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Freie Christliche Gesamtschule in Düsseldorf
Schüler und Eltern gehen auf Barrikaden

Düsseldorf. An der Freien Christlichen Gesamtschule in Hassels herrscht dicke Luft: Die Schüler haben am Montagmorgen zum Sitzstreik aufgerufen und lautstark gegen den Vorstand protestiert. Der wehrt sich gegen die Vorwürfe und spricht von Gerüchten. Auch die Elternvertreter sind sauer. Wir erklären die schwierige Situation: Von Maximilian Krone und Ines Räpple

Darum geht es: Carsten Gaede, Vorsitzender des Elternrates, wurde Hausverbot erteilt und seinen vier Kindern der Schulvertrag gekündigt. Sollte Schulleiter Stephan Schilbach gekündigt werden oder wurde er vom Vorstand zum Rücktritt gedrängt? Warum gibt es so viele Lehrerwechsel?

Viele frustrierte Schüler - und auch einige Eltern -  haben sich deswegen am Montagmorgen in der Eingangshalle der Schule versammelt. Mit Plakaten und Bannern forderten sie den Rücktritt des Vereins-Vorstandes, der ihrer Meinung nach für die Zustände an der Schule verantwortlich sei sowie eine Weiterbeschäftigung des Schulleiters. Dem Vorstand des Vereins "Rheinisch-Bergische Verein Freie Christliche Schulen (RBV-FCS)", der Träger der Schule ist, werfen Schüler und Eltern mangelnde Transparenz, Willkür sowie die Einschüchterung von Lehrkräften vor. Einen ähnlichen Zwist hatte es vor einem Jahr am Freien Christlichen Gymnasium in Reisholz gegeben.

Die gute Nachricht: am Nachmittag verkündete Vorstand Herbert Dannert, dass die Kündigung der vier Schulverträge zurückgenommen wurde. Als "Alptraum" hatte Schulleiter Schilbach die Situation bezeichnet.

Schilbach betonte am Morgen, dass er selber nicht freiwillig gehen wolle. Die Schüler jubeln, als Dannert sagt, dass ihm nicht gekündigt wird. Dass es keine entsprechende Drohung gegeben habe, glauben die Streikenden indes nicht. Dannert sagte wiederum im Gespräch, dass Schilbach selber gehen wolle. Ein Widerspruch. Zur Fluktuation bei den Lehrern erklärt er, dass "im letzten Schuljahr vier Lehrer die Schule verlassen haben"- nicht zehn, wie Schüler sagen.

Für Vorstand Herbert Dannert beziehen sich die Schüler vor allem auf Gerüchte. Dannert sagt, dass Schilbach nicht gekündigt werden soll, er aber freiwillig gehen wolle. Ein Widerspruch. Zur Fluktuation bei den Lehrern sagt Dannert: "Im letzten Schuljahr haben vier Lehrer die Schule verlassen. Zwei sind nach einem halben Jahr lieber an ein Gymnasium gegangen, weil dort besser bezahlt wird. Einer ist umgezogen und einer war eine Schwangerschaftsvertretung."

Die Kündigung des Elternrats-Vorsitzenden Gaede begründet Dannert mit dessen Blockadehaltung: "Es geht nicht um kritische Fragen von ihm, ganz Gegenteil. Die hat er gar nicht gestellt, sondern uns nur Vorwürfe gemacht." Man habe Gaede nicht absetzen können, da habe man den Vertrag gekündigt. 

Die Elternvertreter Gaede war zwei Jahre lang Vorsitzender des Elternrats und sagt, dass er für den Vorstand der Sündenbock sei. "Die Rücktrittsforderung an den Vorstand war ein gemeinsamer Beschluss des Elternratsvorstands. Viele haben die Nase schon länger gestrichen voll." Kritische Nachfragen seien nicht erwünscht. Wie die künftige Zusammenarbeit aussehen soll, muss noch geklärt werden

"Uns fehlt es an Transparenz, was der Vorstand macht und wofür er das Geld ausgibt. Wir zahlen für gute Lehrkräfte und kleine Klassen bis zu 500 Euro", sagt Evelyne Saalbach. Die Realität sehe aber anders aus. Statt der versprochenen 19 Schüler pro Klasse, seien es über 25. Zusammen mit weiteren Elternvertretern und den Schülern fordert sie zudem die Einstellung von vernünftig bezahlten Lehrern sowie kleinere Klassen.

Kritik der Schüler Viele Schüler, die sich am Sitzstreik beteiligten, kritisierten den gehäuften Unterrichtsausfall. "Wir fühlen uns dadurch massiv benachteiligt. In den vergangenen anderthalb Jahren ist die Situation immer schlimmer geworden, nicht zuletzt durch die häufigen Lehrerwechsel", sagt Jasmin Schmitz. Auch sie bemängeln die Vergütung und Vertragsdauer der Lehrer. 

Die Lehrer Das Meinungsbild der Lehrer geht auseinander. Während einige von einer Atmosphäre der Angst sprechen und sich unterbezahlt fühlen, sagen andere, dass man diese Zeiten bereits hinter sich gelassen hätte und sich seit kurzem auf einem Weg der Besserung befände. "Ich denke, mit dem Streik schießen die Schüler über das Ziel hinaus, obwohl sie richtigerweise die Probleme benennen. Die Schule bietet meiner Meinung nach noch immer eine hohe Qualität und auch die allermeisten Schüler kommen gerne hier hin", sagt einer der Lehrer.

Eines machten Schüler und Eltern deutlich: sie wollen sich nicht weiter vertrösten lassen und konkrete Antworten des Vorstandes, wie es weiter gehen soll.

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