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Lokalsport
Mountainbikerin Binder holt WM-Titel

Düsseldorf. Obwohl Natascha Binder in Österreich zum neunten Mal Weltmeisterin wurde, war für sie das BC Bike Race in Kanada das Highlight. Von Tino Hermanns

Natascha Binder vom Skiklub kann es immer noch. Bei den World Games of Mountainbiking in Saalbach-Hinterglemm (Österreich), der Mountainbike-Amateurweltmeisterschaft, sicherte sich die gebürtige Düsseldorferin ihren neunten Altersklassen-Weltmeistertitel. Diesmal war sie auf der für sie kurzen 42-Kilometer-Runde (2000 Höhenmeter) in der Altersklasse Master Women (AK45) unterwegs. "Diese Distanz entsprach der Streckenlänge, die ich im Hinblick auf das BC Bike Race in Kanada am meisten trainiert hatte", erläutert Binder. "Zudem war ich in der direkten Vorbereitung auf die WM krank und überhaupt nicht in den Bergen. Da traute ich mir die 80-Kilometer-Langstrecke, die ich bei der WM sonst immer gerne gefahren bin, nicht zu."

Die Zweifel an der eigenen Leistungsfähigkeit schienen sich auch am Anfang zu bestätigen. "Am ersten Anstieg kreuchelte mein Puls so bei 145 rum, und ich fand alles einfach nur anstrengend", sagt Binder. So wurde die promovierte Biochemikerin mehrfach nach hinten durchgereicht. "Ich habe ernsthaft überlegt, auf die noch kürzere 27-Kilometer-Distanz abzubiegen", berichtet das Skiklub-Mitglied. "Aber auf der Abfahrt habe ich dann wieder vier Plätze gut gemacht und mich dann doch für die 42 Kilometer entschieden."

Doch irgendwann ging es eben wieder den Berg rauf. Der Schattberg wurde zur Qual. "Den Anstieg vom Ost- zum Westgipfel musste ich schieben. Das erste mal seit acht Jahren", gesteht Binder. Sobald es abwärts ging, konnte sie ihre überlegene Fahrtechnik ausspielen. So fuhr sie als Siegerin der Altersklasse und Gesamtfünfte über die Ziellinie. "Zufrieden bin ich mit meiner Leistung aber nicht", stellt die Düsseldorferin klar. "Trotzdem freue ich mich über meinen insgesamt neunten WM-Titel."

Der Titelgewinn war aber nicht ihr Sportereignis des Jahres. Das hatte sie bereits beim BC Bike Race in Kanada. Gemeinsam mit Vereinskamerad Norbert Geisler radelte sie in der Mixed-Wertung auf Rang zwei. "Viele Streckenabschnitte waren für uns völlig ungewohnt. Northshore-Elemente, also schmale Holzbrücken, 40 cm breit, über die man vier Meter tiefe Abgründe fahrend überwindet, hat man in Düsseldorf und auch im Bergischen Land leider nicht", sagt Binder. Dauerregen, Sprünge, jede Menge Schlamm, verblockte Steinpassagen und die ein oder andere Nah-Beobachtung kanadischen Erdreiches machen das BC Bike Race zum absoluten Abenteuerradeln.

"Man fuhr nicht, man tänzelte die Trails runter. Wurzelpassagen, bei denen man zuhause überlegt, wie man sie anfährt, bügelte man einfach runter. Nass und glitschig, völlig egal, solang der Vordermann nicht stürzt." Am Ende stand nach sieben Etappen und 21:57:06 Std. Quälerei Platz zwei zu Buche. Vier Minuten vor Martine Stenbro/Jörgen Ertnes (Norwegen) und 94 Minuten hinter Jenna und Justin Rinehart (USA). "Es fällt schwer, sich für andere Rennen zu begeistern, denn das BCBR ist Abenteuer und Erfahrung für ein ganzes Leben. Mit nichts zu vergleichen und durch nichts zu toppen", schwärmt die Mountainbikerin. Da verblasst selbst ein Weltmeistertitel.

Quelle: RP
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