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Düsseldorf
Selbstversuch im Schlaflabor

Düsseldorf: Selbstversuch im Schlaflabor
Martina Neddermann verkabelt unsere Autorin Regina Goldlücke. FOTO: RP-Foto; Christoph Reichwein
Düsseldorf. Es gibt viele Gründe, warum wir nicht gut schlafen. In Kaiserswerth hat sich unsere Autorin auf die Suche gemacht. Von Regina Goldlücke

Erholsamer Schlummer ist keine Selbstverständlichkeit. Jeder fünfte Deutsche klagt über permanente oder zeitweilige Störungen seiner Nachtruhe. In einem Schlaflabor kommt man den Ursachen auf die Spur. Was genau spielt sich da ab? Ich quartiere mich im Schlaflabor des Florence-Nightingale-Krankenhauses in Kaiserswerth ein. Es unterhält acht stationäre Betten und fünf ambulante Plätze im benachbarten Hotel Mutterhaus. Dort beziehe ich am Abend ein Zimmer neben der "Kommandozentrale", wo das Nachtpersonal die Schläfer über Monitore im Blick hat. Im Vorgespräch mit der leitenden Oberärztin Martina Neddermann sage ich gleich, ich hätte keinerlei Probleme. Ich schlafe meist sofort ein und bis zum nächsten Morgen durch.

Gegen 23 Uhr werde ich im Bett verkabelt. Paarweise kleben Elektroden an mir. "Die beiden oberen am Kopf ermitteln die Schlafstadien", erklärt mir die Medizinerin. "Die an den Augen messen die Augenbewegungen, um zu sehen, wie es um den Tiefschlaf bestellt ist." Diese Phase ist lebenswichtig, ohne "REM" (rapid eye movement) würde der Mensch sterben. Elektroden am Kinn überwachen den Muskeltonus - knirscht man vielleicht mit den Zähnen? Zwei Gurte über Brust und Bauch zeichnen die Atmung auf, der Sensor am Finger die Sauerstoffwerte, ein Flow-Messer in der Nase die Atmung. Die Kabel an den Beinen erfassen "restless legs" - wenn die zu viel zappeln, wird man unbemerkt wach und wundert sich, dass man nicht ausgeschlafen ist.

Um Mitternacht lösche ich das Licht. Das Lämpchen der Kamera schräg über mir signalisiert permanente Beobachtung. Das seltsame Gefühl verfliegt schnell. Ungewohnter sind die Kabel am Körper. Lüfte ich die Decke, leuchtet es auf. Ich versuche, mich wenig zu bewegen, drehe mich vorsichtig auf die Seite. Doch es ist wie verhext. Ausgerechnet heute bleibe ich hellwach. Mühsam übe ich mich in Gelassenheit. Augen auf, Augen zu. Irgendwann höre ich Vögel zwitschern, der Morgen naht, ich muss doch eingedämmert sein. Um sechs Uhr überreicht Martina Neddermann mir den Ausdruck meiner Werte. "Alles im Normbereich", bilanziert sie. "Keine unruhigen Beine und eine prima Sauerstoffentsättigung." Die Tiefschlafphase zwischen 2 und 4 Uhr ist extrem kurz, aber kein Grund zur Sorge. Sicher sei sie der ungewohnten Umgebung und der Verkabelung geschuldet.

Auch wenn ich "schlaflos im Schlaflabor" lag: Die Diagnostik ebnet "echten Patienten" den Weg zu mehr Lebensqualität. Es ist eine Plage, stundenlang ums Einschlafen zu kämpfen. Oder nur kurz einzunicken, um sich für den Rest der Nacht frustriert im Bett zu wälzen. Wer sich durch Schlafmangel ständig erschöpft und übermüdet fühlt, ist den Strapazen des Alltags nicht gewachsen. Tabletten sind eine trügerische Lösung. "Weil man sich an die Dosis gewöhnt, droht der Teufelskreis der Abhängigkeit", beschreibt Martina Neddermann das Dilemma vieler Patienten, die sie im Florence-Nightingale-Krankenhaus betreut.

Im Schlaflabor, das der Klinik für Pneumologie, Kardiologie und internistische Intensiv-Medizin angegliedert ist, werden Störungen aufgespürt und dokumentiert. Auslöser können psychische wie Überbelastung und Stress oder körperliche sein: Atemaussetzer, unruhige Beine, starkes Schnarchen. "Wir arbeiten eng mit Kardiologen zusammen", sagt Martina Neddermann. "Wenn ältere Menschen Vorhofflimmern und unregelmäßigen Herzschlag haben, lohnt es sich, den Schlaf zu überprüfen. Meist stimmt die Sauerstoffentsättigung nicht. Das schädigt das Herz und erhöht die Quote, Vorhofflimmern zu bekommen." Auch Aussetzer (Schlafapnoe) müssen behandelt werden. Die "Gefahr in der Stille" wird im Gegensatz zum Schnarchen des Partners kaum bemerkt. Das Tragen einer Schlafmaske schafft Abhilfe, übergewichtigen Patienten wird zum Abnehmen geraten.

"Wir machen hier die komplette Vordiagnostik", sagt Martina Neddermann. "Oft reicht schon eine Nacht dafür aus. Verläuft auch die zweite trotz penibler Untersuchung ergebnislos, werden die Patienten an eine neurologische Spezialklinik der Universitätsklinik verwiesen."

Quelle: RP
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