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Noureddin Mahnin
"Wo jemand herkommt, ist uns nicht wichtig"

Noureddin Mahnin: "Wo jemand herkommt, ist uns nicht wichtig"
Noureddin Mahnin FOTO: Fupa/Sergej Lepke
Düsseldorf. Ein Jahr nach der Fusion zieht der erste Vorsitzende des MSV Düsseldorf ein positives Fazit und traut der ersten Mannschaft viel zu.

Die Zahlen lesen sich beeindruckend. 34 Spiele, 23 Siege, sechs Remis und nur fünf Niederlagen. Dazu ein Torverhältnis von 116:48. Kein Zweifel: Die erste Saison des Fusionsvereins MSV Düsseldorf war mit der Meisterschaft in der Fußball-Bezirksliga samt Aufstieg in die Landesliga ein voller Erfolg. Doch der Klub hat noch viel mehr vor.

Herr Mahnin, kennen Sie das Schicksal der DJK SC Flingern?

Mahnin Ja, die Geschichte ist mir bekannt (Der Verein, entstanden 2003 aus der Fusion zwischen Alemannia 08 und der DJK Rheinfranken, musste 2013 Insolvenz anmelden, nachdem man sich bei der Sanierung des Clubhauses verkalkuliert hatte, Anm. d. Red).

Warum wird dem MSV ein solches Schicksal erspart bleiben?

Mahnin Zunächst einmal, weil wir schuldenfrei sind. Wenn ich mich recht erinnere, hat Flingern damals für die Sanierung des Clubhauses und der Umkleidekabinen mehr als 600.000 Euro ausgegeben. Dazu sollen sie noch Verträge mit Brauereien abgeschlossen haben. Eines kann ich versprechen: Solange ich erster Vorsitzender des MSV bin, wird es sowas nicht geben.

Der Verein besteht nun seit einem Jahr - wie fällt Ihr Fazit aus?

Mahnin Sehr positiv. Unsere A-Jugend hat in diesem Jahr den Sprung in die Leistungsklasse geschafft, die erste Mannschaft hat den Kreispokal gewonnen und ist in die Landesliga aufgestiegen. Dazu haben wir unsere Jugendabteilung ausbauen können. Ich denke, mehr kann man in einem Jahr kaum erreichen.

Wo liegen noch die größten Baustellen? Vielleicht in der Infrastruktur?

Mahnin Ich sage es mal so: Infrastruktur wird in einem Sportverein dann kompliziert, wenn das Ehrenamt nicht funktioniert. Das fängt bei den Trainern an und geht bis zum Vorstand. Da muss man auch das Glück haben, die richtigen Leute dafür zu finden. Aber ich denke, dass uns auch unser sportlicher Erfolg in unserer Entwicklung geholfen hat.

Wofür möchte der Verein in Zukunft stehen? Eher als Integrationsverein oder als Verein für Jedermann?

Mahnin Ganz klar für Jedermann. Bei der Fusion war schon angedacht, den Namen Hillal wegzulassen, um die Türen für alle Nationen und Kulturen aufzumachen. Sehen Sie sich nur unsere Aufstiegsmannschaft an. Da haben Marokkaner zusammen mit Türken, Japanern und Deutschen gespielt. Da war es egal, ob sie Moslems, Christen oder Juden waren. Wo jemand herkommt, ist uns wirklich nicht wichtig. Hauptsache er passt zu uns. Er muss sich benehmen können und die Werte des Vereins mittragen.

Momentan teilen Sie sich ja die Sportanlage am Kikweg in Eller mit zwei anderen Sportvereinen. Wo soll in Zukunft die sportliche Heimat des Vereins liegen?

Mahnin In der Vergangenheit haben wir uns schon um eine eigene Anlage bemüht. Unser Problem war nur, dass wir immer zu klein waren. Der Kikweg war dann super für uns. Wir konnten dort eine Jugendabteilung aufbauen. Aber jetzt ist unser Bedarf größer, schließlich stellen wir ab der kommenden Saison von den Bambini bis zur A-Jugend alle möglichen Juniorenmannschaften. Aber die Gespräche mit der Stadt zu diesem Thema sind nicht einfach.

Gibt es aufgrund dieser Situation nicht die Möglichkeit, mit anderen Vereinen zu kooperieren?

