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Düsseldorfer Geschichte
So kamen die Einkaufszentren an die Kö

Düsseldorfer Geschichte: So kamen die Einkaufszentren an die Kö
Die Kö-Galerie (hier 1995) bestach mit einer edlen Ausstattung und geschickter Beleuchtung. FOTO: Stadtarchiv Düsseldorf
Düsseldorf. Vor 50 Jahren begann es mit dem Kö-Center: Heute prägen viele Shopping-Center die Straße - vom Sevens bis zu den Schadow Arkaden. Von Hans Onkelbach

Seit die Kö nach dem Krieg das wurde, was sie heute ist - weltberühmte Einkaufs- und Flaniermeile -, war der Wandel das einzig Dauerhafte. Aber nie prägten neue Ideen das Gesicht dieser Allee so sehr wie der Bau der Einkaufspassagen. Dass es gut war, sie zu bauen, zeigt ihr Erfolg - heute ist Düsseldorfs Shopping-Haupstraße ohne Kö-Center, WZ-Center, Kö-Galerie, Sevens, Stilwerk, Schadow Arkaden und Kö-Bogen nicht mehr vorstellbar.

Ihre Architekten haben die Entwicklung der Innenstadt stärker beeinflusst als andere Planer vor ihnen. Es gibt Fachleute, die überzeugt sind, dass diese Einkaufs-Tempel die Kö als Luxus-Meile retteten. Peter Wienen, Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Kö-Anlieger, ist jedenfalls sicher, dass die Einkaufs-Schwerpunkte der Straße gut getan haben.

50 Jahre ist es nun her, dass das erste dieser damals neuartigen Geschäftszentren 1967 eröffnet wurde - das Kö-Center. Seit den Anfängen gehört es einer Gruppe von Eigentümern - wie ein Haus mit mehreren Eigentumswohnungen. Die Architekten vom Büro "Jung Stadler" und ihre Auftraggeber wählten dieses Investorenmodell aus steuerlichen Gründen. Den Düsseldorfern war das egal - sie mochten das Center. Das lag nicht nur an den neuen Geschäften, sondern auch an einem Restaurant, das lange Kultstatus hatte: die "Dänische Käsekiste". Heute sitzt dort das La Terrazza.

Dieses Bild zeigt die Bauarbeiten für das Stilwerk an der Grünstraße im Jahre 1997. FOTO: Stadtarchiv Düsseldorf

Nicht immer waren die Center und Passagen von Anfang an eine Erfolgsstory. Auf der West-Seite der Kö (die so genannte Bankenseite) gab es eine bis in die 2000er Jahre dauernde Durststrecke für dort sitzende Händler. Die Trinkauspassage, ein Durchgang von der Kö zur Breite Straße (eröffnet 1974), ist inzwischen Geschichte. Mehrere Gastronomen versuchten sich dort, ein paar Läden hielten sich mehr oder weniger lange. Schließlich wurde umgebaut: Heute sind die inneren Räume wieder in den Bürokomplex integriert, außen liegende Läden blieben und neue kamen hinzu, weil sich diese Seite der Allee zur Einkaufs-Adresse wandelte.

Direkt daneben liegt das WZ-Center - es wird nun dafür belohnt, über die vielen Jahre seit der Eröffnung 1980 durchgehalten zu haben. In den Anfängen litt das WZ-Center unter der Lage. Zwar hatte man die Adresse Kö, aber auf der falschen Seite. Erst seit wenigen Jahren profitiert das Objekt von einer Ausweitung des Handels Richtung Kö-Nord und -West. Nachbarn wie Nespresso, Versace, Bose, Abercrombie & Fitch locken die Menschen an. Da auch an der Breite Straße attraktive Läden auftauchten (Baby Koch's), stieg die Zahl der Passanten, die von der Kö durchs oder am WZ-Center vorbei Richtung Altstadt flanierten.

Ein Meilenstein war in den 1980er Jahren die Eröffnung der Kö-Galerie. Dieses Bauwerk des Architekten Walter Brune prägte die Königsallee nachhaltig, bis heute. Alles begann mit einem Gespräch zwischen Makler Lutz Aengevelt und Walter Brune, in dem Brune ein Grundstück zur Bebauung mitten auf der Kö angeboten wurde. Für den Stadtentwicklungs-Experten ein unverhofftes Geschenk, sagt er. Er hatte mit dem von ihm gebauten Rhein-Ruhr-Zentrum in Mülheim gesehen, welche Verheerungen solche Konsum-Burgen auf der grünen Wiese anrichten: Das Rhein-Ruhr-Centrum ruinierte den Mülheimer Innenstadt-Handel, der sich davon nie erholte.

