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Düsseldorf
Schülerrat hilft beim guten Miteinander

Düsseldorf. An der Freiherr-von-Stein-Realschule greift ein Rat aus Zehntklässlern ein, wenn jüngere Schüler Regeln nicht einhalten. Von Sonja Schmitz

Neulich hatten ein paar Schüler aus der neunten Klasse im Schulgebäude E-Schischa geraucht. Ein klarer Verstoß gegen die Schulregeln und ein Fall für den Schülerrat. Nach Anhörungen der Schüler und intensiven Beratungen gehen diese nun zur Drogenberatung und halten anschließend ein Referat über das, was sie dort gelernt haben.

Seit Beginn des Schuljahres kümmern sich sieben Schülerinnen aus der zehnten Klasse in einer Arbeitsgemeinschaft (AG) mit Schulsozialpädagogin Gunda Aschermann darum, wenn sich jüngere Schüler nicht an Regeln halten. Die Idee dazu entwickelten Aschermann und Schulleiterin Sünke Rieken. Denn in der Bilker Realschule geht das Kollegium sehr frühzeitig dagegen vor, wenn Fünf- und Sechstklässler Regeln missachten, sei es durch respektloses Verhalten oder Handgreiflichkeiten - mit dem Erfolg, dass in den späteren Klassen dies nur noch selten nötig ist. Weil die sogenannten Teilkonferenzen sich häuften und diese eigentlich für schwerere Vorfälle gedacht sind, hatte Rieken nach einem vorgeschalteten Verfahren gesucht. So startete das Projekt Schülerrat nach dem Vorbild einiger Essener Schulen. "Manche sprechen von Schülergericht, das möchten wir nicht", sagt Rieken.

Wenn ein Mitschüler von den Teilnehmern der AG eingeladen wird, führen zwei mit ihm oder ihr das Gespräch, die dritte führt Protokoll. "Wir fragen auch: Wie läuft's in der Schule? Ist alles okay zu Hause? Oder: Spielst du im Fußballverein?", erzählt Fabienne (17). Denn die Ratsmitglieder haben gelernt, dass es wichtig ist, sich in ihr Gegenüber einzufühlen. So bauen sie einen guten Draht zueinander auf. In Rollenspielen üben die Schüler vorher, wie das Gespräch verlaufen könnte, so dass sie gut vorbereitet sind. Dabei teilen sie sich häufig auf: Fabienne nimmt eher eine sachliche Haltung ein, Iman ist die Verständnisvolle.

Aber auch inhaltlich müssen sich die Schülerinnen auf die Begegnung vorbereiten. "Wir haben uns vorher selbst informiert, welche Risiken mit dem E-Schischa-Rauchen verbunden sind", sagt Marie-Sophie (16). Wichtig ist auch, dass der Schüler seine Version erzählen kann, und der Schülerrat genau zuhört und nachfragt. Außerdem wird gefragt, ob der Schüler mit dem Text des Protokolls einverstanden ist, was er mit seiner Unterschrift bestätigt. Anfangs hatten sich die Mitglieder des Schülerrats gefragt, ob sie wohl ernstgenommen würden - die Sorge war unnötig. Auch nach der Begegnung werden sie in der Schule meist freundlich gegrüßt. "Die Schüler merken, dass sie hier Respekt bekommen, und fühlen sich nicht schlecht behandelt", sagt Sharon (16).

Auch außerhalb der Schule hilft das Training von Schulsozialpädagogin Gunda Aschermann, haben die Teilnehmerinnen bemerkt. "Man achtet auf Körpersprache, bleibt ruhiger und hat mehr Sicherheit", sagt Marie-Sophie. "Man lernt sehr viel Geduld, man muss sich beherrschen können", sagt Iman, die Pharmazie studieren möchte. Sharon möchte zur Feuerwehr und weiß, dass sie dort gut eingehen können muss auf Menschen in schwierigen Situationen.

Quelle: RP
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