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Winkel verursacht 500 Millionen Euro Kosten
Siemens saniert Rheinbahnen

Winkel verursacht 500 Millionen Euro Kosten: Siemens saniert Rheinbahnen
Anwohner finden, dass die Silberpfeile der Rheinbahn zu laut sind. FOTO: RPO
Düsseldorf. In Krefeld repariert Siemens derzeit Düsseldorfer Straßenbahnen ("Silberpfeile"), an denen Materialprobleme aufgetreten waren. Ein Besuch im Werk zeigt, wie ein kleiner Winkel 500 Millionen Euro Kosten verursacht und warum ein Düsseldorfer Symbol die Lösung bietet. Von Christian Herrendorf

Ab sofort sehen Kunden der Rheinbahn, ob sie mit einem sanierten "Silberpfeil" fahren oder nicht. Wenn die Portale zwischen den einzelnen Teilen der Niederflurbahn oben schräg in die Mitte laufen, ist die Bahn bereits überholt. Geht das Portal gerade in die Decke, dann kommt die Bahn noch in die Werkstatt von Hersteller Siemens. Die neuen Schrägen ergeben sich aus der Lösung, die das Unternehmen für die Materialprobleme in den "Combino"-Modellen gefunden hat. Künftig stützen Metallplatten die Züge, deren Form an einen Radschläger erinnert. Ein "Arm" des Radschlägers entspricht der Schräge oberhalb der Fahrgäste.

Die Verkehrsbetriebe in Freiburg und Basel hatten 2004 die Materialprobleme in den Combinos entdeckt. Kleine Aluminiumwinkel, die Fenster, Türen und Decken halten, zeigten eine weitere höhere Materialermüdung als erwartet. Siemens begann daraufhin weltweit 475 Fahrzeuge zu sanieren, als letztes kommen nun die 51 Fahrzeuge aus Düsseldorf an die Reihe. "Die Fahrzeuge der Rheinbahn unterscheiden sich in ihrer Konstruktion vom Standard-Combino, wodurch die Schäden nicht so groß sind oder erst bei höheren Laufleistungen auftreten", erklärt Rheinbahn-Sprecher Georg Schumacher. Folglich freue sich das Unternehmen, von den bisherigen Sanierungs-Erfahrungen zu profitieren.

Für die Arbeiten an den 475 Zügen habe Siemens 500 Millionen Euro Rücklagen gebildet, sagte Hans-Joachim Fischer, der die Sanierung leitet. "Es sieht so aus, als reiche dieses Budget." Ein Rückgriff auf den Zulieferer der Winkel gilt als schwierig, weil Siemens die Teile in ein System einbaut, in dem die Probleme auftreten.

In Krefeld rollt jeder "Silberpfeil" von einem gut 50 Meter langen Tieflader in die Werkshalle, in der er in seine Einzelteile zerlegt wird. Die Siemensmitarbeiter bauen das Fahrwerk und das komplette Innenleben aus und trennen die einzelnen Module (die Düsseldorfer Züge bestehen aus fünf oder sieben Modulen). Aus jedem Modul verschwinden anschließend die Verkleidungen und dann die schwächlichen Aluminium-Winkel. An ihre Stelle tritt eine Kombination aus klassischer und moderner Ingenieurskunst. Eck-Elemente werden künftig klassisch verschweißt, das aber mit Metallplatten, deren Form ein Computer berechnet hat. Die Kurven und Löcher in den Platten, die die Radschläger-Form ergeben, leiten die Kräfte, die an diesen Stellen wirken, optimal ab.

Dadurch sollen die Züge künftig angenehmer über die Düsseldorfer Schienen rollen. "Weil die Module künftig beweglichere Gelenke haben, ruckeln die Züge nicht mehr so", sagt Chefsanierer Fischer. Für weiteren Laufkomfort sollen Dämpfer an den Fahrwerken sorgen. "Die Bahnen verlassen Krefeld wie neu."

Rund 300 Siemens-Mitarbeiter sind in Krefeld derzeit damit beschäftigt, die Züge in ihren Roh- und wieder in den straßentauglichen Zustand zurückzuversetzen. Nach knapp drei Monaten haben die Züge alle Stationen durchlaufen und kommen dann zur Abschlussprüfung ins Siemens-Testzentrum nach Wegberg-Wildenrath, um anschließend die vorgesehene Laufzeit von 30 Jahren zu erfüllen. Die Fahrgäste in der Landeshauptstadt werden in den kommenden Monaten demnach noch häufiger in beige oder rote Straßenbahnen steigen, bis alle 51 Züge wieder in Düsseldorf sind.

Die Alu-Winkel, die die Probleme verursacht haben, leisten zumindest noch einen kleinen Beitrag zur Sanierung. Sie landen am Ende der Krefelder Werkshalle in einem Sammelcontainer und werden verkauft. "Leider sind die Preise für Aluschrott gerade stark gesunken", sagt Hans-Joachim Fischer.

Quelle: RP
 
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