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Düsseldorf
Schüler lernen die Sprache der Eltern

Düsseldorf. In 35 Düsseldorfer Schulen können Jungen und Mädchen den Herkunftssprachlichen Unterricht (HSU) besuchen. Von Sven-André Dreyer

"Jezyk Polski w szkolach niemieckiech" steht auf einem Poster, das in dem Klassenraum der Katholischen Grundschule Mettmanner Straße in Flingern an der Wand hängt. "Polnischunterricht an deutschen Schulen" heißt das auf Deutsch und zeigt gleich, worum es hier geht: den herkunftssprachlichen Unterricht, der an 35 Schulstandorten in Düsseldorf in mittlerweile 15 Sprachen angeboten wird.

Gleich neben dem großen Poster haben die Lehrer einfache Begriffe aufgehängt, die helfen sollen, das polnische Alphabet zu lernen: Cytryna steht für Zitrone, Stinak für Schnecke und Mysz für Maus. Die Schüler der zweiten Klasse bereiten sich in dieser Stunde auf den polnischen Muttertag vor. Und den feierten die Polen in diesem Jahr am 26. Mai. Gemeinsam mit ihrer Lehrerin Anna Rozwadowska (45) lernten die Kinder dafür ein Gedicht auswendig und malten ihren Müttern ein kleines Bilderbuch. Und auch, wenn Bilder in jeder Sprache funktionieren - das Gedicht wird an diesem Vormittag auf Polnisch gelernt. "Abhängig davon, ob zuhause Polnisch gesprochen wird, weicht das sprachliche Niveau der Kinder mitunter stark voneinander ab", sagt die Lehrerin, die die Klasse seit zwei Jahren unterrichtet.

Zu ihren Schülern zählen auch Maria und Nathaniel, beide acht Jahre alt. Während Nathaniel seit vier Jahren in Deutschland lebt (beide Eltern sind Polen) wurde Maria bereits hier geboren. Zuhause wächst sie - ihre Mutter ist Polin, ihr Vater Deutscher - zweisprachig auf. Mit ihren Eltern besucht sie in den Ferien häufig die Groß- und Urgroßeltern in der Heimat ihrer Mutter. Nicht alles, was ihr die Urgroßmutter erzählt, könne sie auch verstehen, sagt Maria. "Aber ich versuche, auf Polnisch zu antworten."

Derzeit besuchen im Regierungsbezirk Düsseldorf mehr als 30.000 Jungen und Mädchen den Herkunftssprachlichen Unterricht (HSU). Das sind immerhin rund 20 Prozent. "Die Organisation und Koordination erfolgt dabei in den Schulämtern vor Ort", sagt Angelika Hillebrand-Bittner (62), Dezernentin für Grundschulen bei der Bezirksregierung. Mit in der Regel drei Wochenstunden werden in der Landeshauptstadt zurzeit Sprachen wie Albanisch, Arabisch und Bosnisch, aber auch Farsi, Griechisch und Niederländisch gelehrt.

Gefragt sind Türkisch und - 2015 um 51 Prozent gestiegen - auch Italienisch. "Dabei darf der Herkunftssprachliche Unterricht nicht mit dem Erlernen einer Fremdsprache verglichen werden", sagt Thorsten Klute (42), Staatssekretär im Landesintegrationsministerium, der die Grundschule vergangene Woche besucht hat. Grundsätzlich handele es sich um ein Zusatz-Angebot, das nachmittags und ergänzend zum Regelunterricht, für Kinder mit Migrationshintergrund angeboten werde. Die Teilnahme sei nicht verpflichtend. "Und natürlich", so Klute, "steht der Unterricht nicht in Konkurrenz zum Erwerb der deutschen Sprache."

Für viele Kinder und Jugendliche mit Zuwanderungsgeschichte ist die Herkunftssprache und die Kultur der Eltern und Großeltern ein wichtiger Teil ihrer Identität. Dabei ist es zweitrangig, ob die Kinder eine eigene Zuwanderungsgeschichte haben oder ob bereits ihre Mütter und Väter zugezogen sind. "Den Eltern ist wichtig, dass ihre Kinder die Herkunftssprache beibehalten und mit Schuleintritt auch die Schriftsprache erwerben. Häufig äußern Eltern die Sorge, von ihren dann immer besser Deutsch sprechenden Kindern nicht mehr verstanden zu werden", sagt Hillebrand-Bittner.

Der Wert der Mehrsprachigkeit in einer globalisierten Welt liegt auf der Hand. Und so sprechen die Pädagogen gerne von einem "Schatz", den es zu bewahren gelte. "Diese Kinder können mit ihrem sprachlichen und kulturellen Verständnis Brücken bauen", sagt Klute.

Quelle: RP
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