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Lokalsport
Austria-Adler gerupft beim Heimspiel

Düsseldorf. Bei Österreichs Skispringern brennt nach ihrem schlechtesten Tournee-Wettkampf seit 1979 der Baum. Da selbst Stefan Kraft schwächelt, steht Trainer Heinz Kuttin massiv in der Kritik. Von Christoph Leuchtenberg und Erik Roos

Nach dem Debakel von Garmisch war Schluss mit lustig: Heinz Kuttin strich Österreichs Skispringern kurzerhand das geliebte Eisstockschießen, stattdessen schickte der Chefcoach seine gerupften Austria-Adler um Weltmeister Stefan Kraft am Ruhetag der Vierschanzentournee ins Presse-Kreuzverhör. Redebedarf gab es reichlich. Geschieht kein Wunder, wird erstmals seit 40 Jahren keiner Österreicher die Tournee unter den besten Zehn beenden - vor dem Heimspiel in Innsbruck brennt der Baum lichterloh.

"Es ist zum Haareraufen, nichts läuft zusammen", sagte Kuttin, nachdem seine Athleten am Neujahrstag das schlechteste Ergebnis in einem Tourneespringen seit 1979 kassiert hatten. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnagel meinte: "Das war für uns ein historisches Debakel. Daran gibt es überhaupt nichts schönzureden." Sein Untergebener Ernst Vettori sprach von "der schwierigsten Phase, seit ich Nordischer Direktor bin. Das war eine Watschn, dass wir nur so schauen". Nichts geht mehr bei der einstigen Skisprung-Nation Nummer eins. Nur zwei Österreicher schafften es in Garmisch in den zweiten Durchgang, Kraft nicht, der Tourneesieg ist damit abgehakt. Dass ausgerechnet Sorgenkind Gregor Schlierenzauer als 19. Österreichs Tagesbester war und als 15. Gesamtbester ist, sagt alles.

"Wir müssen das jetzt in Ruhe analysieren und einen Plan aufstellen, wie es weitergeht", sagte Rekord-Weltcupsieger Schlierenzauer. Allein: Die Zeit bis zum Bergisel-Springen am Donnerstag drängt, bereits am Mittwoch steht die Qualifikation an. Der Auftritt vor den kritischen Heim-Fans wird zum Spießrutenlauf.

Zumal blanke Ratlosigkeit im ÖSV-Lager herrscht. "Diese Dinge wie in Garmisch dürfen nicht passieren, wir können es uns aber nicht erklären", sagte Vettori. Und Kraft meinte: "Wenn ich wüsste, woran es liegt, würde ich es anders machen. Ich bin topfit und habe eigentlich alles beieinander." In Oberstdorf hatte er nach dem ersten Durchgang geführt, seitdem klappt nichts mehr. Ausgerechnet Kraft: Der Salzburger, im Vorjahr die Konstanz in Person, war einziger Hoffnungsträger in einem hoffungslosen Team. "Er hatte eine tolle letzte Saison", sagte Kuttin, dem Krafts Erfolge bislang den Job gerettet haben: "Jetzt steht er aber ziemlich alleine da in unserem Team. Das war wohl zu viel." Ein Jahr vor der Heim-WM in Seefeld sind die Österreicher schwach wie seit Jahrzehnten nicht. Die entsprechend angespannte Stimmung zwischen Nervosität und beginnender Panik ist greifbar im schmucken Teamhotel Karwendel in Leutasch, wohin die Teamspitze gewissermaßen zur öffentlichen Selbstkasteiung geladen hatte.

"Alles analysieren, alles hinterfragen, überall nachjustieren" will Vettori nun. Eine Trennung von Kuttin sei kein Thema, eher werde er, Vettori, selber seinen Platz räumen. Seinen Cheftrainer würde der zweimalige Tourneesieger damit nicht aus der Schusslinie nehmen - die Kritik an Kuttin ist jetzt schon beißend. Der Kärntner macht sich mit seiner unglücklichen Außendarstellung, seinem wenig souveränen, unbedarften Auftreten allerdings auch selbst zur Zielscheibe.

Vorgänger Alex Pointner, unter dem Österreich von 2009 bis 2014 sechsmal in Folge den Tourneesieger stellte, wirft Kuttin vor, seinen Springern zu wenig Rückhalt zu geben. "Es ist befremdend, wenn der Cheftrainer nicht selbst am Trainerturm steht, sondern sich vom Co-Trainer vertreten lässt", sagte Pointner der Kleinen Zeitung: "Man braucht da oben den Chef, der Verantwortung übernimmt." Ob dieser mittelfristig Kuttin heißt, ist fraglich. Vorerst bleibt es bei Durchhalteparolen.

Das Eishockey-Spiel zwischen Köln und der DEG war bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht beendet.

Quelle: RP
 
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