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Lokalsport
Hildegard Hinz ist runde Hundert

Düsseldorf. Die Pionierin des Frauen-Rudersports feierte mit dem RC Germania.

Hildegard Hinz ist so etwas wie die Alice Schwarzer des Ruderclubs Germania. 1938, als die Ruderwelt ausschließlich aus Männern bestand, hat sie als 23-Jährige mit Gleichgesinnten die Öffnung für das Frauenrudern bei der Germania erstritten und zusammen mit Ria Dübbers (mit beinahe 96 Jahren zweitältestes Klubmitglied), sowie 20 weiteren "Mädels" die Gründung der Frauen-Abteilung durchgesetzt. Unterstützer waren eine weitsichtige Männer-Achtermannschaft und die leere Klubkasse, die durch mehr Mitgliedsbeiträge aufgefüllt werden konnte. Damals gab es aber Auflagen des entsetzten Vorstands: Kein Gemischtrudern! Das hielt bis in die 70er Jahre an.

Als sie 1938 bei der Germania eintrat, konnte sie bereits rudern und übernahm die Anfängerausbildung. Kürzlich feierte Hinz die Vollendung des 100. Lebensjahres und ihr 77. Jahr als Germania-Mitglied. Sie ruderte, solange es ging. Mit 80 fuhr sie noch einmal mit auf Wanderfahrt, mit einem goldenen Koffer. Es verließ sie die Sehkraft, Rudern war nicht mehr möglich. Statt dessen ging Hinz ins Schwimmbad, bis sie 97 Jahre alt war.

Sie war immer eigenständig und unternehmungslustig. Nach dem Tod ihres Mannes machte sie mit 63 Jahren den Führerschein. 2008, mit 93 Jahren, posierte sie bei einem Stadtrundgang der Germanen mit der Statue von Johannes Rau für ein Tänzchen. Sie war und ist für jeden Jux zu haben. So sang sie auch anlässlich ihrer Geburtstagsfeier bei der Gratulation durch ihren Klub kräftig mit. "Sie hat so gestrahlt", freute sich Germanin Rita Lehnacker, "und mit jedem auf ihr Wohl angestoßen."

(tino)
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