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Ein Düsseldorfer Lehrer berichtet
"Wir haben eine hohe Anzahl an schwachen Schwimmern"

Schwimmlehrer aus Düsseldorf: "Wir haben eine hohe Anzahl an schwachen Schwimmern"
Niemand muss perfekt alle Stile beherrschen, aber viele Kinder können nur unzureichend schwimmen. Das kann gefährlich sein. (Symbolfoto) FOTO: Shutterstock/I love Photo
Düsseldorf. Fast 60 Prozent der Zehnjährigen sind keine sicheren Schwimmer. Das hat eine Forsa-Umfrage im Auftrag der DLRG ergeben. Wie aber sieht das im Schulalltag aus? Wir haben mit einem Schwimmlehrer gesprochen. Von Dana Schülbe

Seit vier Jahren betreut Thomas Schulze (Name geändert) den Schwimmunterricht an einer Realschule in Düsseldorf, gemeinsam mit einem Kollegen oder einer Kollegin. Ein Jahr lang haben die Sechstklässler dort einmal in der Woche Schwimmunterricht. Und eigentlich sollte man in diesem Alter annehmen, dass die Kinder schon recht gut schwimmen können. Schulze hat da aber andere Erfahrungen gemacht.

"Wir haben schon eine hohe Anzahl an schwachen Schwimmern", sagt er. Für Zehn- bis Elfjährige sei das sehr ungewöhnlich. Die Lehrer fragten daher bereits vor Beginn des Unterrichts ab, wer denn schwimmen könne und wer nicht. In letzerem Fall werde dann den Eltern empfohlen, ihr Kind im Sommer in einem Schwimmkurs anzumelden. Trotzdem habe man immer wieder Schüler dabei, die noch gar nicht schwimmen könnten. Manche schafften es gerade so, irgendwie an den Beckenrand zu paddeln.

"Es gab da etwa in der Klasse einer Kollegin den Vorfall, dass ein Mädchen ins Wasser sprang und unterging wie ein Stein. Sie musste dann von den Lehrern rausgezogen werden. Auf die Frage, warum sie einfach ins Wasser gesprungen sei, habe sie geantwortet: 'Ich habe gedacht, ich probiere es einfach mal, und wenn ich es nicht kann, holen sie mich wieder raus."

"Manche Kinder haben einfach Angst, ins Wasser zu gehen"

Schulze hält es für enorm wichtig, dass die Kinder schwimmen lernten. "Es gibt da einige Eltern, die im Urlaub ans Meer fahren, deren Kinder aber nicht schwimmen könnten. Das halte ich für unverantwortlich."

Seiner Erfahrung nach zieht sich das aber durch alle sozialen Schichten. "Geht man nach den gängigen Klischees, könnte man annehmen, es seien vor allem Schüler mit Migrationshintergrund, die schlecht oder gar nicht schwimmen könnten. Das kann ich so nicht bestätigen", sagt Schulze. Die letzten drei Nichtschwimmer in seinen Klassen, an die er sich erinnere, seien alles Schüler ohne Migrationshintergrund gewesen. Erfahrungen mit Flüchtlingskindern aber hat er selbst noch nicht gemacht.

"Da sind Kinder dabei, die haben einfach Angst ins Wasser zu gehen", berichtet er. "Da liegt die Vermutung nahe, dass die Eltern mit diesen nicht regelmäßig ins Schwimmbad gehen, denn dort verliert man ja eigentlich die Scheu davor."

Regelmäßige Entschuldigungen der Eltern

Auch erlebe er immer wieder, dass Eltern ihren Kindern regelmäßig eine Entschuldigung für den Schwimmunterricht schrieben und so denjenigen, die keine Lust auf Schwimmen hätten, entgegenkämen. Da seien immer ein bis drei Schüler pro Klasse dabei. "Das kann aber auch damit zusammenhängen, dass die Schüler in diesem Alter in die Pupertät kommen", räumt er ein.

Der Lehrer weiß auch, wie schwierig es ist, in einer Klasse mit 25 bis 30 Schülern und zwei Lehrern den Nichtschwimmern neben der eigentlichen Betreuung noch Schwimmen beizubringen. Dass da an den Grundschulen viel liegen bleibe, kann er durchaus verstehen. "Die Grundschulen haben ja auch nicht den idealen Betreuungsschlüssel", sagt er. "Wenn da nicht durch Schwimmkurse und die Eltern mitgeholfen wird, ist das für eine Schule kaum zu leisten. Das Schwimmen lernen komplett in die Schule zu verlagern, halte ich für illusorisch."

Nur Negatives sieht Schulze aber nicht. Er sagt: "Bis jetzt haben wir es noch bei jedem geschafft, dass vorherige Nichtschwimmer am Ende des Schuljahres zwei, bis drei Bahnen schwimmen konnten."

 
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