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Lokalsport
Najafi meldet sich eindrucksvoll zurück

Düsseldorf. Der Boxabend im mit über 800 Zuschauern ausverkauften Stahlwerk bietet guten Sport und auch Unterhaltung. Neben Aria Najafi beeindruckt der Düsseldorfer Sebastian Trosdorff. Von Thomas Schulze

Es dauert etwas, bis sich Aria Najafi, der Hauptkämpfer des Abends, auf den Weg aus der Kabine in den Ring macht. Sein Kontrahent Izzet Kurnaz steht geduldig in seiner Ecke und wartet. Der fast 40 Jahre alte Kölner, vor zwei Jahren Europameister im Kickboxen, doch als Box-Profi mit einer Bilanz von drei Niederlagen in drei Kämpfen, ahnt, was gleich passiert. Der 24 Jahre alte Düsseldorfer Najafi ist deutscher Juniorenmeister im Halbmittelgewicht und will demnächst um die Europameisterschaft kämpfen. Doch ein Handbruch hatte ihn auf dem Weg zum internationalen Titel gestoppt. Die Verletzung ist auskuriert, jetzt will er Kampfpraxis bekommen und Punkte sammeln. Gut austrainiert steigt er in den Ring. Fünf, sechs Minuten später ist er am Ziel. Nachdem er in der ersten Runde seinen Kontrahenten beobachtet hat, boxt er ihn in der zweiten Runde aus. Nach einem Leberhaken geht Kurnaz in die Knie. Der Kampf ist aus.

Das war nicht spektakulär, sondern eiskalt und professionell. Genauso, wie es Trainer Stefan Freudenreich von seinem Schützling verlangt und nochmals in der ersten Pause deutlich gesagt hatte. "Der Gegner wollte in der ersten Runde überraschen, deshalb hat Ari ihn da beobachtet", erklärt der Coach kurz vor Mitternacht. "In der zweiten Runde hat Ari dann die Initiative ergriffen und getroffen. Er hat taktisch alles richtig gemacht."

Stefan Freudereich ist zufrieden, auch mit dem gesamten Kampfabend, der er veranstaltet hat, obwohl das vermeintliche Topspiel nicht das gehalten hat, was es versprach. Dafür waren die vom Papier her weniger attraktiven Begegnungen umso interessanter. "Die Amateurkämpfe haben mit viel Freude gemacht", bilanziert Freudenreich. Zum Beispiel der Kampf von Sebastian Trosdorff. Der 19-Jährige, der im väterlichen Betrieb in Holthausen zum Optiker ausgebildet wird, zeigte während des Kampfes eine beachtliche Entwicklung. Wollte er in der ersten Runde noch zu viel, so boxte er danach mit der notwendigen Ruhe und technisch sauber. "Ich bin zufrieden", sagte Trosdorff. Und auf das blaue rechte Auge angesprochen, antwortete er lächelnd: "Dafür hat mir mein Chef morgen frei gegeben, damit kann ich nicht arbeiten."

Der Kampf von Trosdorff hatte vor allem bei den Eishockeyspielern der DEG erhöhte Aufmerksamkeit hervorgerufen, denn bis zur Jugend hatte er neun Jahre lang an der Brehmstraße auf dem Eis gestanden. "Sebastian hat das gut gemacht", meinte DEG-Trainer Christof Kreutzer anerkennend, der mit seinen Schützlingen im Stahlwerk einen Mannschaftsabend verlebt hatte - nicht um die Spieler auf eventuelle Boxeinlagen vorzubereiten, sondern weil die Mannschaft jedes Jahr im Sommer im Boxcamp Freudenreich ein intensives Konditionstraining absolviert.

Neben gutem Sport bietet ein solcher Abend auch einen hohen Unterhaltungswert in puncto Show. Der erschöpfte sich diesmal beim Auftritt von Badien Hasso. Vor lauter Begeisterung schoss er seinen Mundschutz mit dem Fuß ins Publikum. Die weiblichen Zuschauerinnen, die in der Nähe saßen, kreischten kurz und duckten sich, seine männlichen Fans interessiert das weniger. Ihnen war vielmehr anzusehen, wie der Sieg ihres Freundes ihnen Kraft verlieh und die Brust voller Stolz schwellen ließ. So mancher wollte auf das Erinnerungsfoto, für das auch die kurdische Flagge gezeigt wurde.

Aber nicht nur Veranstalter Stefan Freudenreich war zufrieden, sondern auch Stefan Prill, der Geschäftsführer des Stahlwerks, das die ideale Location für solch einen Abend ist: "Das war eine tolle Veranstaltung. Dagegen war die erste im September ja ein Kindergeburtstag." Bei so viel Lob und Zufriedenheit wird natürlich der nächste Kampfabend geplant - im Herbst.

Quelle: RP
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