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Hoppeditzerwachen
So erlebt ein Westfale den 11.11.

Hoppeditzerwachen: So erlebt ein Westfale den 11.11.
Da lacht der Düsseldorfer, und der Westfale wundert sich: da Hoppeditzerwachen, ein ganz spezieller Brauch. FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Klar, Karneval wird auch in Westfalen gefeiert. Aber die rheinischen Bräuche sind schon eine Nummer spezieller. Austausch-Reporter Jens von der Westfalenpost war in Düsseldorfer dabei. Die (nicht ganz ernst gemeinten) Eindrücke eines Westfalen. Von Jens Stubbe

Fangen wir mal mit dem Ende an. Der, der nix tut, kriegt den ersten Orden der Session: der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD). Ein Politiker, der sich einst für den sozialen Wohnungsbau einsetzen wollte und jetzt zuguckt, wie in einem Turm am Rhein 60 Luxuswohnungen entstehen.

Das OB Geisel nix tut, behauptet zumindest der Hoppeditz, der zur magischen Uhrzeit am "Nationalfeiertag"  - wie der Westfale vom Moderator erfährt - erwacht. Der Hoppeditz, ein geschminktes Kerlchen in rot-weißem Wams und mit lustiger Mütze, der aus einem Fass Löwensenf steigt und dem OB, der in dunklem Mantel, mit Narrenkappe und die Hände beinahe in Kanzlerinnenstellung vor dem Körper, die Leviten liest. Der Hoppeditz nimmt kein Blatt vor den Mund. Und der, den das Wort-Feuerwerk trifft, applaudiert artig.

Das sagen Düsseldorfer Jecken zur Hoppeditz-Rede 2016 FOTO: Anne Orthen

Ach ja: Löwensenf. Sauscharf und lecker. Aber jedes mal, wenn ich meine Bratwurst reintunke, ist der Fleck auf der Jacke garantiert. Wie schaffte es das Hoppeditz-Kerlchen nur, den Deckel zur Seite zu schieben und völlig unbefleckt aus diesem  Topf zu steigen?

Wie er reingekommen ist, durchschaut selbst ein Westfale schnell. Über einen Hintereingang mit kleiner Treppe. Von wegen einst verbrannt, dann irgendwie wieder auferstanden und im Fass gelandet... Mir können sie das nicht erzählen.

Was den Hoppeditz beliebt macht, ist sein loses Mundwerk. Er erzählt vom Schauspielhaus, dass der OB abreißen lassen wollte und das nun zu einem Puff-Theater werden könnte. Von einem gewissen Lumpi, der gegen irgend so eine glücklose Fußballmannschaft gewonnen hat. Und noch von allerlei anderen Dingen, die den Düsseldorfer lachen lassen - und die der Westfale stumm registriert.

Die Düsseldorfer lauschen und frieren. In bunten Kostümen - als Piraten, Super-Männer oder als Frösche mit Brunnen um en Hüften. Mit einer Dose Sekt oder einem Glas Altbier in der Hand und einem Lächeln auf den Lippen. Es wird gesungen, es wird geschunkelt, und es wird gebützt. Das versteht selbst Westfale schnell - so ganz normal ist an diesem Tag nichts. Nur die kleine Touristengruppe aus Asien wirkt ratlos. Fotografieren tut sie trotzdem alles.

Und dann sind da noch die Bierstände. Und an einem entdeckt der Westfale ein Stück Heimat. Beige ist der Wagen. Und ein großer Aufkleber verspricht, dass es hier Pils aus Warstein gibt. Dahinter bedient ein blaues Häschen mit langen Ohren. Hat aber wenig zu tun, das Häschen. Der Düsseldorfer kauft nicht beim Häschen, sondern am Altbierstand nebenan.

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