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Düsseldorf
Seelsorgerin lenkt Blick aufs Positive

Düsseldorf: Seelsorgerin lenkt Blick aufs Positive
Heike Schneidereit-Mauth in der Palliativstation der Uniklinik, wo sie zusammen mit sieben anderen Kollegen für die seelsorgerische Arbeit zuständig ist FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Pfarrerin Heike Schneidereit-Mauth arbeitet an der Uniklinik. Sie spendet dort Trost und möchte die Patienten in schweren Situationen stärken. Von Julia Brabeck

Heike Schneidereit-Mauth hat ihren Traumberuf gefunden. Die Theologin, die drei Jahre als evangelische Gemeindepfarrerin in Essen gearbeitet hat, ist seit 16 Jahren Klinikseelsorgerin an der Universitätsklinik Düsseldorf. "Das ist eine ganz besondere, herausfordernde Stelle und eine bereichernde Tätigkeit gleichermaßen", sagt die 50-Jährige. Die seelsorgerische Arbeit an dem Krankenhaus mit rund 1200 Betten teilt sie sich mit zwei evangelischen und fünf katholischen Kollegen. Sie werden von den Kranken, deren Angehörigen oder den Klinikmitarbeitern angefordert und sind in besonderen Notsituationen innerhalb einer Stunde am Krankenbett. Das ist beispielsweise der Fall, wenn eine schlimme Diagnose übermittelt wird, der Kranke jemanden zum Sprechen braucht, eine Nottaufe nötig ist oder ein Segen in den letzten Lebensstunden gespendet werden soll. "Wir sind für Menschen jeden Alters und jeder Religionszugehörigkeit da", sagt Schneidereit-Mauth.

Oft begleitet sie Menschen in den letzten Lebenstagen und beim Sterben. "Da gibt es natürlich viel Traurigkeit und Schmerz, aber an einem Sterbebett kann auch gelacht werden, denn dann erinnert man sich auch an die schönen Dinge im Leben", sagt die Seelsorgerin. Ihr ist es wichtig, nicht nur auf das Leiden, auf das Bedrückende zu schauen, sondern darauf, was den Patienten Kraft geben könnte, wo seine Ressourcen liegen und wie diese mobilisiert werden können. "Ich versuche, den Blick auf Positives zu lenken, den Menschen erkennen zu lassen, was er etwa geleistet hat, welche schönen Erfahrungen er gemacht hat", sagt Heike Schneidereit-Mauth. Damit würde das Leid nicht verschwinden, aber ein Gegengewicht geschaffen werden. Wichtig ist es für die Seelsorgerin, Trost zu spenden und Anteil zu nehmen, aber dennoch genug Abstand zu bewahren. "Einer Mutter würde es wenig nützen, wenn ich am Krankenbett mitweinen würde."

Regelmäßig nimmt sie an Fortbildungen teil und holt sich auch Rat bei einem Supervisor. "Ohne meinen Glauben und die Hoffnung auf ein ewiges Leben, wie dieses auch immer aussehen mag, könnte ich meine Arbeit aber nicht machen.", sagt Schneidereit-Mauth. Belastende Ereignisse könne sie so "manchmal auch an den Herrgott abgeben". Außerdem müsse man sich für diese seelsorgerische Arbeit auch für die Lebensgeschichte anderer Menschen interessieren. "Für manche Patienten ist es wichtig, mit mir ihren Lebensweg durchzugehen, zu hinterfragen, was noch offen ist und wie man sein Leben abschließen kann. Dabei geht es oft um spirituelle Fragen, wie nach dem Sinn des Lebens und dafür brauchen sie einen kompetenten Gesprächspartner."

Angenehm überrascht hat die Seelsorgerin, welche große Wertschätzung ihrer Arbeit entgegengebracht wird. Sie selber sei dadurch viel dankbarer für ihr Leben geworden, würde bewusster damit umgehen. "Ich erfahre schließlich täglich, dass schon morgen alles anders sein könnte. Deshalb richte ich meinen Blick darauf, was mir jetzt wichtig ist und verschiebe es nicht", sagt Schneidereit-Mauth. Und sie rät auch anderen, im Hier und Jetzt zu leben.

Quelle: RP
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