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Analyse
Fortuna II: Der Lerneffekt bleibt aus

Düsseldorf. Dem Fußball-Regionalligisten unterlaufen beim 0:1 gegen die SG Wattenscheid erneut zu viele einfache Fehler. Auch im Spiel nach vorne hapert es. Die Konsequenz: Die "Zwote" kann sich im Abstiegskampf einfach nicht entscheidend absetzen. Von Maximilian Lonn

Vor einigen Jahren brachte die Hamburger Hip-Hop-Band "Fettes Brot" den Song "Fußball ist immer noch wichtig" auf den Markt. Dort heißt es unter anderem in der ersten Strophe: "Manchmal kommst du noch vorbei an diesem Klotz aus Beton. Dein Klub hat wieder mal bloß an Erfahrung gewonnen. Kein Bock auf eine weitere verkorkste Saison."

Was dieses Lied mit Fortunas Zweitvertretung zu tun hat? In erster Linie war es (nur) die musikalische Untermalung nach der 0:1-Niederlage gegen die SG Wattenscheid, und doch hatte die Songauswahl von Stadion-DJ Tobias Geier zugleich auch symbolischen Charakter. Denn erneut verging ein Heimspiel am Flinger Broich, und irgendwie beschlich die Beobachter der "Zwoten" das Gefühl, dass die nach wie vor sehr junge Mannschaft von Trainer Taskin Aksoy nicht aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat. Gegen die SGW waren es vor allem drei essentielle Eigenschaften, ohne die man im Fußball in der Regel nicht erfolgreich sein kann. Angefangen bei der...

... Galligkeit Die Situation vor dem Anpfiff war klar: Mit einem Sieg gegen die nur einen Punkt entfernten Wattenscheider hätte man einen starken Konkurrenten im Abstiegskampf auf Distanz gehalten und gleichzeitig den Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz auf beruhigende zehn Zähler ausbauen können. Entsprechend brauchte es eine aggressive und clevere Zweikampfführung, um von Beginn an für klare Verhältnisse zu sorgen. Das Problem: Bis auf Gökhan Gül und Jannik Schneider kam kaum ein Fortune auf die richtige Betriebstemperatur, geschweige denn in die Zweikämpfe. Stattdessen produzierten sie viele unnötige Freistöße in Strafraumnähe, die zum Glück folgenlos blieben. Zu allem Überfluss kassierte Gül früh seine fünfte Gelbe Karte, womit die Profileihgabe mindestens in einer der noch zwei auszutragenen Partien zuschauen muss. Zu der manglenden Körperlichkeit gesellte sich auch fehlende...

... Genauigkeit Trainer Aksoy wurde deutlich: "Die fußballerische Qualität hat heute schon gefehlt. Der letzte Pass, das letzte Dribbling oder das Durchsetzungsvermögen war nicht so gut, dass wir dieses Spiel hier gewinnen würden." Der Fußballlehrer durfte während der gesamten Spieldauer lediglich zwei gelungene Angriffe notieren. Dazwischen blieb vieles Stückwerk. Erneut wurde überdeutlich: Spannt der Gegner ein engmaschiges Netz um seinen Strafraum, fehlt es den Düsseldorfern an Ideen. Weil sie sich zu wenig bewegen, Spielsituationen dann zu kompliziert auflösen und dadurch unnötige Ballverluste verursachen. Konterstarke Teams wie Wattenscheid oder auch Bonn (1:3) nutzen solche Umschaltmomente mit Kusshand aus. Auch in Wegberg-Beeck (3:0) lief die "Zwote" in viele Konterfallen - mit dem Unterschied jedoch, dass sie im Gegenzug im entscheidenden Moment das erlösende Tor erzielte. Stattdessen verlor sie dieses Mal im Minutentakt an...

... Griffigkeit, weshalb Aksoy zur Pause auch die Marschroute änderte: "Es war ein ein typisches 0:0-Spiel, deshalb habe ich zu den Jungs gesagt, dass wir das Zu Null halten müssen. Und je länger das Spiel dauert, desto mehr werden die Räume dann da sein." Ein Plan, der nach dem schnellen 0:1 konterkariert wurde. "Nach dem 0:1 war ich maßlos enttäuscht von meiner Mannschaft. Da war kaum eine Reaktion, kaum Durchsetzungsvermögen, kaum Leidenschaft."

Fest steht damit: Sollte gegen Rhynern oder Gladbach II wieder kein Lerneffekt eintreten, drohen zumindest schon mal aus sportlicher Sicht verkorkste Weihnachten.

Quelle: RP
 
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