Das WZ-Center wurde 1980 eröffnet. Seit einigen Jahren profitiert das Objekt von einer Ausweitung des Handels Richtung Kö-Nord und -West. FOTO: Stadtarchiv

Brune hatte diese Entwicklung nicht erwartet, sich aber angesichts dieses Debakels geschworen, nie wieder solche Zentren am Rand der Stadt zu bauen. Er war zu der Überzeugung gekommen, nur im Herzen der Stadt könnten sie segensreich wirken. Nun fiel ihm also diese Chance in den Schoß - und er nutzte sie. 1986 wurde die Kö-Galerie eröffnet, und das Echo war gewaltig. Passend zur Adresse hatte man feinen Marmor, glänzendes Kupfer, Kunstwerke, geschickte Beleuchtung und andere Gimmicks verbaut, um nicht nur eine Einkaufsmall zu schaffen, sondern eine Art Konsum-Tempel der elegantesten Art - passend zur Kö halt.

Die Menschen liefen in Scharen staunend durch die Gänge. Die umliegenden Geschäfte profitierten. Denn Brune (der die Galerie viele Jahre selbst managte) hatte darauf geachtet, Marken anzusiedeln, die andernfalls wegen der hohen Mieten an der Kö keine Chance gehabt hätten. Das Sortiment ergänzte und vergrößerte also vorhandene Angebote. Außerdem bot die Kö-Galerie etwas, was seit Jahren fast verschwunden war: Gastronomie. Cafés, Restaurants, Bars - nichts mehr davon gab es an der Kö, denn die Wirte konnten die ständig steigenden Mieten nicht verdienen. Zudem gab es reichlich Stellplätze, und das auf der schon damals parkplatzarmen Kö: 1000 Fahrzeuge fasst allein die Tiefgarage der Galerie - auch das unabdingbar für das Gelingen eines solchen Projektes, sagt Brune. Peter Wienen (Kö-Anlieger) sieht das genau so: Die Centren haben der Kö viele hundert neue Parkplätze beschert und damit ihre Attraktivität erhalten.

Blick vom Martin-Luther-Platz auf das Gebäude der früheren Simonbank am Kö-Center FOTO: Stadtarchiv Düsseldorf

In den 1990er Jahren erhielt Brune den Auftrag, die Schadow Arkaden zu bauen. Die Arkaden, im Dreieck Schadowstraße, Blumenstraße und Berliner Allee liegend, bildeten nach ihrer Eröffnung 1994 bald gemeinsam mit der nur wenige hundert Meter entfernt liegenden Kö-Galerie eine Art pulsierendes Herz der Einkaufsmetropole Düsseldorf. Geschickt achtete man bei den Schadow Arkaden darauf, eine andere Klientel anzusprechen als in der Kö-Galerie. Das Haus war im Stil - einem neuem Zeitgeist gestundet - kühler in seinem Design, die Marken im Preisniveau etwas tiefer als in der Galerie. In der Kombination aber schufen die beiden Bauten eine neue Achse für die Käuferströme. Von der Schadowstraße kommend, gehen die Menschen seitdem Richtung Kö oder Altstadt, sie durchqueren häufig das Kö-Center und bringen dort Umsätze, oder sie flanieren über die Königstraße, wovon die dortigen Händler profitierten.

Ohne diese beiden Einkaufs-Giganten würde es weder Stilwerk noch Sevens (beide 2000 eröffnet) geben - beide konnten nur entstehen, weil man den Erfolg sah und sicher sein konnte, bereits wirkmächtige Nachbarn zu haben. Das heißt, die Kundenfrequenz war nahezu garantiert: Das Stilwerk als Kaufhaus für Möbel und andere Inneneinrichtungen wird als logische Fortsetzung der Kö-Galerie gesehen. Und das Sevens direkt nebenan wirkt wie der Zwilling der Galerie - seit einigen Jahren sind die beiden sogar miteinander verbunden.

Und obwohl die Vielfalt in diesem Quartier schon gewaltig ist, wagten die Städteplaner ein zusätzliches Angebot - den Kö-Bogen. Hauptmieter Breuninger ließ sich dort mit einem riesigen Kaufhaus nieder, Apple eröffnete einen spektakulären Flagship-Store, Tesla präsentiert seine E-Autos. Allerdings verschob sich durch diese weiteren Angebote das Einkaufsverhalten auf der Kö, der Schwerpunkt rutschte weiter Richtung Süden, hin zum Kö-Bogen. Kenner der Szene sehen die Grenze an der Grünstraße - an der das Stilwerk liegt und an die die Kö-Galerie angrenzt. Südlich davon das höhere Preisniveau, nördlich - also Richtung Graf-Adolf-Straße - das etwas niedrigere.

Aber das ist nur der derzeitige Zustand. Wie lange er Bestand haben wird - keiner weiß es. Denn auf der Kö ist nur der Wandel von Dauer.

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Quelle: RP
 
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