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Düsseldorf
Spannende Blicke in die Zentralapotheke

Düsseldorf. Die Zentralapotheke des Düsseldorfer Uniklinikums ist für Besucher normalerweise nicht zugänglich, morgen aber wird die Arbeit der Pharmazeuten vorgestellt – bei der "Langen Nacht der Industrie". Von Ute Rasch

Sie sind vermummt von Kopf bis Fuß, tragen weiße Schutzanzüge, Handschuhe, Mundschutz – und eine große Verantwortung. Die Mitarbeiter der Zentralapotheke des Uniklinikums produzieren Arzneimittel unter sterilen Bedingungen. Das sind häufig Infusionen für Krebspatienten, und es hätte katastrophale Folgen, wenn die mit Keimen belastet wären. Deshalb sind Besucher in der Apotheke auch nicht unbedingt gern gesehen. Normalerweise. Aber morgen gewährt dieser diskrete Ort einen Einblick in seine tägliche Arbeit – in der "Nacht der Industrie."

Hier laufen die Fäden zusammen: Sämtliche Kliniken der Uniklinik bestellen in der Zentralapotheke alle benötigten Arzneimittel. Sie ist ein Umschlagplatz mit enormer Kapazität: An den Laderampen zur Himmelgeister Straße halten jeden Tag unzählige Lastwagen, sie transportieren entweder fertige Medikamente, die bei der Pharmaindustrie bestellt wurden, oder Rohstoffe für die hauseigene Produktion.

Das können kleine Fläschchen oder große Bottiche sein, in denen zum Beispiel Vaseline, die Basis für viele Cremes, geliefert wird. "All diese Grundsubstanzen werden auf der Basis des Deutschen Arzneimittelbuches von uns geprüft, ob sie hinsichtlich Qualität und Quantität stimmen und ob sie absolut rein sind", erläutert die Pharmazeutin Christina Westhoff, seit Februar Leiterin der Zentralapotheke. Im Zentrum des 2500 Quadratmeter großen Gebäudes liegt das Warenlager: Tabletten, Kapseln, Zäpfchen, Infusionen, Salben und Pflaster im Gesamtwert von 1,6 Millionen Euro stapeln sich auf Paletten bis zur Decke.

Direkt angeschlossen an diesen Raum ist die Warentransportanlage, die durch unterirdische Gänge die bestellten Medikamente schnell und trocken direkt zu den einzelnen Kliniken bringt. Jeden Tag verlassen auf diese Weise tausende Packungen Arzneimittel die Apotheke – ein logistischer Kraftakt.

Christina Westhoff öffnet eine Tresortür, dahinter sind Stahlgitter. "Hier lagern die Betäubungsmittel." Zu diesem Raum haben nur wenige Mitarbeiter des Hauses einen Schlüssel.

Ebenfalls hinter verschlossenen Türen und Sicherheitsschleusen arbeitet das Team, das im sterilen Bereich Arzneimittel, meist Infusionen, herstellt. "Das sind vor allem Krebsmittel, die je nach Gewicht und Größe eines Patienten individuell berechnet werden", sagt die Apothekenchefin. Das können aber auch Infusionsbeutel mit künstlicher Nahrung, Antibiotika oder spezielle Salben für die Hautklinik sein.

Aber warum sind überhaupt so viele verschiedene Arzneiformen notwendig? Diese Frage wird Peter Kleinebudde, Professor für Phamazeutische Technologie und Biopharmazie, morgen Abend beantworten: "Weil es so viele unterschiedliche Therapieformen gibt, ein Hühneraugen-Pflaster muss anders wirken als ein Pflaster gegen Angina Pectoris, dessen Wirkstoff über die Haut geht. Und ein Asthmaspray hat weniger Nebenwirkungen, weil es viel feiner dosiert ist als eine Tablette, die den ganzen Körper mit ihren Wirkstoffen überflutet."

Peter Kleinebudde wird auch die Frage beantworten, warum Medikamente zum Ärger von Patienten oft so teuer sind. "Die Entwicklung eines neuen Arzneimittels dauert häufig länger als zehn Jahre und kostet viele Millionen Euro. Das Patent aber läuft nach 20 Jahren aus, in dieser Zeit müssen die Kosten erwirtschaftet worden sein", sagt der Professor.

Quelle: RP
 
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