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Serie Wagenbauen Für Den Rosenmontagszug
Senf statt Mörtel für OB Thomas Geisel

Düsseldorf. Die Karnevalsgesellschaft "Düsseldorfer Räbbelche" aus Holthausen thematisiert auf ihrem Wagen ein lokalpolitisches Thema und erinnert Oberbürgermeister Thomas Geisel an ein Versprechen: eine Mehrzweckhalle für den Stadtteil. Von Ina Armbruster

Holthausen Der Oberbürgermeister steht unter Verschluss. Im vorderen Teil der großen Wagenbauhalle in Bilk stehen die Karnevalswagen dicht an dicht, die Mitglieder vieler Gesellschaften legen letzte Hand an ihre Werke, es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Gleich nebenan, in der zweiten Halle, hingegen ist der Eintritt streng verboten. Nur Wagenbau-Meister Jacques Tilly und seine Mitarbeiter dürfen die heilige Halle betreten, in der die Mottowagen für den Rosenmontagszug entstehen. Doch nicht nur die großen Mottowagen werden dort gebaut, sondern auch Auftragsarbeiten für die Karnevalsvereine - wie für die "Düsseldorfer Räbbelche."

Oberbürgermeister Thomas Geisel wird in diesem Jahr den Wagen der Holthauser Narren zieren - doch der muss zum Fototermin erst einmal aus der strikt bewachten Halle befreit werden. "Im Gegensatz zu den Mottowagen ist unsere Frontfigur nicht geheim, deswegen dürfen wir sie herausbringen lassen", Räbbelche-Präsident Rainer Fuhrmann beim Ortstermin. Die Narren nehmen dieses Jahr ein sehr lokales Thema aufs Korn: den Bau einer Mehrzweckhalle in Holthausen. Bereits Oberbürgermeister Joachim Erwin habe den Bürgern eine solche Halle versprochen, ebenso wie sein Nachfolger Dirk Elbers. "Die finanziellen Mittel sind dann doch immer wieder an andere Stadtteile gegangen", erklärt Fuhrmann. "Dabei steht der Platz an der Itterstraße längst fest und die Vereine in Holthausen und Umgebung brauchen die Räumlichkeiten dringend."

Bereits vor seiner Wahl zum Oberbürgermeister sei Thomas Geisel in Holthausen zu Gast gewesen und habe die Problematik erkannt, sagt Fuhrmann. Er habe damals versprochen, sich darum zu kümmern. Passiert sei allerdings noch immer nichts. Ein Baubeginn ist nicht in Sicht.

Deswegen haben die Räbbelche den Oberbürgermeister Thomas Geisel nun als Frontfigur für ihren Karnevalswagen auserkoren. Im rot-weiß-karierten Jackett thront er auf der Mehrweckhalle. In der einen Hand eine Baukelle, in der anderen eine Tube Senf. "Schließlich wollten wir das Motto des Zuges 'Scharf wie Mostert' aufgreifen. Deswegen gibt es Senf statt Mörtel", sagt Fuhrmann. Der Entwurf kommt von Uli Kremer, gebaut hat den Wagen Doris Moisa. Die gelernte Theaterplastikerin ist seit Jahren in Tillys Team und eine routinierte Wagenbauerin. Gute Form-, aber auch Menschenkenntnis sei nötig, um ein realitätsnahes, ausdrucksstarkes Gesicht bauen zu können, sagt sie. "Ich habe Thomas Geisel zwar noch nie getroffen, mir aber im Vorfeld sehr viele Bilder von ihm angesehen. Er wirkt auf Fotos immer freundlich, das wollte ich auch in der Figur widerspiegeln", erklärt Moisa.

So wird er als Pappmaché-Figur die Zuschauer beim Rosenmontagszug vom Wagen der "Räbbelche" aus freundlich anlachen. Wer genau hinsieht, erkennt: Die Krawatte ist orange-grün gestreift - die Farben der Holthausener Karnevalsgesellschaft.

Auch wenn der Wagen für Außenstehende schon fertig aussieht, ein paar Details zur Perfektion fehlen noch. "Die Kelle sollte noch Silber gestrichen werden, und an der Tür der Mehrzweckhalle fehlt die Klinke", fällt es Rainer Fuhrmann auf. Für die letzten Pinselstiche geht der überdimensionale Geisel wieder unter Verschluss - in die Halle der Mottowagen.

Quelle: RP
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