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Düsseldorf
Speeddating für Frauen bei der IHK

Düsseldorf: Speeddating für Frauen bei der IHK
Lackiererin Selina Fennel (l.) und Karosseriebauerin Laura Richter wollen mehr Frauen für die Autobranche gewinnen. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. 17 Unternehmen aus technischen und handwerklichen Berufen präsentierten sich den Besucherinnen. Von Carina Schulz

Karosseriebauerin, Chemikantin, Fachinformatikerin - Frauen gehören in technischen und handwerklichen Berufen noch immer zu den Ausnahmen. Die Veranstaltung "Frauen verändern die Wirtschaft" in der Industrie- und Handelskammer (IHK) soll das ändern. Jetzt hatten Bewerberinnen dort die Möglichkeit, beim Speeddating Kontakte zu Unternehmen aus technischen und handwerklichen Branchen zu knüpfen. 17 Unternehmen waren beim Speeddating vertreten. Je nach Interesse konnten sich die 70 Besucherinnen in zehnminütigen Gesprächen informieren. "Hier begegnen sich Bewerberinnen und Unternehmen auf Augenhöhe. In freundlicher Atmosphäre können Kontakte aufgebaut werden", sagt Sigrid Wolf, DGB-Chefin und Sprecherin der Arbeitsgruppe "Frauenerwerbstätigkeit stärken".

Die Teilnehmerinnen sahen in der Veranstaltung eine Chance, um mit alten Rollenbildern zu brechen und sich beruflich weiterzuentwickeln. "Ich bin hier, um mich zu orientieren und umzuschauen, welcher Beruf zu mir passt", sagt Naziha Aabaslama. "Es ist gut, dass man im persönlichen Gespräch Kontakt zu den Unternehmen bekommt."

Einige der Teilnehmerinnen haben in der Vergangenheit Erfahrungen mit Diskriminierung bei der Jobsuche gemacht. "Als Frau werde ich anders beurteilt", sagt eine Teilnehmerin. "Ich habe nach meiner Bewerbung bei einem Unternehmen gesagt bekommen, dass man dort offene Stellen habe, die man nicht an eine Frau vergeben wolle." Die Unternehmensvertreter, die an dem Speeddating teilnahmen, haben für solche Aussagen kein Verständnis. Viele suchen gezielt nach Frauen. "Leider ist die Frauenquote bei IT-Berufen sehr niedrig", sagt Johanna Vietz, die das Unternehmen Metro Systems vertrat. "Das ist wirklich schade, die Branche hat so viel zu bieten."

Laura Richter ist Karosseriebauerin, Selina Fennel Lackiererin. Beim Speeddating vertraten sie die Thedens GmbH. Beide sagen, dass veraltete Rollenbilder in ihrer Branche ein Problem sind. "Am Anfang der Ausbildung hat mich mein Lehrer nie drangenommen, auch wenn ich mich als einzige gemeldet habe", sagt Richter. "Er hat wohl gedacht, ich halte die Ausbildung eh nur ein paar Tage durch." Fennel hat ähnliche Erfahrungen gemacht, besonders am Anfang reagierten Bekannte und Familie auf ihren Berufswunsch mit Skepsis. In ihrem Arbeitsalltag hätten sie aber keine Probleme und würden ernst genommen, erzählten beide. "Schließlich können wir das genauso gut wie die Männer", so Richter. "Wir brauchen mehr Frauen in der Autobranche. Trotzdem bewerben sich viele Frauen nicht, weil sie sich fragen, ob sie überhaupt einen Fuß in die Tür bekommen." Veranstaltungen wie das Speeddating seien darum wichtig.

"Wir wollen es positiv wenden und gezielt Frauen ansprechen, die eine Ausbildung suchen oder sich neu orientieren", sagte Wolf. Neben der Organisation einzelner Veranstaltungen müsse man auch übergeordnete Ziele verfolgen: "Wir brauchen sichere Arbeitsplätze und eine gute Bezahlung für Frauen. Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf muss möglich sein." Verbesserungsmöglichkeiten sieht Wolf bei der Berufsorientierung an Schulen. "Die Schulen sollten Mädchen unterstützen und dazu ermutigen, auch Berufe zu wählen, die nicht den traditionellen Rollenbildern entsprechen."

Quelle: RP
 
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