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Düsseldorf
Schulen kritisieren Sanierungsstau

Düsseldorf: Schulen kritisieren Sanierungsstau
Schon vor dem Gong wird es eng in der Pausenhalle des Georg-Büchner-Gymnasiums. Cafeteria oder Aufenthaltsraum gibt es nicht. FOTO: Schaller / Endermann (2)
Düsseldorf. Fehlende Aufenthaltsräume, defekte Fenster, veraltete Computer: Die Leiter der Gymnasien fordern Nachbesserungen und mehr Transparenz beim Masterplan Schulen. Die Stadt wendet ein, nicht alles gleichzeitig machen zu können. Von Jörg Janssen

Inge Schleier-Groß, Leiterin des Georg-Büchner-Gymnasiums in Golzheim, hat Mitleid mit ihren 700 Schülern. Sobald mittags der Gong ertönt, quillt die kleine Pausenhalle über. Wer seine selbst mitgebrachte Mahlzeit im Sitzen essen will, braucht Kampfgeist. Für Hunderte Schüler gibt es dort gerade einmal fünf Tische. "Uns fehlt eine Mensa, eine Cafeteria, überhaupt ein Aufenthaltsraum", sagt die Pädagogin. Nicht der einzige Mangel. "100 Oberlichter sind defekt. Manche kann man nur mit Hilfe einer Leiter und eines Besenstiels öffnen, manche gar nicht." Für Schleier-Groß unverständlich: Ihr Gymnasium gehört nicht zu den im städtischen "Masterplan Schulen" aufgeführten Sanierungsobjekten. "Wir wollten da rein, fanden aber keine Aufnahme. Warum, wissen wir nicht", wundert sich die Pädagogin.

Über "große Raumnot" klagen auch die Leiter des Görres- und des Luisen-Gymnasiums, Christine Leithäuser und Wolfgang Mesenholl. "Zudem müssten die Holzfenster im Altbau dringend getauscht werden", sagt Leithäuser. Viel Hoffnung hat sie nicht. "Im Masterplan stehen wir auf dem 32. Platz. Ich glaube nicht, dass ich das noch erlebe." Nachholbedarf im IT-Bereich mahnt dagegen Mesenholl an. "Das aktuelle System ist so veraltet, dass unsere Schüler häufig einfach nicht ins Internet kommen."

Wenig einladend: eine Wand an dem Golzheimer Aufbau-Gymnasium FOTO: Endermann, Andreas (end)

"Mindestens an einer Schule hat eine Qualitätsanalyse der Bezirksregierung ergeben, dass ein richtlinienkonformer, auf Qualität ausgerichteter Unterricht nicht möglich ist", sagt Dirk Schnelle, Schulform-Sprecher für die Düsseldorfer Gymnasien. Der Leiter des Gerresheimer Gymnasiums Am Poth räumt ein, dass es zwei Seiten der Medaille gibt. "Natürlich nimmt die Stadt Geld in die Hand. Das Schloß- und das Leibniz-Gymnasien erhalten nach Jahren eine Mensa, das Lessing-Gymnasium seine Turnhalle und hier Am Poth wurden die naturwissenschaftlichen Räume erneuert." Zufrieden sind er und seine Kollegen trotzdem nicht. Der Unmut sei da, "weil vieles nicht oder nur sehr langsam vorankommt". Und weil es beim Thema Masterplan einfach an Transparenz fehle. "Wir wissen einfach nicht, wer warum mit welcher Priorität innerhalb des Masterplans auftaucht."

Doreen Kerler, Leiterin des Gebäudemanagements, will diese Kritik so nicht stehenlassen. "Seit 2002 haben wir 400 Millionen Euro in die Schulen gesteckt. Zusätzlich zum Masterplan, den wir mit 30 Millionen Euro jährlich ausstatten, geben wir pro Jahr 17 Millionen Euro für kleinere Maßnahmen aus." Bei 180 Schulen sei der Masterplan zwangsläufig ein lebendiger Prozess, der unvorhergesehenen Änderungen unterliege. "Natürlich gibt es Defizite an der ein oder anderen Stelle, die nicht alle gleichzeitig abgearbeitet werden können. Aber das bedeutet doch nicht, dass die Schulen nicht mehr funktionieren."

Bereits 2012 hatten die Sprecher aller Schulformen sowie Eltern ihren Unmut über zahlreiche Defizite artikuliert. Die Proteste mündeten in ein 5,5 Millionen-Soforthilfeprogramm, mit dem überwiegend Schultoiletten saniert werden.

Quelle: RP
 
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