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Lokalsport
ART wagt riskanten Umbruch

Düsseldorf. Die Leichtathletik-Abteilung des Rather Vereins strukturiert sich neu - weg vom Sprint, hin zu Mittel-, Langstrecke und Mehrkampf. Namhafte Abgänge wie André Pollmächer und Inna Weit belasten das neue Konzept. Von Christoph Zabkar

Wohin führt der Weg der Leichtathletik-Abteilung des ART? Die Düsseldorfer haben sich für eine konzeptionelle Neuausrichtung entschieden, wobei der Förderschwerpunkt künftig auf den Mehrkampf-Nachwuchs sowie die Mittel- und Langstrecke gerichtet werden soll. Das Ziel besteht darin, künftig mehr internationale Erfolge erzielen zu können. Ob dieser Weg für den Rather Verein zum erhofften Ergebnis führt, bleibt abzuwarten. Fakt ist jedoch, dass die Neuausrichtung nicht auf jedermanns Zustimmung trifft und ihre Opfer fordert.

"Weil die Gelder für den Sprint gekürzt wurden und ein neues Konzept im Raum steht, ist es möglich, dass wir mit der Gruppe den Verein verlassen müssen", mutmaßte Sprinttrainer Sven Timmermann, noch bevor sein Vertrag am 31. Oktober auslief. Zwar sei ihm ein weiteres Engagement angeboten worden, allerdings zu stark verringerten Konditionen, so dass der Abschied abzusehen war. Sein Abgang kann für den ART noch problematischer werden, wenn sich weiterhin auch die Athleten nach neuen Vereinen umsehen. Allein im Sprint ist dem Vernehmen nach mit rund 30 Abgängen zu rechnen. Die Wechsel von Djamila Böhm (Bestenlisten-Dritte 400 m Hürden), Olympiakandidatin Inna Weit sowie der Speerwurfgruppe um den deutschen U20-Meister Nils Fischer wurden bereits bestätigt.

Für eine Parallelführung von Mehrkampf/Langstrecke mit den anderen Disziplinen scheinen die Ressourcen nicht auszureichen. "Der Hintergrund des Ganzen ist, dass ein breitgefächertes Trainerkollektiv sehr viel Geld kostet. Die Sponsorenleistungen und Spenden sind geringer als im letzten Jahr, deswegen müssen wir in einige saure Äpfel beißen", gibt ART-Vorstand Jochen Grundmann zu.

In der Folge habe man Gespräche mit der Stadt geführt, die den Verein für zwei Jahre finanziell stärker fördern werde, sofern die gewünschten Erfolge eintreffen. Doch wieso fiel die Wahl auf den Mehrkampf und die Mittel-/Langstrecke? Laut Meinolf Grundmann vom Stadtsportbund (nicht verwandt mit Jochen) handelt es sich um eine "sinnvolle Konsequenz", da der ART in der Breite viele gute Nachwuchs-Athleten hervorgebracht habe. Im Mehrkampf hofft man dies am besten fortsetzen zu können, zumal in der U16 diverse nationale Titel nachgewiesen wurden. Darüber hinaus hat der ART sein Laufteam mit Zugängen wie Rio-Teilnehmer Julian Flügen und Rückkehrer Simon Stützel verstärkt. Die Vorteile: Im Laufen können (etwa über die Teamwertungen) mehr Titel geholt werden als in anderen Disziplinen, dazu liebäugelt man mit einer Anbindung der Profiathleten über die aktive Karriere hinaus.

Einen Rückschlag erhalten die Planungen jedoch durch den Wechsel von Coach André Pollmächer zu Schalke 04. "Finanziell können wir nicht mit Schalke mithalten, hier hätten wir ihm nur einen Teilzeitjob anbieten können", sagt Jochen Grundmann. Für Pollmächer selbst war zudem das Konzept ein Wechselkriterium: "Ein Trainer mit Kompetenz bleibt, wenn er fest angestellt ist. Der ART vertritt jedoch den Standpunkt, mit eingekauften Athleten voranzukommen. Dadurch verhindert man die Förderung ansässiger Athleten", kritisiert Pollmächer. In der Sportstadt nimmt man das überrascht zur Kenntnis, denn gerade der Mann aus Riesa sei doch ein "Paradebeispiel für einen gelungenen Wechsel nach Düsseldorf", sagt Meinolf Grundmann.

Der ART geht fraglos ein Risiko ein. Jochen Grundmann spricht von einer "Gratwanderung". Zur Not könne man zwar zur alten Ordnung zurückkehren, das größere Übel wäre es dann aber, die vielen Abgänge zu kompensieren. Den Blick richtet der ART nun aber nach vorn.

Quelle: RP
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