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Düsseldorf
Sie stricken für Schwangere in Not

Düsseldorf: Sie stricken für Schwangere in Not
Elisabeth Schnepper trägt auch selbst gern ihre Strickwaren. FOTO: köhlen
Düsseldorf. Maria Kronenberg und Elisabeth Schnepper stricken für den Verein Hilfe im Schwangerschaftskonflikt Babysachen. Von Verena Patel

Maria Kronenberg ist 87 und lebt in einer WG. So nennt ihre Familie die Wohnung, die Kronenberg seit dem Tod ihres Mannes mit ihrem Sohn Friedhelm teilt. Maria Kronenberg kann kaum noch gehen und ist außerhalb des Hauses auf einen Rollstuhl angewiesen, doch vom Stricken hält sie das nicht ab.

Sie macht es zur Entspannung, vor allem aber zum Zeitvertreib. "Ich kann ja leider im Haushalt nicht mehr so viel machen. Wenn meine Haushaltshilfe geht, bin ich arbeitslos." Der jungen Frau aus Mazedonien zeigt sie ihre Kochkünste. Die lernt gern von ihr, wie Kronenberg erzählt: "Sie sagt mir immer mal, ,Frau Kronenberg, bei Ihnen werde ich noch die perfekte Hausfrau'." Die 87-Jährige lacht kurz auf. Eine perfekte Hausfrau ist eine, die alles kann, sagt sie. So hat auch Kronenberg ganz klassisch die Hauswirtschaftsschule in Ratingen besucht, in der Schule schon gelernt, wie man Socken strickt. "Allerdings ist da nie was draus geworden." Später lernte sie dann doch noch die Tricks, denn ihr Mann, der im familieneigenen Schlosserbetrieb arbeitete, brauchte grobe Socken für die Werkstatt. Für ihre drei Söhne nahm sie die Stricknadeln in die Hand, damit diese im Winter warme Pullover hatten.

"Ich bin in einer armen Zeit groß geworden", sagt sie und es klingt ganz nüchtern, als Feststellung ohne Pathos. Kronenberg hält nicht viel von Jammern, sie ist eine Frau des Anpackens. Die Eltern betrieben einen Gemüsebaubetrieb in Hamm, war in der Hauswirtschaftsschule Kochen dran, brachte sie das Gemüse mit. Später kochte sie täglich für die Belegschaft der Schlosserei, kümmerte sich um die Buchführung und zog vier Kinder groß. Seitdem sie sich nicht mehr so gut bewegen kann, fehlt ihr das.

Seit neun Jahren strickt sie für den guten Zweck Babydecken. Rund 50 davon gingen an die Franziskaner, seit dem vergangenen Jahr ist sie für den Verein Hilfe im Schwangerschaftskonflikt (Hisko) im Einsatz. Pro Monat schafft sie etwa eine Decke. Es geht ihr gut von der Hand, aber sie braucht auch ihre Pausen. "Ich mache das auch, weil man sonst ja oft nutzlos rumsitzt. Da komme ich mir überflüssig vor."

Anders war es bei Elisabeth Schnepper. Ihre Liebe fürs Stricken währt schon über 50 Jahre, sagt sie. "Ich bin eine leidenschaftliche Strickerin. Die ganze Familie habe ich bestrickt: drei Kinder und zwei Enkelkinder." Als Hisko Bedarf an Babysöckchen und -mützen hatte, inserierte sie kurzerhand in einer Handarbeitszeitschrift und bekam übriggebliebene Strumpfwolle zugeschickt. Rund drei Stunden braucht Schnepper für die Strümpfe in Größe 18, der kleinsten Größe überhaupt. "Eigentlich sind sie für Neugeborene noch etwas zu groß, aber man kann sie gut über dem Strampler anziehen", erklärt sie. Am Ende des ersten Lebensjahres passten die Söckchen dann genau.

Die ehemalige Ursulinenschülerin blieb ihrer Schule verbunden. Bis vor drei Jahren war sie Schatzmeisterin im Schulvorstand. Über ihre frühere Klassenkameradin Elisabeth Grün kam sie dazu, Hisko zu unterstützen. Seit etwa drei Jahren macht Schnepper das mit selbst gestrickten Sachen.

Dabei ist sie beruflich einen ganz anderen Weg gegangen. Nach dem Abitur studierte die 72-Jährige Instrumentalpädagogik in Düsseldorf und wurde Musiklehrerin. Später arbeitete sie als Organistin und Küsterin in Leverkusen. "Mir hat das einfach sehr viel Spaß gemacht." Bis heute übernimmt sie Vertretungen. Weil sie auch den Schwangeren Frauen und ihren Babys, die sie gar nicht kennenlernt, zu Weihnachten eine Freude machen will, widmet sie sich jetzt auch dem Nähen. Zehn Puppen und zehn Stoffbälle sind aus Stoffresten entstanden.

Quelle: RP
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