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Düsseldorf
Seestern blüht nach Vodafone-Abzug

Düsseldorf: Seestern blüht nach Vodafone-Abzug
Ein Teil des Seesterngebietes aus der Luft. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Bald arbeiten wieder mehr als 12.000 Menschen in dem typischen Bürogebiet der 1970er Jahre. Die Telekom plant, weitere 1000 Büroarbeitsplätze dort anzumieten. Die Angst vor Leerständen ist nach Renovierungen verschwunden. Von Thorsten Breitkopf

Lange sah es nicht gut aus um Düsseldorfs vielleicht berühmtestes Büroquartier am Rande der Stadt. Als Vodafone verkündete, einen neuen Campus in Heerdt zu bauen, drohte dem Seestern in der Nähe des linksrheinischen Stadtteils Lörick ein massiver Leerstand. Die verbliebenen Mieter und Vermieter des Areals erkannten die Gefahr und gründeten die Initiative Seestern. Ein Kommentar in einer Immobilien-Fachzeitung, am Seestern wolle man nicht "tot über dem Zaun hängen", erboste den Vorsitzenden der Standort-Initiative, Dirk Lindner, damals sehr.

Doch es kam alles besser, als die Unkenrufer ahnten. "Die erfolgreichen Revitalisierungen bestätigen, dass sich Investitionen in die Gebäude am Seestern auszahlen", sagt Dirk Lindner heute im Interview mit unserer Redaktion. Fast 400 Millionen Euro sind in den vergangenen vier Jahren in den Bereich des Seesterns geflossen. Mehr als 25 Millionen Euro habe allein die Fondsgesellschaft Union Investment unter den Kriterien des Denkmalschutzes und der Nachhaltigkeit in das Gebäude "Am Seestern 3"investiert, eine nach amerikanischem Vorbild erbaute, denkmalgeschützte Immobilie aus den 1960er-Jahren, zu der ein ebenfalls denkmalgeschützter Park gehört.

Nach dem Weggang von Vodafone belebt nun ausgerechnet dessen größter Konkurrent den Seestern. Nach der Großvermietung an die Deutsche Telekom im Jahr 2015, die im September dieses Jahres mit rund 1000 Mitarbeitern in die neuen, auf modernen Standard gebrachten Räumlichkeiten der früheren Zentrale der Düsseldorfer Kaufhauskette Horten einziehen wird, wurden im vergangenen Jahr 6100 Quadratmeter neu vermietet.

Im Mittelpunkt des Mieterinteresses stand das von der Firma Kriton Immobilien-Service renovierte Bürogebäude "QiDUS" an der Emanuel-Leutze-Straße 8. Fast 5000 Quadratmeter wurden dort im Zentrum des Seesterns an neue Mieter übergeben. "Alle Flächen wurden für die Mieter neu ausgebaut", sagt Lindner.

Dirk Lindner, einer der Söhne des Architekten und Gründers der Lindner-Hotelgruppe, Otto Lindner, ist mit dem, was die Seestern-Initiative erreicht hat, überaus zufrieden. Über die Zusammenarbeit in Immobilienfragen hinaus gibt es auch neue Projekte, etwa die "Seestern-App". Sie befindet sich zurzeit in einer Pilotphase und wurde von dem Start-up-Unternehmen Animus programmiert und entwickelt. Sie soll über Termine am Seestern informieren, aber auch Services bieten, wie Concierge, Paketannahme, Wäsche oder Carsharing. Auch ein Pillentaxi ist in Planung.

Als Erfolg verbucht die Seestern-Initiative auch eine Verbesserung der Verkehrsanbindung. So fährt die Linie U77 jetzt länger am Abend in das Seesterngebiet und bindet es so binnen weniger Minuten an die wichtigen Drehkreuze Heinrich-Heine-Allee und Hauptbahnhof an. Froh ist Dirk Lindner auch, dass die zu BMW gehörende Carsharing-Firma Drivenow das gesamte Büroareal in sein Geschäftsgebiet aufgenommen hat. Der zu Daimler gehörende Konkurrent Car2go deckt dagegen nur die südliche Hälfte des Geländes ab, also konkret die Fritz-vom-Felde-Straße mit ihren Nebenstraßen und die Straße "Am Seestern" selbst. Die Möglichkeit, bei der Fahrt zum oder vom Seestern ein Elektroauto zu nutzen, wurde kürzlich durch den Bau von fünf neuen Elektroladesäulen verbessert.

Der Strukturwandel im Seesterngebiet zeigt sich auch mit der wachsenden Anzahl von kleinen und mittelständischen Unternehmen, viele davon aus der IT- und Telekommunikationsbranche. "Sie schätzen die Nähe zu den großen Unternehmen wie Vodafone, Huawai, Ericsson oder demnächst auch die Deutschen Telekom und profitieren von Synergieeffekten am Standort", sagt Dirk Linder. Beispiele seien Hotels, gastronomische Angebote mit Restaurants, Kiosken, Bäckereien und Foodtrucks. Kürzlich wurde das Seesterngebiet an die Fernwärme der Stadtwerke angeschlossen. Das warme Wasser kommt mithilfe eine Dükers unter dem Rhein von der anderen Seite des Flusses aus dem neuen Lausward-Kraftwerk.

Quelle: RP
 
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