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Düsseldorf
So stirbt man heute

Düsseldorf: So stirbt man heute
Raphael Bürschgens (v.l.), Franziska Düvel, Christian Düvel, Cornelia und Andreas Düvel stehen vor dem Geschäft in Oberkassel. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Bestattungsinstitut Düvel in Oberkassel besteht seit 100 Jahren. In der Branche verändert sich mehr, als mancher glauben würde. Von Beate Werthschulte

Andreas Düvel, der das im Jahr 1916 gegründete Bestattungsinstitut 1992 von seinem Vater Alfred übernahm, hat gerade die Internetseite seines Unternehmens rundum erneuern lassen. Denn es hat sich in den vergangenen 100 Jahren zwar nicht alles verändert, aber so manches eben doch. So finden Kunden das für sie passende Bestattungsinstitut zwar auch heute noch meistens über persönliche Empfehlungen, aber bevor sie sich entscheiden, werfen viele zunächst einmal einen Blick auf die Internetseite des Unternehmens.

Auf der Seite von Düvel Bestattungen können Kunden sich ein Unternehmens-Video anschauen und schnell einen ersten Eindruck von dem Familienbetrieb gewinnen. Neben Andreas Düvel stehen seine Frau Cornelia und inzwischen auch die beiden Kinder Christian und Franziska Hinterbliebenen im Trauerfall zur Seite.

1959 wurde das Bestattungsunternehmen von Schreinermeister Alfred Düvel übernommen. FOTO: Düvel

Vor 100 Jahren, erzählt Düvel, seien 90 Prozent der Menschen zu Hause gestorben und von dort aus zum Friedhof gebracht worden. "Es war üblich, dass die Verstorbenen zu Hause aufgebahrt wurden und die Familie sich dort von ihnen verabschiedete." Heute, so Düvel, würden 90 Prozent der Menschen in Krankenhäusern, Hospizen oder Altenheimen sterben. Würdevolle Verabschiedungen seien dort nicht unbedingt möglich. Deshalb gibt es in seinem Bestattungsinstitut einen Verabschiedungsraum, in dem Angehörige zu jeder Zeit die Möglichkeit haben, sich in aller Ruhe und auf persönliche Weise von ihrem Verstorbenen zu verabschieden.

"Es ist eine alte Tradition, dass man im Sterbefall durch die Verabschiedung am offenen Sarg die Möglichkeit hat, den Verlust zu realisieren. In den letzten Jahren erlebt die offene Aufbahrung eine Renaissance", erklärt Düvel. Zudem verfügt sein Institut über eine eigene Hauskapelle für individuelle Trauerfeiern mit Platz für bis zu 25 Personen.

Auch die Bestattungsarten haben sich in den letzten 100 Jahren verändert. Zwar ist auch heute noch die Erdbestattung, neben der seit den 1920er Jahren möglichen Feuerbestattung - übrigens die Grundlage für alle modernen Beisetzungsarten - eine klassische Bestattungsart. Aber es gibt inzwischen weitere Möglichkeiten.

An der Oberkasseler Straße 94 wurde das Bestattungsunternehmen vor 100 Jahren gegründet. FOTO: düvel

"Manche Menschen wünschen sich See- oder Flussbestattungen oder die noch relativ neue Baumbestattung, bei der die Asche Verstorbener an den Wurzeln eines Baums beigesetzt wird", erzählt Düvel. Wichtig sei heutzutage für viele ihrer Kunden eine möglichst pflegefreie Grabstätte, ergänzt seine Frau. Dies könne beispielsweise ein Rasengrab sein, bei dem der Friedhof die Grabpflege übernehme, aber auch ein Urnengrab lasse sich durchaus pflegefrei gestalten. Den Wünschen der Menschen nach einer Grabstätte, die von den Hinterbliebenen nicht gepflegt werden muss, kommt auch der seit rund einem Jahr bestehende Memoriam-Garten auf dem Südfriedhof entgegen. "Wir gehören zu den Initiatoren und Förderern des Memoriam-Gartens", sagt Düvel. "Die Grabstätten liegen sozusagen in einem Garten auf dem Friedhof und werden dauerhaft von den Friedhofsgärtnereien gepflegt."

Darüber hinaus liegt dem Bestatter das Thema Vorsorge am Herzen, denn immer mehr Menschen werden heutzutage "von Amts wegen" bestattet, weil sie allein sind und keine Hinterbliebenen haben. Mit einer Bestattungsvorsorge lässt sich bereits zu Lebzeiten bestimmen, wie die eigene Beisetzung eines Tages erfolgen soll. Die Finanzierung, so Düvel, lasse sich entweder über eine Sterbegeldversicherung oder durch die Einzahlung des Betrags auf ein Treuhandkonto problemlos sichern.

Quelle: RP
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