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Lokalsport
Zwischen Handballfeld und Lagerfeuer

Lokalsport: Zwischen Handballfeld und Lagerfeuer
Die Mannschaft aus Gerresheim abends am Lagerfeuer in Norwegen. Beim Austausch mit dem Handball-Dorf Froland ist das Team näher zusammengerückt. FOTO: Harald Kusch
Düsseldorf. Die HSG Gerresheim bringt ihre Mannschaften mit dem norwegischen Dorf Froland zusammen. Für die Spielerinnen ist es eine sportliche Herausforderung, bei der es nicht nur um Handball geht. Von Verena Kensbock

Das Spiel in Norwegen war für die Damen der HSG Gerresheim eine ziemliche Überraschung: Denn die Mannschaft aus dem südnorwegischen Froland spielt mit Harz. Die klebrige Substanz, die sonst Rindenschäden an Bäumen abdichten soll, schmieren sich die Handballerinnen auf die Hände. Die Bälle bleiben kleben, die Spielerinnen erhöhen ihre Fangquote. Das kannten die Handballerinnen aus Düsseldorf nicht. In den unteren Ligen ist das Kunstharz verboten. Eine ziemliche Herausforderung für die Sportlerinnen: Das Fangen klappt zwar gut, das zielgenaue Werfen ist aber umso schwieriger. Und so gingen in der ersten Halbzeit die Pässe überall hin - nur nicht, wo sie hin sollten. Und die Gerresheimerinnen verloren haushoch bei ihrem ihrem ersten Auswärtsspiel im Ausland. Zum Glück, sagt Trainer Harald Kusch, ging es vor allem um den Spaß am Spiel.

Das Team war für eine Mannschaftsfahrt in Norwegen - dem Land, in dem zu den Handballspielen der Damen mehr Zuschauer kommen als zu den Herren. Auf dem Programm standen Kanufahren, Lagerfeuer, Klettern und eben - als großer Höhepunkt - das Spiel gegen die Norwegerinnen in Froland. Ein Dorf mit 1200 Einwohnern, das dennoch als die norwegische Hauptstadt des Handballs gilt.

"Ich sag mal so: Mit Franzosen wäre es einfacher gewesen", sagt Kusch und lacht. Das liege nicht an der Entfernung. Froland ist mit rund 1100 Kilometern ebenso weit entfernt von Düsseldorf wie Marseille. Aber eine gemeinsame kommunikative Basis zu finden, sagt Kusch, sei in Skandinavien deutlich schwieriger. "Mit einem Franzosen kann man sich im Vorbeigehen für den Abend verabreden. In Norwegen muss man Verlässlichkeit beweisen. Es braucht Zeit, um Vertrauen aufzubauen - auch weil die Städte so klein sind."

Dass das freundschaftliche Spiel zwischen den beiden Nationen so schnell zustande gekommen ist, überraschte den Trainer. Die deutschen Handballerinnen bereiteten sich gewissenhaft auf das Zusammentreffen vor. Im Camp lernten sie noch ein wenig norwegisch - zumindest genug, um sich begrüßen und bedanken zu können. Und sie brachten ihren Gegnerinnen aus dem hohen Norden kleine Geschenke mit: Süßigkeiten und einen Husky-Gerresheim-Schal. Der Umgang war herzlich, das Spiel aber hart. "Es ist ein stärkeres Spiel", sagt Christine Leibauer aus dem Gerresheimer Team. "Die Spielerinnen sind robuster. Aber ansonsten: zwei Teams, zwei Tore, ein Ball." Aus Trainersicht, so Kusch, sei auffällig, wie professionell die Norwegerinnen spielen: "Sie nahmen das Spiel sehr ernst. Und auch an ihrem Spiel hat man gemerkt, dass sie zwei Profi-Spielerinnen dabei hatten."

Der Handball spielte allerdings nicht die Hauptrolle. "Das Sportliche ist sekundär, es geht vor allem um den Spaß", sagt Kusch. Sich austauschen, Handball spielen, Freundschaften schließen. "Wir wollen mehr machen als nur Handball spielen", sagt Kusch.

Beim Norwegen-Austausch hatte der Trainer anfangs mit den üblichen Einwänden zu kämpfen: Holland ist näher, Mallorca ist wärmer. Dennoch stimmte die Mehrheit für Norwegen, und beinahe die gesamte Mannschaft meldete sich für die fünftägige Fahrt an, die der Verein bezuschusst hat. "Das war ein ganz anderes Erlebnis: Abends am Lagerfeuer rückt die Mannschaft viel enger zusammen, als wenn man auf Mallorca durch die Clubs zieht", sagt Kusch rückblickend.

Daran will der Verein nun anknüpfen. Ende Mai fahren die Spielerinnen der A-Jugend in das Handball-Dorf. Bald, so ist es in Planung, sollen auch die Norwegerinnen zu Besuch nach Düsseldorf kommen. Sie können dann auf dem Rasenplatz des TV Torfbruch zelten, mit den Gerresheimerinnen trainieren und sich von ihnen die Stadt zeigen lassen.

Quelle: RP
 
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