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Kolumne rund ums Rathaus
Spagat zwischen Außenpolitik und Innenpolitik

Düsseldorf. Pflege der Regional-Kontakte in lockerer Laune oder Pflichttermin bei den Schützen daheim? Das erfordert Diplomatie. Von Denisa Richters

Da standen sie beide gemeinsam auf der kleinen Bühne und übten demonstrativ lächelnd den öffentlichen Schulterschluss: Oberbürgermeister Thomas Geisel in der Uniform der Gesellschaft Reserve und Lothar Inden, Chef des St. Sebastianus Schützenvereins 1316, der aktuell sein Jubiläum feiert. Inden dankte ausdrücklich dem lieben Thomas und Reserve-Kameraden für dessen Schirmherrschaft und wies ebenso ausdrücklich von sich, dass Geisels Engagement fürs Schützenwesen auch nur ansatzweise in Frage zu stellen sei. Wer anderes behaupte, befinde sich ganz tief drin im Sommerloch.

Die Erfahrung lehrt: Wo besonders vehement dementiert wird, da ist meist doch ein Stück Wahrheit dran. Konkret ging es diesmal um einem Termin, der den Schützen immer, aber besonders im Jubiläumsjahr, am Herzen liegt: die Investitur des Schützenkönigs im Rathaus. Ein Pflichttermin für jeden Oberbürgermeister. Doch Geisel blieb fern - entschuldigte sich mit Regio-Diplomatie, konkret Kontaktpflege in lockerem Kontext mit seinen Amtskollegen in Aachen (Pferdesportevent CHIO) und Köln (Feuerwerk Kölner Lichter). Nun ja, beim Brauchtum und Teilen der Bürgerschaft in Düsseldorf kam das gar nicht gut an. Dabei hatte Geisel am Vorabend noch so fleißig im Schützenzelt die Ehrenorden verteilt.

Auch ihm stellt sich wie seinen Amtsvorgängern die Frage: Wie viel Außenpolitik jenseits der Stadtgrenzen braucht und verträgt das Amt? Und muss die Innenpolitik dafür zurückstecken? Joachim Erwin wurde als Oberbürgermeister vorgeworfen, zu viele Flugmeilen ins Ausland zu machen. Ihm war das wichtig als Wirtschafts- und Standortförderung. Er schonte sich dabei nicht, selbst kurz vor seinem Tod war er - längst schwer krank - auf Dienstreise in China. Sein Nachfolger Dirk Elbers hat das Reiseprogramm reduziert, auch regionale Kooperation stand - trotz zweier Regio-Gipfel - nicht im Zentrum. Das Düsseldorfer Brauchtum umso mehr. Und Geisel? Ist irgendwo dazwischen. Initiiert aus der Hüfte neue Städtepartnerschaften (Palermo), reist rasch mal ins Ausland, feiert gerne mit Karnevalisten, auch mit Schützen, besucht immer wieder Amtskollegen in anderen NRW-Städten. Ist mal hier, mal dort. Vermutlich sind ihm da ein paar Prioritäten aus dem Blickfeld geraten. Deshalb in aller Kürze: Schützentermine im Jubiläumsjahr: Pflicht! Feiertermine in Köln und Aachen: Nice to have! Regionale Kontaktpflege: besser in dienstlichem Rahmen, ansonsten verschiebbar.

Quelle: RP
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