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700 Jahre St. Sebastianus Schützenverein
"Schützen garantieren innere Stabilität"

700 Jahre St. Sebastianus Schützenverein: "Schützen garantieren innere Stabilität"
Am Denkmal, das im Hofgarten an Stephanie von Hohenzollern erinnert, wurde ein Kranz niedergelegt. FOTO: Hans-Juergen Bauer (hjba)
Düsseldorf. Mit Kanzleramtsminister Peter Altmaier hatte der St. Sebastianus Schützenverein von 1316 zum 700-jährigen Bestehen einen prominenten Redner. Oberbürgermeister Geisel brachte einen Düsseldorf-Tag für die Kirmes als Geschenk mit. Von Denisa Richters

Nirgendwo sonst bei einer Festivität in Deutschland stehe an diesem Tag "ein gewichtigeres Mitglied der Bundesregierung" als hier auf der Bühne der Tonhalle in Düsseldorf. Damit machte Kanzleramtsminister Peter Altmaier beim Festakt gleich klar, welch hohe Bedeutung dem 700-Jahr-Jubiläum der St. Sebastianus Schützen von 1316 beigemessen wird. Eine charmant verpackte Anspielung auf den Streit über das tatsächliche Alter des Vereins konnte sich Merkels Mann für besondere Aufgaben aber nicht verkneifen. Bei seiner Recherche über die Sebastianer sei er auf zwei interessante Jahreszahlen gestoßen: 1316 und 1435. "Düsseldorf schafft, was sonst niemandem gelingt: Jubiläen zweimal zu feiern." Das beweise jedoch einmal mehr, dass Düsseldorf zu den klügsten und sympathischsten Großstädten Deutschlands gehöre.

Festakt in der Tonhalle (erste Reihe v.l.): Landtagspräsidentin Carina Gödecke, Beate und Lothar Inden (Schützenchef), Kanzleramtsminister Peter Altmaier, Oberbürgermeister Thomas Geisel mit seiner Frau Vera. FOTO: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Die Sympathien der Gäste im voll besetzten Saal waren dem Christdemokraten damit sicher. Für Altmaier ist das mehr als eine Floskel: Er ist inzwischen Stammgast in der NRW-Landeshauptstadt und schätzt ihre "ganz besondere Atmosphäre", wie er am Rande der Veranstaltung verriet. Wirtschaftlicher Erfolg, Toleranz, Traditions- und Selbstbewusstsein seien die Stärken Düsseldorfs. Das Schützenwesen gehöre dazu - mit dem Ehrenamt als zentraler Stütze. "Das ist ein Mehrwert, der innere Stabilität garantiert."

Die Sebastianer hätten sich bei ihrer Gründung vor 700 Jahren das Ziel gesetzt, Werte und Lebenseinstellungen zu verteidigen. Das sei aktueller denn je, so Altmaier: "Wir werden uns unseren westlichen Lebensstil von keinem Terroristen wegbomben lassen." Klassen und Eliten spielten bei den Schützen ebenso wenig eine Rolle wie Parteizugehörigkeit. Auch zur Flüchtlingskrise schlug Altmaier den Bogen. Die Haltung Deutschlands in der Frage sei "eine humanitäre Visitenkarte, die ganz Deutschland abgegeben hat", auch die Schützen leisteten einen wichtigen Beitrag dazu. Oberbürgermeister Thomas Geisel unterstrich das ebenfalls in seiner Rede. Zur Sitte, die sich Schützen neben Glaube und Heimat als Ziel setzten, gehöre auch, "dass man Menschen hilft, die bei uns Zuflucht suchen".

Aus dem Hofgarten marschierten die Gesellschaften der St. Sebastianus Schützen zum Festhochamt in St. Lambertus. FOTO: Hans-Jürgen Bauer

Dazu passte, dass der Stephanientag Anlass für den Festakt war. An diesem Tag erinnern die Sebastianer jedes Jahr an Stephanie von Hohenzollern, die in Düsseldorf lebte, bevor sie Königin von Portugal wurde, und wegen ihres mildtätigen Lebens "Engel der Armen" genannt wurde. Bereits am Morgen hatten die Schützen, angeführt von Lothar Inden, am Stephanien-Denkmal im Hofgarten einen Kranz niedergelegt, marschierten anschließend mit allen Gesellschaften zum Festhochamt in St. Lambertus aus diesem Anlass. Monsignore Ulrich Hennes sprach in seiner Predigt vom Martyrium des heiligen Stephanus, "eine grausige Geschichte, die nicht in die heutige Feststimmung passen will". Dennoch sende sie drei wichtige Botschaften: Stephanus sei einer der sieben auserwählten Diakone gewesen, die sich gegen Notleiden und Vergessen einsetzten. Er habe ein Zeugnis seines Glaubens abgelegt und sei dafür umgebracht worden. Und er stehe für die Zusage Gottes, dass "der Himmel uns offensteht. Das ist unsere Zukunft und Hoffnung". Vieles davon entspricht auch den Werten des Schützenwesens.

Dafür steht auch der Stephanien-Stiftungspreis der Sebastianer. Mit 5000 Euro dotiert ging er diesmal an den Düsseldorfer Verein Hisko, der schwangeren Frauen in Notlagen hilft. Annegret Lodewick nahm den Preis für Hisko entgegen. Die Schützen verteilten nicht nur Geschenke, sie bekamen auch eins: Geisel, "aktiver Schütze in unserem Regiment und unser Schirmherr", wie Schützenchef Inden betonte, brachte es mit. Zunächst nur verbal, nämlich, dass die Stadt für den Eröffnungstag der Größten Kirmes am Rhein am 15. Juli, die die Sebastianer ausrichten, einen Düsseldorf-Abend im Festzelt organisieren wird. Geplant ist unter anderem mit Stimmungsmusik aus dem Winter- und Sommerbrauchtum.

Stimmung gab's auch gestern in der Tonhalle mit dem Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr. Den Abschluss machte ein Medley aus Rhein-Liedern (ja, einem aus Köln).

Quelle: RP
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