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Düsseldorf
Schüler schlichten Konflikte im Bus

Düsseldorf: Schüler schlichten Konflikte im Bus
Empfang im Jan-Wellem-Saal des Rathauses: 28 Jungen und Mädchen erhalten eine Urkunde, weil sie eingreifen, wenn es in Bahnen und Bussen zu Spannungen kommt. Ihr Engagement wird auch im Zeugnis vermerkt. FOTO: Bernd Schaller
Düsseldorf. 411 junge Fahrzeugbegleiter hat die Stadt in den vergangenen zehn Jahren ausgebildet. Verkehrsdezernent, Rheinbahn und Polizei loben die Schüler, die sich einmischen statt wegzuschauen. Von Jan Franco

Die Gewaltbereitschaft unter Kindern und Jugendlichen nimmt nach Einschätzung von Experten zu. Damit es auf dem Weg zur Schule sowie in Bus und Bahn zu weniger Spannungen kommt, bildet die Stadt in Zusammenarbeit mit der Kriminalpolizei und weiteren Kooperationspartnern so genannte Fahrzeugbegleiter aus. Dabei handelt es sich um ehrenamtlich engagierte Schüler, die in zwei Tagen lernen, wie man mit etwas Geschick Konflikte gewaltfrei lösen kann. "Wir sind jeweils für die Jungen und Mädchen unserer eigenen Schule zuständig", sagt Achtklässler Gero, der die Benzenberg-Realschule in Oberbilk besucht.

Seit 2005 läuft das Projekt, bei dem die Stadt bis jetzt 411 Schüler zu Fahrzeugbegleitern ausgebildet hat, die wie Gero Menschen in Konfliktsituationen helfen möchten. "Anderen zu helfen, ist ein tolles Gefühl", findet er, "wir sind nun berechtigt, in Konflikte einzugreifen und werden versuchen, sie zu schlichten", meint der Schüler. Dass der freiwillige Einsatz auch auf dem Zeugnis bescheinigt wird, gefällt ihm besonders gut.

Dieses Jahr haben insgesamt 28 Schüler der Jospeh-Beuys-Gesamtschule und der Benzenberg-Realschule an der Ausbildung zum Fahrzeugbegleiter teilgenommen. Verkehrsdezernent Stephan Keller zeichnete sie im Rathaus mit Urkunden aus und überreichte ihnen ihren Fahrzeugbegleiter-Ausweis. Der Spitzenbeamte aus dem Rathaus lobte das Engagement der Schüler: "Das was ihr macht, erfordert großes Selbstbewusstsein und ist ein Dienst an der Gesellschaft. Ihr seid Vorbilder und die Stadt ist euch zu großem Dank verpflichtet."

Die Ausbildung zum Fahrzeugbegleiter besteht aus drei Bausteinen. Im ersten Schritt erlernen die Schüler verkehrssicheres Verhalten in Bus und Bahn sowie auf dem Schulweg. Der zweite Schritt hat Motto "Ohne Gewalt stark", bei dem die Schüler viel über ihr eigenes Verhalten in Konfliktsituationen lernen. Den Abschluss bildet das Deeskalationstraining, dort simulieren Experten mit den Jugendlichen in Rollenspielen Konfliktsituationen und informieren über die räumlichen und technischen Besonderheiten der verschiedenen Verkehrsmittel.

An den Bausteinen dieser Ausbildung haben bisher insgesamt 5597 Schüler teilgenommen, die mehr über das Thema Konfliktlösung erfahren wollten. Allerdings haben nicht alle die komplette Ausbildung zum Fahrzeugbegleiter absolviert.

Wie man in Konflikte eingreift, weiß der 15-jährige Marvin, Achtklässler der Benzenberg-Realschule: "Wenn man einen Konflikt bemerkt, bittet man die Streitenden zuerst aufzuhören. Wenn das nicht klappt, fordert man beide energisch auf, den Streit zu beenden. Dann folgt ein Befehl mit Drohung und wenn auch das nicht hilft, zieht man die Konsequenzen und informiert zum Beispiel den Fahrer."

Aber nicht allein die jungen Fahrzeugbegleiter sollen für Schlichtung sorgen, findet Rheinbahn-Abteilungsleiter Helmut Höhn. "Die gesamte Gesellschaft sollte mit offenen Augen durch die Welt gehen, für Grundsätze einstehen und danach handeln. Das Motto muss lauten: Eingreifen statt Zuschauen." Dass die Schüler mit ihrem Einsatz eine große Verantwortung übernehmen, findet auch Rüdiger Korp, Kriminaloberrat der Polizei Düsseldorf. Er lobte die neuen Fahrzeugbegleiter auch für ihre Unaufgeregtheit.

Quelle: RP
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