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Karneval in Düsseldorf
Security-Point für Frauen an Altweiber

Karneval in Düsseldorf: Security-Point für Frauen an Altweiber
Frank Kubicki, Vize-Chef der Düsseldorfer Kripo, informierte gestern den Gleichstellungsausschuss zum Thema "Sicherheit für Frauen". FOTO: endermann
Düsseldorf. Im Düsseldorfer Jonges-Haus an der Mertensgasse sollen mögliche Opfer sexueller Belästigung Schutz finden. Die Zahl der angezeigten Silvester-Übergriffe stieg auf 96 Fälle. Elf Verdächtige sind ermittelt, einer sitzt in Untersuchungshaft. Von Stefani Geilhausen

Wenn der Straßenkarneval an Altweiber startet, werden Mitarbeiterinnen der Frauenberatungsstelle, des Gleichstellungsbüros und der Polizei erstmals einen gemeinsamen Dienst beginnen. Mittendrin im jecken Trubel, im Haus der Düsseldorfer Jonges an der Mertensgasse, werden sie eine Anlaufstelle für Frauen einrichten, die Opfer sexueller Belästigung geworden sind.

Den Security-Point für Frauen, den es auf dem Münchner Oktoberfest schon seit mehr als zehn Jahren gibt, haben die Gleichstellungsbeauftragten und Frauenberaterinnen aus Düsseldorf und Köln gemeinsam auf die Beine gestellt - als Reaktion auf die sexuellen Attacken in der Silvesternacht. Für den Rosenmontag sei eine reduzierte Variante denkbar, sagte Gleichstellungsbeauftragte Elisabeth Wilfart gestern im Gleichstellungsausschuss. Dessen Mitglied Rolf Buschhausen (CDU) regte gleich noch eine Ausweitung des Projekts auf die Stadtteile an, in denen es schließlich am Sonntag auch noch Veedelszüge gebe.

Im Fokus steht aber sicher zunächst einmal der Straßenkarneval mit seinen riesigen Menschenmengen auf dem Burgplatz. Die Silvester-Übergriffe dort seien nicht die ersten gewesen, berichtete Etta Hallenga von der Frauenberatungsstelle und erinnerte an eine junge Frau, die dort in der Silvesternacht 2004 vergewaltigt wurde, während Passanten Beifall klatschten. "Sexuelle Gewalt im öffentlichen Raum gehört nicht erst seit drei Wochen zum Alltag von Frauen", sagte Hallenga. Die Nationalität der Täter spiele für die Opfer keine Rolle, es sei die Tat, die traumatisiere. Und damit hätten sich Frauen bislang alleingelassen gefühlt. Dass die Polizei nach Silvester gezielt dazu aufgerufen habe, Anzeige zu erstatten, sei ein wichtiges Signal. Die Opfer müssten ernst genommen und die Sicherheit der Frauen vom Rechtsstaat geschützt werden.

Übersicht: Hier gibt es Videoüberwachung in Düsseldorf FOTO: Bußkamp, Thomas

Das werde ganz besonders im Straßenkarneval geschehen, versicherte Frank Kubicki, stellvertretender Kripochef, im Ausschuss. Nicht nur, dass die Polizei deutlich mehr Kräfte einsetzen werde. Schon im Vorfeld seien die Beamten unterwegs zu den ihnen bekannten Verdächtigen und ihrem Umfeld, um ihnen in so genannten Gefährderansprachen deutlich zu machen, dass die Polizei sie im Blick habe. Präventiv sei man auch in Flüchtlingsunterkünften unterwegs, um dort zu erklären, "was in Deutschland sozial adäquat ist".

Kubicki schilderte die Silvesternacht noch einmal aus polizeilicher Sicht. Nach Mitternacht sei die Stimmung gekippt, viele aggressive Gruppen seien aufgefallen. Doch es habe weder Not- noch Hilferufe gegeben, erst am nächsten Morgen sei eine einzige Tat angezeigt worden. Das Phänomen der Gruppen von Männern, die Frauen attackierten, "hat uns überrascht", sagte Kubicki. Die Zahl der Fälle sei inzwischen auf 96 gestiegen, 14 der Opfer wurden nicht nur belästigt, sondern auch bestohlen. Aber: "Diese Täter waren nicht die uns bekannten Taschendiebe. Das waren Sexualstraftäter." Ermittelt hat die Polizei in Düsseldorf inzwischen elf, einer davon sitzt in Haft, ein zweiter wird per Haftbefehl gesucht. Alle streiten die Vorwürfe ab. Die 20-köpfige Ermittlungskommission "Silvester" habe ihre Arbeit noch lange nicht abgeschlossen, so Kubicki.

Düsseldorfs Polizeipräsident zur Silvesternacht

Die Spitzen des Carnevals Comitees (CC) zeigten sich gestern Abend nach dem Gespräch im Polizeipräsidium beruhigt. "Die Polizei tut alles, was geht." Problempunkte in der Altstadt würden ausgeleuchtet, es gebe auch mehr Kameras für die Steuerung der Einsätze, etwa an der Freitreppe oder an der Steinstraße. Die Narren selber bringen auch mehr Mittel für Security auf, um etwa das Sanitätszelt zu schützen.

Quelle: RP
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