht, in welchem Alter die Schüler und wie groß die Klassen sein würden. Vor Ort war deshalb auch Improvisation gefragt.

Der Tag startet für die Gruppe um 7.30 Uhr. Nach dem Frühstück geht es mit Bussen zu den Schulen, etwa eine Stunde dauert die Fahrt. Die einfachen und größtenteils aus Holz gebauten Schulgebäude sind besser ausgestattet als erwartet. Einige Räume haben Smart Boards, Computer sind in jeder Klasse zu finden. An einigen Schulen gibt es kostenfreies W-Lan für die Schüler. In kleinen Gruppen unterrichten die Jugendlichen aus Düsseldorf immer mehrere Klassenstufen gleichzeitig. Sie vermissen einen festen Lehrplan, bemerken, dass selbst die Englischlehrer nur schlecht Englisch sprechen. In den Unterrichtsstunden kommt es besonders auf die Aussprache an, denn die fällt den Kindern schwer. Die jungen Lehrer sprechen vor, die Schüler sprechen nach, dabei ist oft Geduld gefragt.

Lehrer Sven Galonska, der das Projekt ins Leben gerufen hat, unterstützt seine Schüler bei Schwierigkeiten: "Sie haben schnell gemerkt, dass man den Fehler, wenn eine Stunde mal nicht so gut klappt, zunächst einmal beim Lehrer suchen muss." Galonska hofft, den Schülern durch die freiwillige Arbeit in Thailand eine andere Sichtweise auf die Welt zu ermöglichen und ihnen die Chance zu bieten, ein Land abseits der Touristenströme zu erfahren.

Antonia Tröger hat sich für ihre Klasse ein Spiel überlegt. Bestimmte Wörter werden einer Zahl zugeordnet. Dann laufen alle Schüler durch die Klasse bis eine Zahl aufgerufen wird und die Schüler sich vor dem passenden Wort aufstellen. Drei Mädchen laufen ihr dabei hinterher, umarmen sie mit stolzem Lächeln, wenn sie die Zahl richtig zuordnen können. Es sind diese kleinen Gesten, die die Gymnasiasten für ihren ehrenamtlichen Einsatz belohnen.

Mittags essen die Kinder und die freiwilligen Lehrer gemeinsam. Es gibt Reis, täglich. Hannah Nowas ist von der Hilfsbereitschaft der Kinder überrascht: "Eine Schülerin hat sogar den Boden des Klassenraums vor Beginn des Unterrichts geputzt", sagt sie. Besonders sei auch, dass Kinder mit Behinderung in den normalen Klassen unterrichtet werden. Nach dem Unterricht bedanken sich die Schüler mit einem lauten "Thank you teacher", dann strömen sie auf ihre jungen deutschen Lehrer zu, wollen Selfies mit ihnen schießen. "Da fühlt man sich bestätigt, dass man etwas Gutes tut", sagt Nils Oberheim. Besonders außerhalb der Großstädte ist der Zugang zu Bildung in Thailand limitiert, die finanziellen Mittel der öffentlichen Schulen sehr begrenzt. "Es gibt weder genügend Lehrkräfte, noch genug Lehrmittel, so dass die örtlichen Lehrer für jede Unterstützung dankbar sind", erklärt Galonska.

Nach dem Unterricht geht es zurück in die Unterkunft, ein Haus für freiwillige Helfer außerhalb von Singburi am Chao Praya Fluss. Dort wird abends im Haupthaus gemeinsam gekniffelt und gespielt. Der Nachbar hat eine Bar eröffnet, da er gemerkt hat, dass eine große Gruppe dort ist. Die Bar besteht aus einer Kühlbox und vier kleinen Tischen mit Bänken unter einem Wellblechdach direkt am Fluss. Zu schaffen macht der Gruppe die schwüle Hitze Thailands. Sie freuen sich auf den Ausflug nach Bangkok und das westliche Essen dort. Natürlich auch auf die Sehenswürdigkeiten. Bei den Ausflügen lernen sie die verschiedenen Seiten von Thailand kennen. In Ayutthaya, der ehemaligen Kaiserstadt, besichtigen sie die Tempelruinen, sind beeindruckt von der größten goldenen Buddhastatue Thailands, sie ist 160 Meter hoch. Auf der Insel Koh Samet baden sie im Golf von Thailand, fernab von Schule, Singburi und den Kindern, die ihnen während der Reise ans Herz gewachsen sind.

Ein Stück Thailand will jeder von ihnen mit zurück nach Deutschland nehmen. "Man lernt, dankbar zu sein, für das, was man hat", findet Felix Kermann. "Viele der Kinder werden nie aus Singburi herauskommen, da werde ich echt demütig. Trotzdem sind sie so glücklich." Lena Sauermann gefällt vor allem die Ruhe: "In Deutschland leben wir meist sehr hektisch. Hier kommt es mir so vor, als würde die Zeit stillstehen und alle leben im Hier und Jetzt." Und die strahlenden Kinderaugen, die werde sie nie vergessen.

Quelle: RP
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