Mahnin So weit wollten wir gar nicht gehen, weil wir gerne alle Mannschaften auf einer Anlage haben wollen. Trotz aller kleineren Probleme fühlen wir uns am Kikweg heimisch. Zumal wir aufgrund der zentralen Lage einen großen Zulauf von Mitgliedern rund um Eller haben. Das Problem ist nur, dass wir sogar einige Antragssteller zurückhalten müssen aufgrund unserer begrenzten Trainingsmöglichkeiten.

Zum Sportlichen: Die erste Mannschaft hat auf Anhieb den Sprung in die Landesliga geschafft - war das von Anfang so eingeplant oder kam der Erfolg überraschend?

Mahnin Prinzipiell geben wir als Vorstand nie ein Ziel vor, weil im Verlauf einer Saison so viel schieflaufen kann. Im vergangenen Jahr hat sich die Mannschaft zum Beispiel erst im Oktober gefunden. Ab diesem Zeitpunkt hat sie gemerkt, dass sie etwas erreichen kann. Gleichzeitig fing aber auch kurioserweise der Trainer an zu wackeln.

Sie sprechen es gerade an. Im Winter tauschten Sie ihren Trainer Toni Pisano gegen Mo Elmimouni aus - warum war dieser Schritt notwendig?

Mahnin Wir hatten das Gefühl, dass er die Mannschaft nicht im Griff hatte. Im Laufe der Hinrunde hatten wir immer wieder Spiele dabei, wo der Trainer trotz klarer Führung weiter nach vorne gespielt hat - das hat uns dann oft Punkte gekostet. Ab da wussten wir, dass es so nicht weitergehen kann. Parallel war Mo in Kaarst nicht so zufrieden, so dass wir im Winter das Gespräch mit ihm gesucht haben. Das war besser, als alles so weiterlaufen zu lassen und sich am Ende über eine verpasste Chance, sprich den Aufstieg, zu ärgern.

Zu den bekanntesten Spielern der Aufstiegsmannschaft zählten u.a. die Abelski-Brüder. Wie war es möglich, solche namhaften Spieler für die Bezirksliga zu gewinnen?

Mahnin Der damalige sportliche Leiter des Rather SV, Mounir Bouhou, hat den Kontakt zu den Abelskis und Marcel Podszus vermittelt. Ben Abelski und Marcel waren damals auch noch im Vorstand des RSV tätig, ehe sie sich mit dem Verein zerstritten haben, nicht mehr spielen wollten und rausgeschmissen wurden. Ich habe sie dann gefragt, ob sie nicht Lust hätten, bei uns zu spielen. So hat die Geschichte ihren Lauf genommen.

Aber für umsonst haben diese Spieler auch nicht gespielt, oder?

Mahnin Das Finanzielle hielt sich wirklich im Rahmen. Das ist nicht so, wie viele das denken. Jeder Spieler kriegt auf diesem Amateurniveau das gleiche. In erster Linie wollten die drei einfach Fußballspielen, und wir haben ihnen die Möglichkeit dazugegeben.

In der Landesliga setzen Sie allerdings nun vermehrt auf junge, talentierte Spieler aus der Umgebung. Warum der Kurswechsel?

Mahnin Das hat auch mit dem Trainer zu tun. Er setzt auf junge Spieler mit Perspektive, die den großen Sprung noch nicht geschafft haben. Bei ihnen kann er noch das Optimum herausholen. Joshua Sumbunu ist da so ein Beispiel für. Der ist körperlich eine richtige Maschine, spielt aber mindestens zwei Ligen zu niedrig. Oder Enes Öz. Den haben wir schon beobachtet, als er zum TSV Meerbusch gewechselt ist. Aber letztlich ist jeder in unserer Mannschaft wichtig.

Was trauen Sie dieser jungen Mannschaft zu?

Mahnin Wir wollen erst einmal die Liga kennenlernen, denn es wird mit Sicherheit eine harte Saison. Da sind mit Meerbusch, Kapellen-Erft oder Velbert schon einige Kaliber dabei. Aber wenn die Mannschaft einen Schritt nach oben gehen möchte, dann sollen sie das machen. Sie entscheidet darüber, ob sie den Klassenerhalt, einen Mittelfeldplatz oder den Aufstieg erreichen will.

DAS GESPRÄCH FÜHRTEN TOBIAS DINKELBORG UND MAXIMILIAN LONN

Quelle: RP
 
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