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Serie So Wohnt Düsseldorf
So planen Experten Innenräume

Düsseldorf. Innenarchitekten gestalten Häuser, Wohnungen und Lofts. Dabei geht es nicht um die neuesten Trends, sondern um die gekonnte Kombination unterschiedlicher Stile, Farben und Formen, sagen drei Experten. Von Dagmar Haas-Pilwat

Meist steht sie mit den zukünftigen Bewohnern auf einer Baustelle, mitten in Dreck und Staub. "Da fällt es vielen schwer, sich ihr neues Zuhause auch nur annähernd vorstellen zu können", sagt Uta Zanetti. Seit sieben Jahren ist sie verantwortlich für das Interior Design bei Interboden, ein Unternehmen, das Häuser, und ganze Stadtteile errichtet wie beispielsweise das Quartier Le Flair in Pempelfort. Zanetti hat sich darauf spezialisiert, Musterwohnungen einzurichten. "Denn so öffnen wir unseren Kunden die Türe in eine Lebenswelt, die fix und fertig ist, wir vermitteln ein Gefühl für die eigenen vier Wände", erklärt sie. Unzählige Projekte hat sie eingerichtet und das für jeden Geldbeutel und unterschiedliche Altersgruppen.

Und was sind ihrer Meinung nach die wichtigsten Zutaten für gutes Wohnen? "Behaglichkeit wird am meisten geschätzt. Schließlich ist das Zuhause der Ort, an den wir uns zurückziehen und der Ort, der Persönlichkeit zeigt." Unabhängig vom Wohnstil - ob romantisch oder natürlich, klassisch oder modern, eines verbinde alle Stile: Man wohnt wieder und zwar mit allem, was dazugehört, also Sofa, Couchtisch, Stehleuchte, Teppichen, Tapeten, Stoffe, Bilder - und Farben, die für ein wohnliches Flair unverzichtbar sind. "Weiße Wände sind passé, erst ein harmonierendes Farbkonzept schafft den Rahmen, um einzelne Möbelstücke miteinander zu verbinden", sagt Zanetti.

Immer öfter lösen Raumzonen starre Raumstrukturen ab. Größere Räume gewinnen an Bedeutung, die Wände zwischen Küche, Ess- und Wohnbereich fallen weg, verschmelzen zu einem großzügigen All-in-one-Raum. Denken in einzelne Räume ist passé. Genauso wie der offene Wohn-Küchenbereich inzwischen bei Jung und Alt Standard ist, dient das Wohnzimmer auch als Home Office. "Einbauten und Schiebe- oder Drehtüren werden als Gestaltungselemente immer beliebter", betont die seit 1992 selbstständige Düsseldorfer Innenarchitektin Silvia Pappa.

Man nutzt Nischen als Stauräume, damit wenig rumsteht. Schiebetüren oft im gleichen Ton wie die Wände gestrichen - haben den Vorteil: Man kann mich zurückziehen und am Laptop arbeiten oder sich öffnen für ein Miteinander. "Stauraum ist nicht nur notwendig, um Ordnung zu halten, sondern er sorgt für Großzügigkeit und lässt die Möbel viel besser wirken", so Pappa.

Wenn es um die Materialien geht, sind sich die Experten einig: Was zählt ist das Echte - selbst wenn das Imitat noch so gut gemacht ist. "Holz das nur danach aussieht, ist eben keins", sagt Professor und Innenarchitekt Jens Wendland, der mit Andrea Weitz die Firma "Raumkontor" führt. Material und Wohlfühlcharakter sind für ihn untrennbar miteinander verbunden.

"Früher hat man gern mit der Einrichtung demonstriert, was man hat", sagt Wendland, "heute zeigt man, was man ist." Das steht im Mittelpunkt. Dazu werden Räume vom Innenarchitekten verändert, Wände versetzt und Platz geschaffen, nicht nur Raum für Möbel, sondern auch für Erinnerungen. Da geht dann ein Lieblingsstück eine neue Beziehung mit einer funktionalen Couch ein. Wichtig sei es, den richtigen Mix zu schaffen. Häufig wird das gute alte Stück auch lieber neu bezogen, als es auf dem Sperrmüll zu geben. "Upcycling ist nicht preiswerter als ein Neukauf, doch das Möbel mit Geschichte ist voller Emotionen", sagt Pappa. "Das Wohnen wird lebendiger, freier, beweglicher", sagt Wendland. Und so zieht sich ein Trend durch das Möbeldesign bis ins Badezimmer: Alles wird leichter, spielerischer. Sofas, Leuchten oder Badewanne stehen auf Beinen, scheinen zu schweben und machen den Raum größer.

Sowohl Frauen als Männern - so die Innenarchitekten - schätzen Gemütlichkeit. Doch anders als bei den weiblichen Kunden, die sich in erster Linie für Farben, Dekor und Haptik begeistern, werde von Männern mehr Funktionalität und High-Tech nachgefragt, so Uta Zanetti. Dazu zählen smarte Bedienungen wie die Heizung und das Licht per App regulieren oder berührungslose Armaturen.

Quelle: RP
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