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Lokalsport
Picknick bei Sonnenschein und rassigem Polo

Düsseldorf. Team Bucherer gewinnt im Finale gegen Berenberg 4:3. Team Breuninger wird Dritter durch ein 3:2,5 gegen Land Rover. Von Manfred Johann

Gerade erst hatten Max Bosch und sein Pferd beim Berenberg Polo Cup den verdienten Beifall für einen spektakulär erzielten Punkt für sein Team Bucherer bekommen. Das 25-jährige deutsche Talent hatte in der Mitte des Platzes des Reit- und Poloclub hart an der niedrigen Bande den Ball erobert und ihn mit einem mächtigen Schlag über mehr als 100 Meter weit diagonal Richtung Tor des gegnerischen Teams Breuninger getrieben. Bosch, der bereits mit 14 Jahren sein erstes internationales Polo-Turnier gespielt hat, jagte mit seinem Pferd in vollem Galopp hinterher. Ein Reiter von Team Breuninger schloss parallel zu ihm auf und versuchte ihn aus der Spur zu drängen. Doch Bosch bewies auch da seine Klasse, wehrte auch das so genannte Hooking durch seinen Gegner (Stören eines erneuten Schlages) ab und setzte den leichten Kunststoffball mit einem weiteren Schlag durch die sieben Meter weit auseinander stehenden Torpfosten. Kaum war der Jubel der gebannt am Spielfeldrand sitzenden oder stehenden 3500 Zuschauer verstummt, da wurde deutlich, dass Bosch, im Vorjahr im Siegerteam beim Berenberg High Goal Cup, bei dieser Aktion ein Missgeschick geschehen war. Sein Blick ging zu seinem über einem Meter langen Schläger und dort vermisste er die Zigarre. Das wegen seiner Form so genannte Endstück war beim letzten Schlag abgebrochen. Für Bosch und seine Mannschaft kein großes Problem. Während die Partie weiterlief, ritt er im hohen Tempo zu seinen Helfern am Spielfeldrand und ließ sich einen neuen "Stick" anreichen.

Eine Szene stellvertretend für viele, die den Besuchern des zehnten Turniers auf den idyllisch gelegenen Poloplätzen in Angermund nicht nur hochklassigen Sport, sondern auch beste Unterhaltung im weiteren Sinne boten. Ein Garant dafür war auch wie in den sieben Jahren zuvor Jan-Erik Franck - die "Stimme des Polo", wie der Deutsch-Holländer genannt wird. Sachkundig erklärte der selbst im Polosport aktive Franck die manchmal schwierig zu verstehenden Entscheidungen der berittenen Schiedsrichter. Die mischte er wie immer mit seinen launigen Kommentaren: "Beim Polo sind die Besucher oft ein bisschen steif. Da muss ich schon einmal etwas nachhelfen, damit schnell gute Stimmung aufkommt."

Er ist es auch, der die Zuschauer in den Pausen daran erinnert, zum "Tritt-in"auf den Rasen zu gehen und die von den Pferden aufgerissenen Grasnarben einzutreten. "Wir brauchen dazu jede Hilfe, egal ob mit zwei Füßen oder vier Pfoten", ist dann von ihm über die Lautsprecher zu hören. So helfen dann auch die vielen mitgebrachten Hunde eifrig mit und freuen sich zudem diebisch, wenn sie auf dem Rasen irgendwo noch einen Ball vom vorherigen Spiel finden. Dass dieses Poloturnier in Düsseldorf längst den Charakter eines fröhlichen, friedlichen Volksfestes angenommen hat, bewiesen auch die vielen Familien, die gekommen waren. Auf den Holzbänken unter weißen Sonnenschirmen beobachteten sie das Geschehen. Viele breiteten die mitgebrachte Decke auf den Wiesen aus und erfreut sich bei Picknick und Sonnenschein am rassigen Polo. Sie lassen sich auch nicht aus ihrer Ruhe bringen, als es nur wenige Meter entfernt auf dem Rasen zu einem kurzen Wortgefecht zwischen zwei Reitern kommt. Der argentinische Weltklasse-Spieler Ignacio Tillous (Handicap 6) vom Team Berenberg musste nach einem nicht erlaubten Angriff eines Landsmannes sein Pferd im hohen Bogen verlassen und fand das überhaupt nicht fein. "Beim Polo geht es auf dem Platz mit Worten schon einmal ruppig zu", meinte Franck, "aber hinterher ist das alles vergessen."

Quelle: RP
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