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Düsseldorf
Stadt will im Sperrbezirk durchgreifen

Sperrbezirk Düsseldorf: Stadt will hart durchgreifen
Bei Kontrollen wie dieser im Sperrbezirk hat der städtische Ordnungsdienst im vergangenen Jahr mehr als 500 Verwarnungen, Anzeigen und Bußgelder gegen Frauen eingeleitet. FOTO: Christoph Göttert
Düsseldorf. Mit Hilfe der Justiz geht die Stadt Düsseldorf entschiedener gegen die Frauen und die Freier vor. Sozialarbeiter informieren vor allem osteuropäische Prostituierte über den Schutz vor ansteckenden Krankheiten. Von Stefani Geilhausen

Die Stadt will mit Hilfe der Justiz das verbotene Sex-Geschäft im Sperrbezirk eindämmen. Dort haben vor allem Frauen aus Osteuropa die Drogensüchtigen verdrängt, die auf Charlotten- und Bendemannstraße ihre Sucht finanzierten. Mehr als 500 Verwarnungen, Anzeigen und Bußgelder hat der städtische Ordnungs- und Servicedienst 2014 gegen Frauen eingeleitet, die rund um die Charlottenstraße der Prostitution nachgingen. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft eine Juristin speziell für diese Fälle abgestellt. Vera Schwarzenecker soll dafür sorgen, dass die behördlichen Maßnahmen gerade bei Wiederholungstäterinnen nicht ins Leere laufen. Beim ersten beschleunigten Strafverfahren ist kürzlich eine 23-Jährige wegen mehrfachen verbotenen Aufenthalts nur vier Tage nach ihrer Festnahme zu einer Geldstrafe von 1750 Euro verurteilt worden.

Die Frauen, die heute auf der Charlottenstraße ihre Dienste anbieten, stammen überwiegend aus bitterarmen Verhältnissen in Bulgarien und Rumänien. Viele können nicht einmal lesen, haben von Aids und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten nie gehört und erst Recht keine Ahnung, wie man sich davor schützt. Sozialarbeiterinnen, insbesondere von der Frauenberatungsstelle, versuchen dem entgegenzuwirken. Ein Flyer zeigt mit deutlichen Illustrationen, wie Kondome verwendet werden und, wozu sie wichtig sind, weisen auch auf die Beratung hin, die das Gesundheitsamt für Prostituierte anbietet.

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Auch Kondome verteilen die Streetworkerinnen unter den Prostituierten. Es gelinge langsam, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, sagt Lucia Kleene von der Beratungsstelle. Das ist wichtig, nicht nur aus gesundheitlichen Gründen, denn man hofft vor allem, den Osteuropäerinnen helfen zu können, die zur Sex-Arbeit gezwungen werden. Nur wenn sich die Betroffenen öffnen, können die Behörden gegen die Hintermänner vorgehen. Gerade im Bereich der Straßenprostitution aber ist der Menschenhandel nur schwer nachweisbar. Wohl auch deshalb bringen die Täter die Frauen häufig für einige Monate in andere Städte, manchmal außer Landes.

Der OSD ist regelmäßig im Viertel unterwegs, in dem das Sex-Geschäft trotz des Verbotes blüht. Während der Straßenstrich von der Fährstraße verschwunden ist, ist der Sperrbezirk nach wie vor das Zentrum der Straßenprostitution in Düsseldorf. Besonders zu Messezeiten ist das für die Anwohner oft unerträglich. Zumal das Mitgefühl, das mancher für die drogensüchtigen Mädchen noch aufgebracht hat, kaum für die Armuts-Huren aus Osteuropa gilt. "Diesen Frauen ist alles egal, die kennen keine Rücksicht", sagt ein OSD-Mitarbeiter. Der Ton auf dem Straßenstrich habe sich verschärft. Auch die Freier müssten damit rechnen, von den Frauen bestohlen zu werden. Einer büßte voriges Jahr mit heruntergelassenen Hosen gleich sein ganzes Auto ein.

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Die Kundschaft auf der "Rue", wie die Charlottenstraße in einschlägigen Szene-Foren heißt, hat der Ordnungsdienst ebenfalls im Auge. 2014 gab es 160 Verfahren, im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden 41 eingeleitet. Dafür muss nicht einmal das Sexgeschäft angebahnt worden sein: Auch wer immer wieder durch den Sperrbezirk fährt, wird erfasst - dann gibt es ein Knöllchen für unnötiges Hin- und Herfahren nach der Straßenverkehrsordnung. Und einen Flyer über den Sperrbezirk legt die Stadt gleich mit dazu - damit es keinen Zweifel gibt, wo der Betroffene vielleicht mit dem Dienstwagen oder dem Auto der Ehefrau unterwegs gewesen ist.

Quelle: RP
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