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Düsseldorf
Sozialwerk der "Armen Brüder" feuert Geschäftsführer

Düsseldorf. Er soll den Verlust von 7,2 Millionen Euro durch dubiose Geldanlagen mit verschuldet haben. Verein behält sich Regressanspruch vor.

Vor anderthalb Jahren, in seiner wohl größten Krise, hatte der Verein Sozialwerke seinem Geschäftsführer noch das Vertrauen ausgesprochen. Doch jetzt hat sich der Verein, der für die Ordensgemeinschaft der Armen Brüder des heiligen Franziskus Altenheime und Obdachlosenunterkünfte unterhält, von seinem früheren Chef getrennt.

Im Februar vergangenen Jahres hatte der Verein einräumen müssen, dass er sich verspekuliert hatte. 7,2 Millionen Euro, zum großen Teil Spenden, waren beim Dresdner Finanzdienstleiter Infinus dem Vernehmen nach in Sportwagen, Motorboote und Luxusuhren geflossen. Die Infinus-Manager stehen derzeit wegen Betrugs vor Gericht.

Bei der Aufarbeitung der desaströsen Geldanlage sei der "dringende Verdacht" entstanden, der einstige Geschäftsführer habe das Risiko gekannt, sei sich eines möglichen Verlusts der Anlage bewusst gewesen. Deshalb, so der Anwalt des Sozialwerks, Olaf Methner, habe man ihm fristlos gekündigt. "Eine Zusammenarbeit war nicht mehr zumutbar." Der Orden behalte sich zudem Regressansprüche gegen seinen Ex-Geschäftsführer vor, sollte sich herausstellen, dass dieser seine Pflichten verletzt hat. Der Entlassene hat Kündigungsschutzklage eingereicht, über die nach Auffassung Methners aber nicht das angerufene Arbeits-, sondern aufgrund der Vereinsstruktur das Landgericht entscheiden müsse. Darüber wird derzeit noch juristisch gestritten, inhaltlich liefen zudem weitere Ermittlungen hinsichtlich der Vereinsfinanzen.

Das verlorene Vermögen hatte nicht nur die Existenz der Einrichtungen bedroht, sondern im vergangenen Jahr auch die Ordensgemeinschaft ins Gerede gebracht, "Mönche verzocken Millionen" waren nicht eben schmeichelhafte Schlagzeilen ausgerechnet für die Armen Brüder. Der Skandal wirkte sich auch auf die Obdachlosenarbeit in Düsseldorf aus: Die Hilfsorganisation Fiftyfifty war vom Orden mitbegründet worden, der Partner und in Person von Bruder Matthäus ihr Schirmherr war. Nach Bekanntwerden der Risikogeldanlage hatte Fiftyfifty schwere Vorwürfe gegen den Orden erhoben. Die einst untrennbare Verbindung endete mit einem tiefen Zerwürfnis.

Bruder Matthäus, der als Vorsitzender des Sozialwerks dem nun entlassenen Geschäftsführer in der Krise beigestanden hatte, hat seinen Posten ebenfalls geräumt. Für ihn übernahm der Hertener Finanzrechtler Dirk Buttler den Vorsitz.

(sg)
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