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Düsseldorfer Innenstadt
Schwarz-weiße Schwanen-Liebe im Hofgarten

Schwarz-Weiße Schwanen-Liebe im Düsseldorfer Hofgarten
FOTO: Screenshot Anna Trifonova Salaba
Düsseldorf. Im Hofgarten-Teich schwammen am Sonntagnachmittag zwei Schwäne –  einer schwarz, einer weiß. Ein Ornithologe klärt auf. Von Nikole Kampe

Fast täglich ist Anna Salabaschew mit ihrem Hund im Hofgarten unterwegs. Meistens macht sie einen großen Bogen um die Schwäne, "die können ganz schön gruselig sein", sagt die 55-Jährige. Am Sonntagnachmittag haben zwei Schwäne die Düsseldorferin aber so berührt, dass sie ihr Handy zücken und die Szene filmen musste.

Zwei Schwäne – einer schwarz, der andere weiß – schwammen gemeinsam auf dem Teich im Hofgarten, synchron, fast wie einstudiert. "Es sah aus wie ein Ballett", sagt Salabaschew, die minutenlang das Paar beobachtete. "Für mich war das ein wunderschöner Tanz", sagt die Düsseldorferin, die ihre Erlebnisse unter dem Titel "tatsächlich Liebe in schwarz-weiß" im sozialen Netzwerk Facebook teilte.

Schwansee am Hofgarten ❤ ....tatsächlich Liebe in schwarz-weiß 😉

Posted by Anna Trifonova Salabaschew on Sonntag, 7. Januar 2018

Fast 600 Reaktionen hat Salabaschew bekommen, viele bedankten sich bei ihr für das tolle Video. Andere kommentieren: "Man sieht, schwarz und weiß, auch das geht. Die Tierwelt macht es vor." Dass das Leben schön sein kann, das wollte Anna Salabaschew zeigen, auch wenn sie nicht wirklich an ein schwarz-weißes Liebespaar glaubt.

"So schön das auch gewesen wäre", sagt die 55-Jährige. Sie vermutet einen anderen Grund hinter der Choreografie, "vielleicht war das eine Art Kampf". Gestern hat sie sich noch mal vergewissert beim Spaziergang durch den Hofgarten, ob einer der Schwäne vielleicht Federn lassen musste. Verletzt hat sich wohl kein Tier, gemeinsam geschwommen ist das Paar aber auch nicht mehr. Und das hat einen guten Grund, wie der Ornithologe vom Nabu, Tobias Krause, erklärt: "Die Schwäne haben erstmal nichts miteinander zu tun", sagt er.

Der schwarze Schwan, auch Trauerschwan genannt, kommt ursprünglich aus Australien, lebt nach seiner inneren Uhr aber noch immer auf der Südhalbkugel, wo die Vögel im Augenblick Brutzeit haben. "Entsprechend brüten sie jetzt auch hier", sagt Krause, der davon ausgeht, dass der schwarze den weißen Schwan vertreiben wollte. Und weil der hiesige Höckerschwan zu dieser Jahreszeit nicht so sehr hormongesteuert ist, ist die Begegnung nicht nur friedlich ausgegangen, sondern begeistert nun hunderte Menschen im Netz.

Völlig ausgeschlossen ist eine Liebe zwischen schwarz und weiß aber nicht – wenn sich die Brutzeiten überlappen und kein arteigener Partner zur Verfügung steht. "In der Gefangenschaft kann das vorkommen", sagt Tobias Krause. Zebra- oder Dalmatiner-Babys werden bei dieser Paarung aber nicht schlüpfen, "die Küken sind dann grau-meliert", weiß der Experte. Vermutlich brütet gerade ein Trauerschwanen-Pärchen auf der kleinen, geschützten Insel hinter der Oper, wo im Sommer dann wieder ein Höckerschwanen-Paar sein Nest bauen wird.

Zwar leben mehrere Exemplare einer Gattung an einem Gewässer wie im Hofgarten, es wird aber immer nur ein Paar geben, das brütet, "und die anderen werden verjagt", sagt der Ornithologe. Ganz gleich, ob das Gefieder die gleiche oder eine andere Farbe hat. Zwischen fünf und zwölf Trauerschwäne leben in Düsseldorf, das weiß Tobias Krause so genau, weil der Hofgarten der einzige Ort in der Stadt ist, an dem die australischen Vögel vorkommen.

Sie sind voll flugfähig, fast alle beringt und ein Überbleibsel der Fasanerie. Sie vermehren sich so regelmäßig, dass sich ihre Zahl in den vergangenen Jahrzehnten gehalten hat. Wie es mit der Population weitergeht, ist für Tobias Krause ein spannendes Thema: In Meerbusch soll sich gerade ein Pärchen angesiedelt haben.

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Wie lange es bleibt, kann niemand so genau vorhersagen. Weil die Vögel in ihrer ursprünglichen Heimat durch Trockenperioden oft gezwungen werden, ihre Brutstätte zu verlassen, sind sie weniger sesshaft als die Höckerschwäne. Die wiederum sind schwer zu zählen, weil sie unter anderem in Deutschland beheimatet sind und vor allem die jungvögel gerne rumstreunen. "70, 80, vielleicht 90 werden es sein", sagt Tobias Krause.

 
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