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Bilk
Der Schützen-Stil

Bilk: Der Schützen-Stil
Der Dresscode der Bilker Schützen: (v.l.): ein Grenadier-Major 1892 noch mit Säbel und bis auf die Accessoires ganz in Schwarz, ein „Jäger“ (Fähnrich) 1900 mit typischer schwarzer Hose, grünem Rock, Feder am Hut, daneben ein Mitglied des Tambour-Corps um 1924 in bräunlicher Uniform, mit Schwalbennestern an der Schulter und schwarzer Schirmmütze. Die Grenadiere haben sich mit ihrem Sonntagsstaat über die Jahrzehnte fast nicht verändert. Die „Bilker Heimatfreunde“ entschieden sich 1975 für einen Gesellschaftsanzug in Blau und Grau statt Uniform. Daneben: ein typischer „Jäger“, wie er auch an diesem Wochenende durch Bilk paradieren wird, und ein Mitglied des Tambour-Corps mit der prägnanten Tschako-artigen Kopfbedeckung, die an die der Sappeure erinnert. FOTO: Schützen/P. Esser/Repro: Bretz
Bilk. Es war nicht immer die Uniform: Anfangs trugen die Bilker Schützen schwarzen Sonntagsstaat, manchmal auch nur Dreispitz oder Zylinder, um als Einheit aufzutreten. Erst nach dem Krieg 1870/71 wollte man Uniformen, was zu einem Streit führte. Von Semiha Ünlü

Wenn Hans-Dieter Caspers mit seinen Kameraden beim Bilker Schützenfest durch die Straßen zieht, rufen einige Düsseldorfer am Wegesrand schon mal: "Was ist das denn für eine Beerdigungstruppe!" Doch der langjährige Chef der Bilker Schützen trägt es mit Fassung, erinnert seine Grenadier-Kompanie fast von Kopf bis Fuß in Schwarz gekleidet doch tatsächlich an eine Gruppe von Trauernden. "Wir sind aber stolz darauf, dass wir zu den wenigen Schützen in der Stadt gehören, die noch die ursprüngliche Grenadier-Kleidung tragen, und die besteht eben aus einem schwarzen Sonntagsstaat, zu dem man früher den Dreispitz oder - der Biedermeier-Zeit anpassend - einen Zylinder trug."

Die meisten anderen Kompanien und Bataillone werden aber bei den Paraden und Festzügen an diesem Wochenende bekanntlich Uniformen tragen. "Und dieses Recht und Privileg mussten sich die Schützen erstreiten und erarbeiten", sagt Caspers, der eine Chronik zum Bilker Schützenverein geschrieben hat und darin auch über die Entwicklung eines einheitlichen Erscheinungsbildes schreibt. Demnach haben die Schützenvereine als Waffenausbilder der männlichen Bürgerschaft im Mittelalter Privilegien genossen, was ihre Kleidung betrifft: "So erhielten sie von den Stadtoberen oftmals Geld- oder Tuchspenden, letztere häufig in den Farben einer Stadt. Schließlich sollten die Schützen einer Stadt nicht wie ein Haufen Hergelaufener bei auswärtigen Schießspielen auftreten."

Dass die Schützen in Düsseldorf noch um 1800 keine Uniform trugen, erfährt man in einem Brief von 1809 des Freiherrn von Pfeil (Düsseldorfs Oberbürgermeister) an den Präfekten Graf von Corck. Darin heißt es, dass die Bruderschaften "keine bestimmte Uniform haben." Hintergrund des Briefwechsels war die Idee der Franzosen, die Schützenbruderschaften und -vereine in eine Art Zwangsmiliz nach Vorbild der Nationalgarde umzubilden. Dieses Vorhaben zerschlug sich allerdings schnell: Denn anhand der Ausführungen über die Schützenvereine entstand das Bild von einem "wenig organisierten, von gewählten Offizieren angeführten Verein", sagt Caspers und lacht.

Erst nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 entdecken viele Kameraden, darunter auch die in Bilk, ihr Faible für Uniformen. Vier von sechs Kompanien wollten in Bilk eine "ordentliche Uniform", so Caspers. Immer mehr Kompanien und Bataillone gründeten sich. Nach und nach habe man sich "Fantasie-Uniformen" zusammengestellt, die sich bis auf Kopfbedeckung, Kragen oder Gürtel beziehungsweise Stoff (heute eher Polyester statt Baumwolle) kaum verändert haben. Die bekannteste ist die des "Jägers": grüne Jacke, schwarze Hose, weiße Handschuhe, weißes Hemd und Hut (meist mit Feder).

Doch dieses Recht musste erst erstritten werden: Denn gerade das Militär habe es nicht gerne gesehen, dass Teile der bürgerlichen Bevölkerung eine Uniform tragen wollten und damit eine Verwechslung stattfinden könnte. Deswegen gab es für die Schützen Einschränkungen: Wer zum Beispiel Epauletten an der Schulter tragen wollte, durfte nur welche ohne Wappen tragen. Preußisch-Blau durften die Schützen auch nicht tragen. Caspers: "Früher wusste jeder Mensch auf einen Blick, wer Soldat oder Schütze ist." Heute besteht keine Verwechslung mehr mit dem Militär oder anderen Uniform-Trägern wie der Polizei.

Für viele Schützen sei es auch heute noch wichtig, durch eine Uniform die Zugehörigkeit zu und Identifikation mit einer Schützengesellschaft zu zeigen, zumal jede Gruppe inhaltlich beziehungsweise bei den Werten unterschiedliche Ausrichtungen habe. Es gebe aber auch Kameraden, die sich gegen eine Uniform entschieden haben: So trägt die Schützengesellschaft der "Bilker Heimatfreunde", die erst im Jahr 1975 gegründet wurde, zum Beispiel einen Gesellschaftsanzug mit grauer Hose, blauem Jackett, weißem Hemd, mit Krawatte sowie einem grauen Hut.

Quelle: RP
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