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Düsseldorfer Schützen
Der Oberst und sein Pferd

Düsseldorf: Oberst Michael Boeckelmann und sein Pferd
Als Michael Böckelmann (M.) Oberst wurde, musste er erstmal Reitstunden nehmen. Das war vor 15 Jahren. In diesem Jahr ist sein Begleiter auf der Parade Stute Gina vom Gut Neuhaus in Grevenbroich. FOTO: andreas endermann
Düsseldorf. Michael Boeckelmann ist Oberst bei der Oberkasseler Bruderschaft St. Sebastianus. Zu seinen Aufgaben gehört auch der Ritt in der Parade am Schützensonntag. Die Beziehung zwischen Mensch und Tier ist eng, wie der 54-Jährige erzählt. Von Alessa Brings

Bei rund 30 Grad Celsius beginnt in Oberkassel ein Kampf um Schatten und Wasser. Wirklich alle Mitglieder der St.-Sebastianus-Bruderschaft stehen in Uniform vor dem alten Bahnhof am Belsenplatz und schwitzen.

Dieses Jahr ist anders für Schützenoberst Michael Boeckelmann. Denn er reitet ein anderes Pferd als die Jahre zuvor. Gina heißt die Stute und ist ein Friese. Sie kommt, wie alle Pferde, die der Schützenverein St. Sebastianus Oberkassel in der Schützenparade hat, vom Gut Neuhaus in Grevenbroich. Mit dem Gut kooperiert der Verein seit 15 Jahren, es stellt nicht nur die Pferde, sondern auch Kutschen für die Umzüge zur Verfügung.

Ebenfalls seit 15 Jahren ist Michael Boeckelmann Oberst. Der 54-Jährige arbeitet bei der Kanzlei Hogan Lovells, unter anderem als Aktenverwalter. Er trat vor mehr als 30 Jahren in den Schützenverein ein und beschritt dort die "klassische Schützenlaufbahn", wie er sagt. Er begann als Stabsoffizier, wurde dann Adjutant und dann Major.

Zehn Jahre mit Gisl bei der Parade geritten

Erst als Boeckelmann zum Oberst gewählt wurde, fiel ihm auf, dass er von nun an im Sattel sitzen muss. Er begann, Reitunterricht zu nehmen und verbrachte viel Zeit im Stall. Die ersten fünf Jahre ritt er jedes Jahr ein anderes Pferd. 2006 entschied der Oberst dann, dass er und seine zwei Reitbegleiter Friesen reiten werden. "Wir tragen weiße Hosen und weiße Reitdecken, da fand ich es vom Bild her schön, schwarze Pferde als Kontrast zu wählen", sagt er. Als er dies dem Besitzer des Gutshofes mitteilte, bekam er Gisl zugeteilt.

"Gisl war etwas ganz Besonderes", sagt Boeckelmann und strahlt. Zehn Jahre lang ist Gisl mit ihm durch die Schützenparade gegangen. Dieses Jahr musste sie im April eingeschläfert werden. Sie erblindete langsam und ihre ganze Verfassung verschlechterte sich. Als er von ihrem Tod erfuhr, musste der Reiter erst einmal schlucken. "Sie gehörte für mich dazu, ich habe eine Bindung zu ihr aufgebaut", sagt er. Gisl hätte sich immer gefreut, wenn er in den Stall gekommen sei. Die gegenseitige Zuneigung bemerkte auch Boeckelmanns Familie.

"Ich habe zu Hause viel von ihr erzählt, und meine Frau und meine Tochter haben Gisl während den Paraden gesehen", sagt der Oberst. Oft brachte er "seiner" Stute Äpfel und andere Leckereien mit, um sie zu verwöhnen.

Gina lässt sich brav durch den Zug leiten

Boeckelmann ist sich sicher, dass Gisl die Parade dieses Jahr trotz ihrer Blindheit geschafft hätte. "Aber das darf man einem Tier nicht zumuten, das wäre Quälerei", sagt er, fügt aber hinzu, wie musikalisch Gisl gewesen sei. Bei der Aufstellung wäre der Friese immer nervös gewesen und sei umher getrippelt. Sobald die Musik anfing, hätte sie sich beruhigt und alle Anweisungen ihres Reiters befolgt, so Boeckelmann. "Ich habe sie immer gelobt, wenn sie etwas richtig gemacht hat", gibt er zu und wird etwas verlegen. Das Pferd hätte immer verstanden, was er gesagt hat, da sei er überzeugt, sagt er.

Gina hat er erst ein paar Tage vor dem Schützenzug kennengelernt. "Ich habe gehofft, dass sie äußerlich Gisl gleicht. Und ich wollte wieder eine Stute reiten. Hengste kommen so schnell aus dem Konzept", sagt er. Zudem hoffte er, dass das Pferd nicht abweisend ist. Dann könne man keine Parade zusammen reiten, ist die Meinung des Oberst.

"Das war die Parade in typisch Oberkasseler Wetter", ruft Michael Boeckelmann, als alle Fußgruppen und Musikkapellen an den Schaulustigen und Ehrengästen der Bruderschaft, ebenfalls im Schatten, vorbei gelaufen sind.

Michael Boeckelmann ist zufrieden. Gina verhält sich gut und lässt sich brav durch die Parade leiten.

Quelle: RP
 
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