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Düsseldorf
Sie helfen, wenn ein Kind plötzlich stirbt

Düsseldorf: Sie helfen, wenn ein Kind plötzlich stirbt
Notfall-Seelsorger Olaf Schaper und Trauerbegleiterin Anke Kleinhanss helfen Menschen, die Kinder oder Geschwister verloren haben. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. "Echo" nennt sich eine neue, von der evangelischen Kirche koordinierte Akutbegleitung für Eltern und Geschwister. Von Jörg Janssen

Die Nacht, in der Ben starb, veränderte das Leben von Bernd und Petra L.* aus Gerresheim für immer. Ein Jahr ist das jetzt her. "Um vier Uhr nachts klingelte es an der Wohnungstür. Olaf Schaper, der sich als Notfall-Seelsorger vorstellte, stand da und überbrachte uns die Nachricht, dass Ben die Kontrolle über den von ihm gesteuerten Pkw verloren hat", erinnert sich seine Mutter. Ben, 19 Jahre jung, starb, zwei Freunde, die mit im Auto saßen, überlebten.

Für das Ehepaar, das vier weitere Kinder hat, brach eine Welt zusammen. "Schreien, Weinen, Lähmung", beschreibt die heute 42-Jährige ihre Reaktion. Richtig wahrgenommen hat sie all dies erst sehr viel später. "Wie unsere Tochter an diesem Morgen zur Kita gekommen ist, weiß ich nicht mehr. Alles war unwirklich. Der Schock war unbeschreiblich", sagt sie. Bis heute sind die beiden Eltern dankbar, dass Schaper sie zur Rechtsmedizin begleitet hat, ihnen beim Anblick des toten Sohnes die Hand gereicht hat.

Über Wochen und Monate blieben sie in Kontakt mit dem Theologen. Und der zog aus Erfahrungen wie dieser Konsequenzen, rief unter dem Dach der evangelischen Kirche ein Team ins Leben, das betroffene Eltern und Geschwister nicht nur im Moment des Schocks, sondern auch danach weiter begleitet. "Echo" ("Experience can help others", englisch für "Erfahrung kann anderen helfen") nennt sich das dreiköpfige Team. Vorbild ist das Münchner Modellprojekt "primi passi" (italienisch für "erste Schritte"), das von der Uni Bamberg wissenschaftlich begleitet wird.

"Wir kümmern uns um Eltern, die ihren Sohn oder ihre Tochter durch Suizid, Mord, Unfall oder den plötzlichen Kindstod überraschend verlieren", sagt Anke Kleinhanss. Vor zehn Jahren verlor die Echo-Trauerbegleiterin ihren Sohn Lauritz. Vor dem Goethe-Gymnasium war der Elfjährige beim Versuch, die Lindemannstraße zu überqueren, von einem Auto überfahren worden. 14 Tage später starb er. "Freunde und Verwandte sind oft selbst überfordert, nicht wenige ziehen sich ganz zurück, weil sie mit der Situation nicht umgehen können", sagt Kleinhanss.

Um so wichtiger sei es, dass jemand von außen helfe, der selbst die Erfahrung dieses unbeschreiblichen Verlusts gemacht habe. "Wenn ich den Schmerz nicht mehr aushalten konnte, war ich froh, dass man mit einem Notfall-Seelsorger zum Grab gehen und weinen konnte. Irgendwann hat man besser loslassen können", erinnert sich die für ihre neue Aufgabe speziell geschulte Ehrenamtlerin.

* Name auf Wunsch der Eltern geändert

Quelle: RP
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