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Düsseldorf
Sechs Förderschulen werden aufgelöst

Düsseldorf: Sechs Förderschulen werden aufgelöst
Die Erich-Kästner-Schule in Flingern (Förderschwerounkt "Lernen") wird aufgelöst. Bis 2017 soll sie als Teilstandort erhalten bleiben. FOTO: Endermann, Andreas
Düsseldorf. Die Stadt zieht Konsequenzen aus Vorgaben des Landes zur Inklusion. Betroffen sind Schulen mit den Schwerpunkten "Lernen" sowie "emotionale und soziale Entwicklung". Einige Schulen bleiben vorerst erhalten - als Teilstandort. Von Jörg Janssen

Die Düsseldorfer Förderschullandschaft steht vor einschneidenden Veränderungen. Geht es nach dem Willen des Rathauses, werden sechs Schulen ihre Selbständigkeit verlieren. Damit reagiert die Stadt darauf, dass immer mehr Kinder mit Handicap an Regelschulen angemeldet werden (Inklusion) sowie auf verschärfte Regeln des Landes zur Mindestgröße von Förderschulen. Der Schulausschuss debattierte gestern über eine Vorlage von Dezernent Burkhard Hintzsche. Darüber abstimmen soll erst der Rat. Neben Anerkennung gab es auch Kritik. FDP-Ratsherr Mirko Rohloff sagte, mit seinen engen Vorgaben ziele das Land NRW offenbar auf eine Art "Zwangsinklusion". Die wichtigsten Fakten und Probleme im Überblick.

Wie hat sich die Zahl der Düsseldorfer Förderschüler entwickelt? Seit Jahren wollen immer mehr Eltern ihr behindertes Kind an einer so genannten Regelschule unterbringen. Die Zahl der Jungen und Mädchen "mit sonderpädagogischem Förderbedarf" an allgemeinen Schulen hat sich von 408 (Schuljahr 2011/12) auf 794 (2014/15) fast verdoppelt. Entsprechend sank die Zahl der Förderschüler von 1985 (2011/12) auf nur noch 1587.

Was hat das Land NRW bei den Mindestgrößen verändert? An einer Schule mit Förderschwerpunkt "Lernen" müssen 144 Schüler angemeldet sein, damit sie eigenständig bleibt. Diese Zahl wurde nicht verändert, wohl aber die bis vor kurzem gültige Ausnahmeregelung. Danach durfte eine solche Förderschule mit bis zu 50 Prozent weniger Schülern weiterlaufen. Anders ist es beim Förderschwerpunkt "emotionale und soziale Entwicklung". Dort müssen künftig 88 Schüler gemeldet sein, bislang waren es nur 66.

Welche Standorte wird es wie lange geben? Vollständig aufgelöst wird zum 1. August dieses Jahres die Janusz-Korczak-Schule (Lernen) in Mörsenbroich. Langfristig erhalten bleiben dagegen die Jan-Wellem-Schule (Lernen/emotionale Entwicklung) in Pempelfort sowie die Alfred-Herrhausen-Schule (Lernen/emotionale Entwicklung) in Garath. Diesen beiden "Hauptstandorten" werden andere Schulen der beiden betroffenen Förderschwerpunkte als so genannte "Teilstandorte" zugeordnet.

Bedeutet das, dass - bis auf eine - am Ende doch alle Förderschulen erhalten bleiben? Nein. Das Rathaus hat die Lebensdauer der "Teilstandorte" teils befristet: So soll die Förderschule Erfurter Weg in Vennhausen längstens bis 1. Juli 2016 existieren, die Astrid-Lindgren-Schule (Holthausen) und die Erich-Kästner-Schule (Flingern-Nord) längstens bis 31. Juli 2017. Lediglich die als Dependance geführte Jan-Daniel-Georgens-Schule (Oberbilk) sowie die Peter-Härtling-Schule (Vennhausen) bleiben so lange erhalten, "wie dies organisatorisch und pädagogisch sinnvoll ist".

Wie reagieren die Förderschulen? Unterschiedlich. Froh ist niemand über das sofortige oder bald nahende Ende seiner eigenen Schule. Besonders klar war nach Angaben von Theo Bremer, Vize-Leiter des Schulverwaltungsamtes, die Reaktion in den Schulkonferenzen der Jan-Daniel-Georgens- und der Peter-Härtling-Schule. Sie plädierten für einen dauerhaften Erhalt des Standortes.

Was sagen die Vertreter der Elternschaft? Antje Schuh, die als Vertreterin der stadtweiten Schulpflegschaft EDS im Schulausschuss sitzt, äußerte sich skeptisch. Inklusion sei im Grundsatz gut, die Rahmenbedingungen in Düsseldorf dafür jedoch schlecht. Immer mehr Schüler, überfüllte Klassen und Raumnot stellten Regelschulen vor kaum lösbare Herausforderungen.

Quelle: RP
 
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