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Lokalsport
"Unter den Anständigen der Anständigste"

Düsseldorf. Das deutsche Tischtennis-Idol Eberhard Schöler feierte am Dienstag seinen 75. Geburtstag. Der frühere WM-Zweite prägte seinen Sport später auch als Funktionär. Von Dietmar Kramer

Ein "Gentleman des Sports" feiert Geburtstag: Das deutsche Tischtennis-Idol Eberhard Schöler vollendete am 22. Dezember sein 75. Lebensjahr. In seiner 60-jährigen Laufbahn als Spieler und Funktionär war der frühere Vizeweltmeister, der wegen seiner stoischen Ruhe und regungslosen Miene an der Platte den Spitznamen "Mr. Pokerface" trug, über alle seine großen Erfolge hinaus noch vielmehr durch seine Haltung als Sportsmann ein Vorbild. "Ich glaube, auch wenn die Moral in gewissen Bereichen angegriffen scheint, fest an Fairness und Freundschaft im Sport", sagte der in Flatow/Pommern geborene Jubilar vor der Geburtstagsfeier im Familienkreis in seinem Kaarster Haus. Mit seinen zahlreichen Freunden wird Schöler im kommenden Jahr nachträglich anstoßen: "Mein Geburtstag ist so kurz vor Weihnachten ja wirklich kein günstiger Termin für Reisen. Aber im Frühjahr treffen wir uns noch einmal alle und holen die Feier nach."

Dann leben unzählige Erinnerungen auf, und für Rückblicke bietet Schölers Karriere auch reichlich Anlass. Bei WM-Turnieren ist der einst beste Abwehrspieler der Welt durch Silber 1969 sowie zweimal Bronze der erfolgreichste Spieler des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) im Einzel. Auch durch insgesamt sieben Podestplätze ist er gemeinsam mit Timo Boll (Düsseldorf) DTTB-Rekordhalter. Sechs EM-Medaillen sowie neun DM-Triumphe im Einzel und zwölf nationale Titel mit seinen Vereinen Tusa Düsseldorf und Borussia Düsseldorf runden seine Erfolgsbilanz ab.

Mit der berühmten "Schöler-Peitsche", überraschenden und pfeilschnellen Konterangriffen, zwang der Defensiv-Stratege mit der markanten Hornbrille seine Gegner in zermürbenden, nicht selten jedoch spektakulären Duellen in die Knie. "Abwarten und im vermeintlich richtigen Augenblick die Initiative ergreifen - das ist sicher Teil meines Charakters", sagt Schöler über seine unnachahmliche Spielweise.

Doch noch wichtiger als Siege waren Schöler stets Respekt und Aufrichtigkeit vor dem Gegenüber. "Ich habe bei Eberhard beispielhaft gesehen, wie man in Bescheidenheit siegt und in Gelassenheit verliert", sagt der frühere DTTB-Präsident Hans Wilhelm Gäb über seinen jahrzehntelangen Freund und Weggefährten: "Er ist unter den Anständigen der Anständigste und unter den Fairsten der Fairste."

Dadurch ist das verlorene WM-Finale von 1969, als Schöler gegen den Japaner Shigeo Itoh den Titel trotz einer 2:0-Satzführung noch aus der Hand, für den 155-maligen Nationalspieler auch zu keiner Zeit ein Grund für Verärgerung gewesen. "Der zweite Platz war schon oberhalb der Erwartungen und Itoh eine Kleinigkeit besser. Als Sportler akzeptiert man das", sagte Schöler. Auch für seine gesamte Laufbahn sind Gold, Silber und Bronze nicht der Maßstab: "Es hat Spaß gemacht." Nach seiner aktiven Laufbahn blieb Schöler dem Tischtennis als Funktionär treu. Der frühere Inhaber eines Tischtennisartikel-Versandhandels war ab 1981 beim DTTB 26 Jahre lang als Sportwart und Vizepräsident für den Leistungssport verantwortlich, fungierte beim Europa-Verband ETTU 18 Jahre als stellvertretender Präsident und ist beim Weltverband ITTF nach ebenfalls 18 Jahren im Vorstand seit 2012 Mitglied in der Kommission der Präsidenten-Berater. Viele seiner Initiativen führten nicht nur in Deutschland zu mehr Professionalität im Tischtennis.

Zusammen mit seiner Ehefrau Diane, einer englischen Ex-Weltmeisterin im Tischtennis, leitet Schöler zudem die Geschicke des Swaythling Clubs früherer Weltmeister und Nationalspieler, und besucht, wenn sich das Paar nicht gerade um seine beiden Kinder und vier Enkel kümmert, große Turniere wie demnächst auch die WM im Februar in Malaysia.

Die Erfüllung seiner vielfältigen Aufgaben empfand Schöler, der mit dem Bundesverdienstkreuz und Silbernen Lorbeerblatt sowie der Aufnahme in die Ruhmeshalle des deutschen Sports ausgezeichnet wurde, immer als Dienst an seinem Sport und nicht als Ausübung von Macht: "Meinen Einsatz habe ich von Anfang an als Gegenleistung für das betrachtet, was das Tischtennis mir als Spieler gegeben hat. Ich bin zufrieden, dass ich als Offizieller zu Verbesserungen der Bedingungen für Tischtennis als Spitzensport beitragen konnte."

Das Eishockeyspiel zwischen der DEG und Mannheim war beim Druck dieser Ausgabe noch nicht beendet. Einen Spielbericht finden Sie im Internet unter www.rp-online.de/deg

(sid)
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