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Analyse
Borussia ist das Maß der Dinge

Düsseldorf. Nach einem schleppenden Saisonverlauf mit vielen verletzungsbedingten Ausfällen finden die Düsseldorfer zum Schluss noch rechtzeitig in die Spur und holen zum 17. Mal das Double. Damit fährt der deutsche Tischtennis-Rekordmeister seine Titel 65 und 66 ein. Von Tino Hermanns

Borussia hat in der gerade abgelaufenen Tischtennis-Saison erneut Maßstäbe gesetzt. Die Düsseldorfer gewannen wieder einmal das Double, zum dritten Mal in Folge und zum 17. Mal insgesamt. In ihrer 49-jährigen Bundesligazugehörigkeit kamen sie zum 44, Mal unter die Top drei. Borussia stellte damit nebenbei drei Ligarekorde auf. Die Truppe von Trainer Danny Heister stockte ihre Titelsammlung auf 66 auf. Ein kleines Jubiläum gab es auch noch: Borussia gewann alle Endspiele in der Tischtennis-Bundesliga in den vergangenen 25 Jahren, die sie erreichte. Die letzte Final-Niederlage datiert aus der Saison 1990/91. Dafür, und weil die Tischtenniscracks zu den besten Sportbotschaftern Düsseldorfs gehören, wurden die Borussen zu einem städtischen Empfang ins Rathaus eingeladen. "Die Borussia hat für die Sportstadt wieder einmal viel Ehre eingelegt", lobte Oberbürgermeister Thomas Geisel.

Dass der Klub im Titel-Fernduell mit den Fußballern von Bayern München (65 Titel) weiterhin die Nase vorn hat, ist freilich mehr als erstaunlich. Eine schier endlose Verletzungsmisere endete erst kurz vor Weihnachten 2015. Superstar Timo Boll hatte Rücken, brachte eine Viruserkrankung von der Mannschafts-WM in Kuala Lumpur mit und unterzog sich einer Knieoperation. Patrick Franziska fiel reihenweise wegen Muskelfaserrissen aus. Panagiotis Gionis quälte sich von einer Zerrung zur nächsten. Und Sharath Kamal Achanta musste zu Saisonbeginn noch die Folgen eines Muskelabrisses im hinteren Oberschenkel überwinden, es drohte gar das Karriereende. Heister konnte erst am 18. Dezember 2015 in der seit August laufenden Saison erstmals auf den kompletten Kader zurückgreifen.

Bis dahin war immer mindestens einer der vier Spieler verletzt oder krank. Mindestens, denn manchmal gab es gleichzeitig zwei Ausfälle, so dass Heister wieder in die Rolle des Aktiven schlüpfte. In der nationalen Liga musste der Trainer als Spieler viermal zum Schläger greifen, in der Champions League zweimal. Fast hätte auch noch Manager Andreas Preuß als Aktiver einspringen müssen, doch Gionis trat lieber trotz Bauchmuskelzerrung an den Wettkampftisch.

"Der deutsche Meistertitel ist angesichts des Saisonverlaufs vielleicht der am höchsten einzustufende Erfolg der letzten zehn Jahre", meint Preuß. Der wurde zunächst mit viel Glück, später aber mit viel Können möglich. Einen Spieltag vor Ende der Bundesliga-Hauptrunde waren die Düsseldorfer eigentlich schon raus aus dem Titelrennen.

18:16 Punkte hatten sie bis dato gesammelt und lagen auf Tabellenplatz fünf. Doch am Ende reichten 20:16 Zähler und die tatkräftige Unterstützung des Post SV Mühlhausen, der den TTC Schwalbe Bergneustadt im letzten Hauptrundenspiel bezwang, um den Play-off-Einzug dank des besseren Matchverhältnisses zu sichern. In der Meisterschafts-Endrunde hatten die Gegner dann das Pech, dass die Borussen keine Ausfälle zu verzeichnen hatten. Im Halbfinale gab es ein 3:0 und 3:1 über den TTC Fulda-Maberzell und im Finale ein 3:1 gegen den 1. FC Saarbrücken TT.

Die Borussia hat neue Rekorde aufgestellt und die Machtverhältnisse im deutschen Herren-Tischtennis wieder gerade gerückt.

Quelle: RP
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