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Hilfe für Kinder
Sicher im Dschungel

Hilfe für Kinder: Sicher im Dschungel
Saskia Ballon und Patenkind Salma haben sich durch das Projekt "Balu und Du" kennengelernt und verbringen jetzt Zeit miteinander. FOTO: HANS-JÜRGEN BAUER
Düsseldorf. Ehrenamtlich arbeiten junge Menschen im Caritas-Projekt "Balu und Du" mit Grundschulkindern. Sie helfen ihnen, ihr Leben besser zu meistern und selbstbewusster aufzuwachsen. Von Sven André-Dreyer

Es ist eine berührende Geschichte, die der britische Autor Rudyard Kipling in einer Sammlung von Erzählungen und Gedichten unter dem Originaltitel "The Jungle Book - Das Dschungelbuch" erstmals 1894 veröffentlicht. Die bekanntesten Erzählungen darin handeln von Mogli, einem Findelkind, das im indischen Dschungel bei wilden Tieren aufwächst. Befreundet mit dem Bären Balu und Bagheera, einem schwarzen Panther, muss der Junge lernen, dass die Gesetze des Dschungels hart sind und ein hohes Maß an Verantwortung fordern. Im Kampf mit den Kräften der Natur, mit den ihm nicht nur wohlgesonnenen Tieren und schließlich auch mit den Menschen reift das Kind zu einem selbstbewussten Jugendlichen heran. Und gerade die enge Freundschaft mit dem gutmütigen Bären Balu stärkt die Persönlichkeit des Jungen nachhaltig, macht ihn sicher auf seinem Weg in das Erwachsenwerden.

Folgerichtig daher, dass ein im Jahr 2002 durch Psychologin Hildegard Müller-Kohlenberg an der Universität Osnabrück entwickeltes Projekt den Titel "Balu und Du" trägt, denn das mittlerweile bundesweit agierende Mentorenprogramm fördert Grundschüler im außerschulischen Bereich und schenkt besonders sozial benachteiligten Kindern ein hohes Maß an individueller Beachtung. "Dabei übernehmen junge, engagierte Menschen ehrenamtlich und für mindestens ein Jahr eine individuelle Patenschaft für ein Kind", sagt Simone Anscheit (46), die das Programm für den Caritasverband Düsseldorf koordiniert. "Die Mentoren helfen ihrem ,Mogli' durch persönliche Zugewandtheit und eine aktive Freizeitgestaltung, sich in unserer Gesellschaft zu entwickeln und zu lernen, wie man die Herausforderungen des Alltags erfolgreich meistern kann."

Häufig sind es Schulsozialarbeiter, die Kinder für eine Teilnahme an dem Projekt vorschlagen. Sind die Eltern des Kindes einverstanden, so vermittelt Anscheit schließlich eine Patenschaft. Einmal wöchentlich treffen sich dann die Kinder für mehrere Stunden mit ihren Mentoren, und nicht selten entwickeln sich daraus schnell auch echte Freundschaften.

So wie bei Saskia Ballon (28) und Salma (7). Beide haben sich vor rund sechs Wochen kennengelernt und bilden bereits ein vertrautes Gespann: "Wir gehen gemeinsam zum Schwimmen, ins Theater und zum Bowling", erzählt Salma. Aber auch Sport, der Besuch des Wildparks oder gemeinsame Lesestunden sind Inhalt der gemeinsamen Nachmittage. Dinge, die Salmas Mutter nur bedingt leisten kann. Und weil der Altersunterschied zwischen Mentor und Patenkind gering ist - Balus sind häufig Studenten, aber auch Auszubildende oder Oberstufenschüler, die nicht älter als 30 Jahre alt sein sollten - ist die Verständigungsebene unmittelbar. "Es ist eine ganz andere Art mit Kindern zu arbeiten", erzählt Ballon. Da die Juristin derzeit promoviert, bleibt ihr nebenbei Zeit, die ehrenamtliche Aufgabe eines Balu zu übernehmen. "Ich weiß um die enorme Verantwortung", sagt Ballon, und dennoch: "Im Umgang mit Salma nehme auch ich das Leben häufig ein wenig leichter."

Die Mentoren werden nach einem Vorstellungsgespräch ausgewählt und auf die Aufgabe vorbereitet. Anscheit entscheidet dann, welcher Pate und welches Kind gut zusammen passen und ein sinnvolles Team ergeben. Dabei werden auch die Mentoren professionell und dicht betreut: Sie nehmen an wöchentlichen Begleitgruppen teil und schreiben regelmäßig Erlebnisberichte über die Treffen mit ihrem Patenkind. Und um alle Balus und Moglis einer Stadt miteinander zu vernetzen, finden drei bis viermal im Jahr gemeinsame Aktionen statt.

Quelle: RP
 
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