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Lokalsport
Beckert trotz Rekords am Podest vorbei

Düsseldorf. Die deutschen Eisschnellläufer warten weiter auf den ersten Podestplatz in dieser Weltcupsaison. Patrick Beckert verbesserte aber den deutschen Rekord über 10.000 Meter gleich um 13 Sekunden. Von Frank Thomas

Als erster Deutscher hat er die "Schallmauer" durchbrochen und den deutschen Rekord über 10.000 Meter in neue Sphären gehoben. Und dennoch war Patrick Beckert nach seinem Superrennen beim Weltrekord-Festival der Eisschnellläufer in Salt Lake City nicht recht in Feierlaune. "Ja, ja, der Lauf war schon gut. Aber man hat gemischte Gefühle, wenn man über 50 Meter nach dem Gegner ins Ziel kommt", berichtete der 25 Jahre alte Erfurter vom schnellsten Langstrecken-Rennen der Eisschnelllauf-Geschichte.

Im ungleichen Duell mit Ted-Jan Bloemen hatte er nie eine Chance. Der frühere Niederländer, der erst im Vorjahr die kanadische Staatsbürgerschaft angenommen hatte, raste vom Start weg los wie ein Sprinter. Er lief wie ein Uhrwerk Rundenzeiten von 30 Sekunden und unterbot den Weltrekord von Rekordweltmeister Sven Kramer aus den Niederlanden in 12:36,30 Minuten gleich um mehr als fünf Sekunden.

"Das war schon ein besonderes Rennen", meinte der tragische Held Beckert, dem es fast schon so schien, als sei sein deutscher Rekord von 12:55,01 Minuten plötzlich nicht mehr viel wert. Dabei hatte er seine eigene, vier Jahre alte Bestmarke um über 13 Sekunden unterboten. "Es ist ärgerlich, dass wieder nur eine Sekunde zum Podest gefehlt hat", sagte Beckert, der sich gar nicht richtig über seinen perfekten Lauf freuen konnte, in dem er auf den letzten beiden Runden weit schneller war als der Weltrekordler. "Es war schon eine Riesending von Bloemen", würdigte Patrick Beckert, bei dem sich das spezielle Technik-Training im niederländischen Team4Gold bereits bezahlt macht.

Nur drei Stunden später verpasste der Inzeller Moritz Geisreiter in der B-Gruppe den Beckert-Rekord in 12:55,47 nur knapp und wies Fortschritte nach der wegen Verletzungen verpassten Vor-Saison nach.

Eis-Ikone Claudia Pechstein kann mit fast 44 Jahren mit der Weltspitze konkurrieren, doch auch für die Berlinerin reichte es im 5000-Meter-Rennen "nur" zu Platz vier. In 6:57,23 Minuten war sie wieder schnellste Deutsche, aber Patrick Beckerts Schwester Stephanie deutete mit 6:58,75 Minuten in der B-Gruppe stabilere Form an als in den vergangenen Jahren.

Nur insgesamt drei Startplätze in den ersten acht A-Finals am Großen Salzsee zeugten aber nicht von gewachsenem Potenzial der deutschen Eis-Crew nach dem medaillenlosen Olympia-Debakel von Sotschi. Völlig unerklärlich ist für die Betroffnen der Absturz von Doppel-Meister Nico Ihle, der nach verkorksten Auftritten in Calgary nun in Salt Lake City über 1000 Meter wegen des Überfahrens der Bahnbegrenzung disqualifiziert wurde. "Er kommt nicht mit den Kurven klar. Wir wissen noch nicht, warum das so ist", meinte Cheftrainer Helge Jasch. "Das ist absolut nicht das Niveau, was sich Nico selbst vorstellt." Ihle muss nun auch beim Heim-Weltcup in zwei Wochen in Inzell in der B-Gruppe antreten.

Erneut trumpften Pawel Kulischnikow und die US-Amerikanerinnen am Salt Lake mit fast unglaublichen Weltrekorde auf. Der bis zum vorigen März wegen Dopings gesperrte Russe drückte in 33,98 die 500-Meter-Bestmarke als erster Sprinter der Welt unter die 34-Sekunden-Grenze. 500-m-Weltmeisterin Heather Richardson-Bergsma aus den USA holte sich in 1:50,85 Minuten erstmals den 1500-m- Weltrekord, den erst in Calgary Teamgefährtin Brittany Bowe (1:51,59) fixiert hatte.

Das Eishockeyspiel zwischen der DEG und Wolfsburg war beim Druck dieser Ausgabe noch nicht beendet.

(dpa)
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